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Doping : Erstmals Belege für Manipulationsplan im Westen

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Deutsche Radsportler bei den Olympischen Spielen von 1976: Dokumente belegen ärztliche Pläne, die Athleten systematisch zu dopen Bild: picture-alliance / dpa

Erstmals gibt es Belege für einen systematischen Dopingplan im westdeutschen Sport der siebziger Jahre. Bislang ging man stets von nur systemischen Manipulationen aus. Die F.A.Z. berichtet in ihrer Freitagsausgabe von planvollem Doping im deutschen Radsport.

          In Teilen des westdeutschen Sports hat es doch einen Plan für systematisches Doping gegeben. Das geht aus einem Dokument hervor, das der F.A.Z. vorliegt und über das die Zeitung in der Freitagsausgabe berichtet. Demnach hat der frühere Olympiaarzt Armin Klümper im Olympiajahr 1976 die Versorgung von  Kaderathleten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) unter anderem mit Anabolika ins Auge gefasst.

          Das  Papier belegt erstmals den Versuch einer systematischen Versorgung in einem westdeutschen Fachverband. Klümper, damals Verbandsarzt des BDR, war zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Der 78 Jahre alte Mediziner lebt in Südafrika. Ehemalige Athleten und ein früherer Arzt aus dem Radsport bestätigten, Klümpers Plan oder die im Sport auch damals schon verbotenen Anabolika von ihm erhalten zu haben.

          Bislang nur systemisches Doping bekannt

          Laut seines „Grundplanes“ empfahl der Mediziner den Athleten von Februar 1976 an bis zu den Sommerspielen in Montreal im gleichen Jahr nicht nur zahlreiche Vitamine einzunehmen. Er schrieb auch vor, an welchen Tagen die Anabolika Deca-Durabolin und Megagrisevit zu verwenden seien. 

          Nach Plan verabreicht: In den siebziger Jahren sollten Radsportler nach ärztlicher Empfehlung mit Anabolika dopen

          Im „Rennprogramm“, das „mindestens 3x vorher in anderen Rennen erprobt werden“ müsse, legte er den Radrennfahrern nahe, „mindestens 4, besser 6 Tage vorher 1 Amp. Megagrisevit i.m. (intramuskulär)“ zu verwenden.  Die Dosierung war allerdings, verglichen mit den Einnahmegewohnheiten dopender Bodybuilder, gering.

          Bislang ist man davon ausgegangen, dass es in der Bundesrepublik im Vergleich zum staatlich angeordneten Doping der ehemaligen DDR kein systematisches, sondern ein „systemisches“ Doping gegeben hat.

          Die F.A.Z. vom Freitag ist auch als e-paper erhältlich.

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