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Doping-Enthüllungen der ARD : Machenschaften wie im Radsport vor 20 Jahren

Was ist da los in der Leichtathletik? Bild: Picture-Alliance

Die ARD-Doku „Geheimsache Doping“ sorgt für Unruhe im Weltsport. Am Pranger steht vor allem der internationale Leichtathletik-Verband IAAF. Die Welt-Anti-Doping-Agentur nimmt die Hinweise sehr ernst.

          3 Min.

          Ein russischer Dialog, auf Deutsch nachgesprochen in der ARD. „Parabolan ist wahrscheinlich zehn bis 15 Tage nachweisbar“, sagt Marija Sergejewna Sawinowa. „Epokrin solltest Du über Jahre hinweg nehmen.“

          „Hast Du Dich mit Wachstumhormon vorbereitet?“, fragt eine nicht genannte Person.

          „Ja.“

          „Es ist nicht nachweisbar?“

          „Nur drei bis vier Tage lang.“

          Es ist die Olympiasiegerin von 2012 über 800 Meter, die Weltmeisterin von 2011, Europameisterin 2010, die da spricht, in der Doping-Dokumentation „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik“ des Westdeutschen Rundfunks, die seit ihrer Ausstrahlung am Samstagabend, und verstärkt durch die Berichterstattung der englischen „Sunday Times“, den Betrugsverdacht in der Leichtathletik auf ein neues Allzeit-Hoch getrieben hat. Es ist eine Fortsetzungsgeschichte, denn sie setzt dort an, wo die Recherchen im vergangenen Dezember, als der erste Teil ausgestrahlt worden war, aufgehört hatte.

          Damals hatte das Ehepaar Stepanow, sie Läuferin, er Doping-Kontrolleur, enthüllt, mit welchem System die russische Leichtathletik, Sportler wie Funktionäre, und die russische Anti-Doping-Agentur ihr Spiel spielen - in manchem Fall auch mit dem damaligen Schatzmeister des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), Walentin Balachnitschew, zugleich seit 1991 Präsident des All-Russischen Verbandes der Leichtathleten. Ämter, die er kurz nach Ausstrahlung der Dokumentation ruhen ließ. Und es dauerte auch nicht lange, bis die IAAF eine Ethikkommission und die Welt-Anti-Doping-Agentur eine Gruppe von Sonderermittlern bestellte, die den Machenschaften auf den Grund gehen sollten. Ergebnisse gibt es von beiden nicht, bis heute.

          Epo gang und gäbe

          Und nun also der Nachschlag. In Russland: Ein paar neue Köpfe, aber alte Machenschaften und noch mehr Läuferinnen auf der Mittelstrecke, die in ihren Gesprächen zur besten Doping-Praxis mitgeschnitten wurden. Und hinter den Kulissen auch die alten Köpfe. Wladimir Kasarin etwa, Trainer der Mittelstrecklerinnen um Marija Sawinowa, war im Frühjahr bei den Hallen-Europameisterschaften.

          Zudem: Die Verwendung des Blutdopingmittels Erythropoetin, kurz Epo, scheint in Kenia, Heimat der besten Langstreckenläufer der Welt, gang und gäbe und wird so amateurhaft genommen, dass es manchen das Leben kostet. Tod durch Epo, das hatte es in Europa zuerst Anfang der Neunziger Jahre unter Radsportlern gegeben. Rita Jeptoo, wegen Dopings gesperrte Weltklasse-Marathonläuferin, sagt, in ihrer Heimat habe sie sich noch kein einziges Mal einer Blutkontrolle unterziehen müssen. Darüber hinaus legt die Dokumentation auch die persönliche Bereicherung kenianischer Funktionäre an den Sponsorenüberweisungen des Ausrüsters „Nike“ nahe. Kontoauszüge sollen belegen, dass auf Überweisungen aus Oregon ziemlich umgehend auch stets Abhebungen kenianischer Verbandsoberer in nicht unbeträchtlicher, weil sechsstelliger, Höhe erfolgten. Der Präsident von Athletics Kenya, Isisah Kiplagat, möchte in wenigen Wochen, bei den Wahlen vor der WM in Peking, die am 22. August beginnt, Vize-Präsident der IAAF werden. Sein Verband weist alle Anschuldigungen zurück und behält sich rechtliche Schritte vor.

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