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Doping-Aufarbeitung : Omertà in Freiburg?

  • Aktualisiert am

Letizia Paoli Bild: Picture-Alliance

Der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit der Universität Freiburg droht die finale Blockade. Untersuchungsleiterin Letizia Paoli sieht sich behindert und droht mit Rückzug. Nun geht die Universität auf Konfrontationskurs zu ihr.

          Die Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit der Universität Freiburg im deutschen Leistungssport scheint zu scheitern. Letizia Paoli, die Leiterin einer von der Universität beauftragten Kommission, hat zum 24. Oktober mit ihrem Rücktritt gedroht. Das sagte die Kriminologin von der Universität Leuven auf Anfrage und bestätigte damit eine Meldung des „Spiegel“. Demnach fühlt sie sich bei ihrer Arbeit behindert.

          Die Universität allerdings will nicht auf die Forderungen von Paoli eingehen. Diese müsse wie vereinbart zeitnah ihren Abschlussbericht vorlegen, sagte der Freiburger Unirektor Hans-Jochen Schiewer am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Die von Paoli mit einer Rücktrittsdrohung verbundenen Forderungen werde die Hochschule nicht erfüllen. „Wir lehnen dieses Ultimatum ab“, sagte Schiewer. Paoli habe alle Informationen erhalten, nun brauche die Universität Ergebnisse.

          Schon in den vergangenen Jahren hatte die Mafia-Expertin über eine fehlende Kooperation geklagt. Falls bis zum kommenden Freitag nicht alle Fragen und Anforderungen an den Rektor der Universität für eine angemessene Aufarbeitung des Themas beantwortet seien, werde sie ihren Vorsitz aufgeben. In Freiburg hatten nachweislich mehrere Mediziner der Abteilung für Sportmedizin über Jahre Leistungssportler gedopt, unter anderem Radprofis des Teams Telekom.

          Dennoch kam eine erste Untersuchungskommission bei der Aufarbeitung der konkreten Fälle mehr oder weniger zu der Auffassung, die zum Teil lebensgefährlichen Verstöße gegen die Regeln des Sports und gegen die Standesregeln der Ärzte seien das Werk von Einzeltätern gewesen. Während in Freiburg eine verbotene Leistungssteigerung etwa mittels Blut-Doping auch in den Räumen der Universität praktiziert wurde, hatte die Abteilung mehr als eine Million D-Mark von der Telekom erhalten - zur Anti-Doping-Forschung.

          Falls die Kommission platzen und die Arbeit nicht abgeschlossen werden sollte, würde es vermutlich nicht zu einer Veröffentlichung der seit 2009 gesammelten Daten und erarbeiteten Ergebnisse kommen.

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