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Dopingskandal : Wada hat Beweise gegen 43 russische Sportler

Ein Mitarbeiter des russischen Dopinglabors hält eine Probe: Hieraus wurden der Wada neue Daten zugespielt. Bild: AP

Die Wada hat unerwartet Zugriff auf Quellen aus einem Moskauer Analyselabor erhalten und setzt die Weltverbände prompt unter Druck, denn nach der Auswertung sind fast 300 russischen Athleten verdächtig.

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          Einige Weltverbände des Sports haben brisante Post. Absender ist die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Montréal. Der Inhalt: Sogenannte Beweis-Pakete, die Doping-Fälle russischer Sportler aus den Jahren 2012 bis 2015 belegen. 43 solcher Dossiers habe sie inzwischen verschickt, lässt die Wada in einer Pressemitteilung wissen. Und es wird den Verbänden nicht möglich sein, die Pakete unter den Tisch fallen zu lassen. Sollte ein Weltverband sich gegen ein Doping-Verfahren entscheiden und die Sache aussitzen wollen, will die Wada nicht nur die Fakten zusammen mit diesem Weltverband noch einmal durchgehen und diskutieren. „Die Wada behält sich das Recht vor, Fälle, bei denen es angemessen ist, vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) zu bringen.“ Sie werde auch die Entscheidungen des betreffenden Weltverbandes und des Cas prüfen. „Um ihre Strategie anzupassen“, heißt es in der Mitteilung.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Daraus geht auch hervor, dass mehr als die 43 nach Meinung der Ermittlungsabteilung der Wada belastbaren Fälle zu erwarten sind. Der Prozess habe gerade erst begonnen. Insgesamt wurde eine „Zielgruppe“ von 298 Athleten identifiziert, die am dringlichsten unter Verdacht stehen. „Die Wada beabsichtigt, in naher Zukunft weitere Pakete an betroffene Weltverbände zu schicken“, heißt es. Schätzungsweise Ende dieses Jahres würden alle vordringlichen Fälle von der Wada untersucht sein. Craig Reedie, der Präsident der Wada, hatte in der vergangenen Woche bei der Session des Internationalen Olympischen Komitees von 100 erwarteten Fällen gesprochen. Die Wada benannte weder Sportarten noch einzelne Athleten. Betroffen sind mit den Sommerspielen 2012 in London und den Winterspielen 2014 in Sotschi zwei olympische Großereignisse.

          Unerwartete Quellen für die Wada

          Grundlage der Beweis-Pakete ist die Auswertung zweier Quellen. Im Januar konnten Experten der Wada einen riesigen Datensatz aus dem berüchtigten Moskauer Anti-Doping-Labor herunterladen. Bereits im Oktober 2017 hatte sie durch einen Informanten eine Kopie davon erhalten, so dass es möglich wurde, die Authentizität der Angaben zu belegen. Tatsächlich sind Datenexperten zurzeit damit befasst, einige Abweichungen zu untersuchen. Ende April vermeldete die Agentur zudem den Erhalt von 2262 Dopingproben aus dem Labor. Die russische Staatsanwaltschaft hatte diese bis dahin wegen eines eigenen Ermittlungsverfahrens zurückgehalten. Die Wada gibt an, sie habe unabhängig von den Beweis-Paketen ein Re-Analyseprogramm der Proben gestartet, heißt es. Bereits drei Doping-Fälle seien entdeckt und weitergegeben worden. Die Russische Anti-Doping-Agentur Rusada habe Verfahren eingeleitet.

          Hintergrund der Untersuchungen sind die Erkenntnisse der Wada über das russische Staatsdoping. Aufgrund des erwiesenen Betrugssystems hält der Leichtathletik-Weltverband die Suspendierung Russlands bis heute aufrecht. Die Wiederanerkennung der suspendierten Russischen Anti-Doping-Agentur Rusada hatte die Wada mit der Forderung an Moskau verbunden, die Daten und Proben herauszugeben. Dass sie die Suspendierung im Vorgriff aufhob, und Russland tatsächlich die erste Frist zur Auslieferung der Daten überschritt, hatte ihr harsche Kritik eingebracht.

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