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Doping-Bekämpfung : Kritik an bayerischen Kollegen

  • Aktualisiert am

Folgen großen Worten auch Taten? Vesper (im Foto links) und Stickelberger Bild: dpa

Die baden-württembergische Justiz und der DOSB wollen gemeinsam gegen Doping kämpfen. Minister Stickelberger (SPD) kritisiert die Arbeit der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft - und verärgert damit seine bayerische Amtskollegin.

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          Der baden-württembergische Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper haben an diesem Dienstag eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Verfolgung von Dopingdelikten beschlossen. „Doping ist ein Übel, das wir im Interesse aller fairen Sportler versuchen müssen, auszurotten. Das geht nur gemeinsam“, sagte Vesper in Stuttgart.

          Stickelberger und Vesper vereinbarten einen regelmäßigen Informationsaustausch zwischen Vertretern des Sports und der am 1. April eingerichteten „Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Verfolgung von Dopingstraftaten“ in Freiburg. Der DOSB-Generaldirektor sagte zu, die Sportverbände anzuhalten, die beiden Staatsanwälte in Freiburg unverzüglich über Dopingverstöße zu benachrichtigen. „Der organisierte Sport kann am besten, am schnellsten und am effektivsten den Sportler bestrafen“, sagte Vesper. „Der Staat aber ist dafür zuständig, das ganze Umfeld, ohne das Doping heute gar nicht mehr möglich ist, zu verfolgen und zu sanktionieren.“

          Bilanz in spätestens einem Jahr

          Die Staatsanwaltschaft werde ihrerseits Sportverbände und die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) über Doping-Erkenntnisse informieren, erklärte der Justizminister. In spätestens einem Jahr solle eine erste Bilanz der Zusammenarbeit gezogen werden. Zudem will Stickelberger bei seinen Kollegen für die Einrichtung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften in weiteren Bundesländern werben. „Das Thema betrifft nicht ein Bundesland, sondern die Bundesrepublik insgesamt“, meinte Stickelberger und sein Gegenüber Vesper sagte ergänzend: „Fünf insgesamt halte ich für eine sinnvolle Zahl.“

          Kritik in Richtung Bayern

          Bislang gibt es lediglich in Bayern eine weitere Schwerpunktstaatsanwaltschaft gegen Doping. Deren Ergebnisse seien jedoch „aus unserer Sicht unzureichend“, sagte Stickelberger. Es werde zu häufig gegen Hobbysportler in Fitness-Studios ermittelt. „Wir wollen, salopp gesprochen, nicht die Dorf-Olympiade in einem beschaulichen Ort auf der Schwäbischen Alb ins Visier nehmen, sondern den Hochleistungs- und Berufssport.“

          Eine Kritik, die in München für Reaktionen sorgte. Sie sei „nicht nachvollziehbar“, sagte die bayerische Justizministerin Beate Merk an diesem Dienstag. „169 Anklagen und Strafbefehle sowie insgesamt 42 Jahre und 8 Monate Freiheitsstrafe in den letzten drei Jahren können sich mehr als sehen lassen!“ Dass es bislang vor allem Erfolge im Bereich Bodybuilding und Kraftsport gebe und nicht im Wettkampfsport, liege alleine daran, dass das geltende Recht erhebliche Defizite aufweise und insbesondere nicht beim dopenden Sportler selbst ansetzte. „Mein Gesetzentwurf, der diese Lücke schließt, liegt seit langem auf dem Tisch.“

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