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Klage von Doping-Opfern : „Wir sind eure Produkte!“

„Wir haben das Problem der DDRisierung des deutschen Sports“: Ines Geipel Bild: dpa

Der Verein zur Hilfe für Doping-Opfer vertritt rund 1000 Betroffene. Die Vorsitzende Ines Geipel wirft Regierung und Sport Blockade-Politik vor. Doping-Opfer in Rollstühlen planen nun bei der DOSB-Versammlung eine Aktion.

          Vierhundert geschädigte ehemalige Sportlerinnen und Sportler aus der DDR haben sich allein in dem einem Jahr beim Verein zur Hilfe für Doping-Opfer (DOH) in Berlin gemeldet, wo er eine Beratungsstelle unterhält. Der Verein vertrete rund tausend Betroffene, sagte dessen Vorsitzende Ines Geipel am Montag bei einer Veranstaltung der Bundestagsfraktion der Grünen in Berlin. Wöchentlich kämen bis zu zehn dazu. Sie erwarte, dass insgesamt zweitausend Dopingopfer aktenkundig werden und forderte für diese staatliche Opfer-Rente und konkrete therapeutische Hilfe.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Die Geschädigten haben keine Zeit mehr“, sagte sie, nachdem sie neun Fälle der vergangenen Woche vorgestellt hatte: Männer und Frauen, die unter Krebs und Organvergrößerungen, Nieren- und Leberversagen, Psychosen und Depressionen leiden. Regierung und Sport warf sie Blockade-Politik vor. „Wir haben das Problem der DDRisierung des deutschen Sports“, klagte sie.

          Die ehemalige Ruderin Cornelia Reichhelm berichtete unter Tränen, dass sie zum ersten Mal, unwissentlich, mit 13 Jahren gedopt worden sei. Diese Verabreichung von Testosteron in einem Großversuch an Minderjährigen habe bei ihr inzwischen zu Erwerbsunfähigkeit geführt. Derzeit lebe sie von der Lebensversicherung, die ihren Ruhestand hätte sichern solle, sie hoffe auf Sozialhilfe danach. Der ehemalige Radrennfahrer Uwe Trömer, ebenfalls schwer geschädigt, verlangte, den DDR-Sport als SED-Unrecht anzuerkennen und warf der Politik vor, sie warte auf eine „biologische Lösung“.

          Die Beratungsstelle des DOH nehme „wie eine Black Box“ Opfer und deren Schädigungen auf, beschrieb Ines Geipel das Verfahren und melde sie ans Bundesinnenministerium. Dieses fördert die Beratungsstelle mit 20.000 Euro im Jahr. Hilfe über das Gespräch hinaus könne die Beratungsstelle in den seltensten Fällen anbieten. Zehn Geschädigte sollen in einem Präventionsprojekt namens „Erfahrung als Botschaft“ in Schulen über ihr Schicksal berichten. Bei der Vollversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am Wochenende in Dresden, kündigte Ines Geipel an, wollen Doping-Opfer in Rollstühlen Verbände und Funktionäre an ihre Verantwortung erinnern. Motto: „Wir sind eure Produkte!“

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