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Doping : Druck auf die Nada wächst

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Esoterik oder Doping: Die Methoden des Arztes Andreas Franke sorgen für Unruhe Bild: dpa

Mittlerweile stehen in der Erfurter Dopingaffäre 30 Athleten unter Verdacht: Olympiasieger Nils Schumann verteidigt den Arzt, der Sportlerblut zur Leistungssteigerung mit UV-Strahlen behandelt haben soll.

          Auf die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) rollt eine Welle von sportgerichtlichen Verfahren zu, die ihre Kapazitäten sprengen könnte. Am Montag kündigte die Institution an, im Zusammenhang mit der Erfurter Blut-Affäre in 28 weiteren Fällen die Einleitung von Verfahren gegen Athleten zu prüfen, die unter Doping-Verdacht stehen.

          Schon früher hatte die Nada bestätigt, dass sie bereits in den Fällen einer Eisschnellläuferin (aufgrund einer Selbstanzeige) und eines Radrennfahrers tätig geworden ist. Jörg Werner, der Teammanager des Bahnfahrers Jakob Steigmiller, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass sein Sportler bei der Staatsanwaltschaft Erfurt und der Nada hat aussagen müssen.

          Nada vor Problemen

          Nachdem die Staatsanwaltschaft der Nada zum zweiten Mal Akteneinsicht in ihre Ermittlungen gegen den Sportmediziner Andreas Franke gegeben hat, muss diese ihre Aktivitäten ausweiten. Athleten können wegen Selbst-Dopings nicht strafrechtlich belangt werden, sie werden auch in dem Erfurter Verfahren lediglich als Zeugen vernommen.

          Die Verfolgung von Doping-Vergehen ist dem Sportrecht und damit vorerst der Nada vorbehalten. Allein das Prozessrisiko einer so großen Zahl von Fällen könnte die Anti-Doping-Institution allerdings in ihrer Existenz gefährden. „Ich kenne auch keine Agentur der Welt“, sagte die neue Nada-Chefin Andrea Gotzmann am Sonntag in einer ARD-Sendung, „die das von heute auf morgen so umsetzen und bewältigen kann. Wir planen das intensiv, was unsere personellen und finanziellen Ressourcen angeht.“

          Schumann nimmt in Schutz

          Auch der öffentliche Druck auf die Nada ist gewachsen, weil die Namen mehrerer Sportler, die Frankes Patienten gewesen sein und darum unter Doping-Verdacht stehen sollen, in verschiedenen deutschen Medien genannt wurden. Der Thüringer Nils Schumann, 800-Meter-Olympiasieger von Sydney 2000, nahm den Arzt gegenüber der dpa inzwischen in Schutz. Er habe Franke, der von 2006 bis 2011 Vertragsarzt am Erfurter Olympiastützpunkt war, „stets als integren Arzt erlebt, den ich persönlich niemals in Zusammenhang mit Doping gebracht habe“. Er halte „das Ganze für Humbug“, sagte der 33 Jahre alte Schumann, der seine Spitzensport-Laufbahn bereits beendet hat. „Ich selbst habe niemals verbotene oder auch fragwürdige Behandlungsmethoden genossen und distanziere mich davon ausdrücklich.“ Der Olympiastützpunkt Thüringen ist eines der effektivsten Zentren des deutschen Hochleistungssports.

          Olympiasieger Nils Schumann nimmt seinen Arzt in Schutz

          Gegen Andreas Franke wird ermittelt „wegen des Anfangsverdachts der unerlaubten Anwendung von Arzneimitteln an anderen zu Doping-Zwecken“. Der Sportmediziner hat zugegeben, Athleten in seinen Praxisräumen zwanzig Jahre lang Blut entnommen, mit UV-Strahlen behandelt und wieder injiziert zu haben. Allerdings habe er mit diesem Verfahren lediglich Infekten vorbeugen wollen. Die Wirksamkeit einer solchen Behandlung ist nicht nur medizinisch umstritten. Bei der Entnahme und Reinfusion von Blut handelt es sich auch um eine im Sinne des international verbindlichen Anti-Doping-Reglements (Wada-Kodex) verbotene Methode, unabhängig davon, ob sie eine Leistungssteigerung bewirkt.

          Die SPD-Politikerin Dagmar Freitag forderte für Mediziner den Entzug der Approbation bei Beihilfe zum Doping. „Das wäre ein scharfes Schwert, wenn einem Arzt dafür die berufliche Grundlage entzogen würde“, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses.

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