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Doping-Debatte : Rufe nach Anti-Doping-Gesetz werden lauter

  • Aktualisiert am

Wehrt sich: Innenminister Friedrich Bild: AFP

Im Zuge der Doping-Diskussion wird der Ruf nach Konsequenzen lauter. Immer mehr Funktionäre und Sportler fordern ein Anti-Doping-Gesetz. Auch der Fußball gerät mehr und mehr in den Fokus. Derweil erhält die Sportausschussvorsitzende die gesamte Studie.

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          Das Bundesinnenministerium hat veranlasst, dass der Vorsitzenden des Sportausschusses Dagmar Freitag und den Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag die vollständige Studie zum Doping im bundesdeutschen Sport zugestellt wird. Wie das BMI am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, diene dieser Schritt der persönlichen vertraulichen Unterrichtung zur Versachlichung der Diskussion und zur Herstellung einer möglichst vollständigen Transparenz des in den Medien diskutierten sogenannten „800-Seiten-Berichts“.

          Derweil werden die Forderungen nach einem Anti-Doping-Gesetz immer lauter, und auch der Fußball gerät mehr und mehr in Zugzwang. Am zweiten Tag nach der Veröffentlichung der brisanten Studie über die Doping-Praktiken in der Bundesrepublik sah sich sogar DOSB-Präsident Thomas Bach gezwungen, etwas über seine eigene Athleten-Vergangenheit zu sagen. „In meiner aktiven Zeit war im Fechten Doping kein Thema. Ich habe aber Anfang der 80er Jahre in anderen Sportarten die Thematik erkannt und lebenslange Sperren gefordert“, erklärte der Fecht-Olympiasieger von 1976 am Mittwoch in Berlin.

          Bach hat sich bisher auch stets gegen ein Anti-Doping-Gesetz ausgesprochen. Genau das müsse aber her, fordern immer mehr Athleten und Funktionäre. Diskus-Olympiasieger Robert Harting, Radsport-Weltmeister Tony Martin, Rudolf Scharping, Boss des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) und Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) machten sich am Mittwoch für ein entsprechendes Gesetz stark.

          Sogar der Fußball, der den Anti-Doping-Kampf bisher eher stiefmütterlich behandelt hatte, nimmt sich des Themas notgedrungen an und will die längst überfällige Einführung der Blutkontrollen umsetzen. Eine Maßnahme, die im Radsport oder in der Leichtathletik seit Jahren fester Bestandteil des Kontrollsystems ist.

          Innenministerium bestreitet Vertuschung

          Das Innenministerium ist derweil dem Vorwurf der Vertuschung und Täuschung entgegengetreten, den die SPD wegen einer Studie zur Doping-Praxis in der alten Bundesrepublik gegen Minister Hans-Peter Friedrich (CSU) erhoben hatte. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, die Vorwürfe der SPD gingen „ins Leere“, es werde fälschlich der Eindruck erweckt, die Bundesregierung enthalte der Öffentlichkeit Forschungsergebnisse vor. Gegenstand der Auseinandersetzung sind verschiedene Fassungen einer wissenschaftlichen Studie unter anderem unter Beteiligung der Berliner Humboldt-Universität, in denen staatliche Verstrickung in Sportler-Doping und die systematische Förderung solcher Praktiken in den Jahren seit 1950 analysiert wird. Dem Bundestag war Anfang der Woche eine Fassung übermittelt worden, die um mehrere hundert Seiten kürzer ist, als eine Ursprungsversion der Humboldt-Universität, aus der zuvor Zeitungen berichtet hatten.

          Das Ministerium nimmt für sich in Anspruch, „aktiv“ Aufklärung zu betreiben, anders als andere Beteiligte. Der ausführliche Bericht wird in einer Mitteilung des Ministeriums als „Zwischenprodukt“ der Forscher der Humboldt-Universität bezeichnet, das den geltenden Standards nicht entsprochen habe. Das Ergebnis der Studie habe wissenschaftlichen- und datenschutzrechtlichen Anforderungen genügen müssen. Das sei nunmehr der Fall. Dem Bundestag sei der jetzt offizielle Abschlussbericht der Forscher in Berlin und in Münster übermittelt worden.

          Der frühere Bericht, so erläutert ein Sprecher des Ministeriums, sei zwar von den Projekt-Wissenschaftlern an der Humboldt-Universität als „ihr Abschlussbericht“ tituliert worden. Er erfülle aber „in keinerlei Hinsicht“ die Anforderungen des Bundesinstituts für Sportwissenschaften. Nachdem das mitgeteilt worden war, hätten - so berichtet das Ministerium - die Forscher in Berlin und Münster eine gemeinsame Abschlussarbeit erstellt. Diese hat nach Angaben der SPD-Fraktion im Bundestag einen Umfang von 124 Seiten, der Bericht der Humboldt-Universität, der auch eine Fülle von Namen nannte, hatte einen Umfang von 804 Seiten.

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