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Ärger bei Schwimm-WM : Schutz für den Doper

Ärger bei der Siegerehrung; Sun Yang (Mitte) und Duncan Scott (links) Bild: AP

Sun Yang fällt nicht nur durch Siegerposen und arrogante Sprüche auf. Viel schwerer wiegt der Verdacht, der ihn umweht. Die Konkurrenz ist erbost. Und das Verhalten des Weltverbands macht das Problem des Schwimmens deutlich.

          Mack Horton hat in Sun Yang einen unangenehmen Gegner. Dem Chinesen ist aus drei Olympiasiegen, seit Dienstag elf Weltmeister-Titeln und einer Anhängerschaft von kreischenden Teenies ein unangenehm angeberhaftes Auftreten zugewachsen. Doch schwerer als triumphierende Siegerposen und arrogante Sprüche wiegt der Verdacht, der Sun umweht.

          Seit ihm vor fünf Jahren nachgewiesen wurde, dass er ein im Sport verbotenes Herzmittel eingenommen hatte, darf man ihn, wie Horton es bei den Olympischen Spielen von Rio tat, einen Doper nennen. Darüber hinaus wirkt er, durch die Entscheidungen der Fina wie durch die herzliche Umarmung ihres Generalsekretärs Cornel Marculescu in Rio, wie ein Protegé des Verbandes – ein Star, auf den die Fina setzt, um den chinesischen Markt zu erschließen.

          Wie anders ist zu erklären, dass Sun, ohne dass es zunächst jemand erfuhr, 2014 für ein Vierteljährchen gesperrt wurde, rückwirkend, also praktisch gar nicht? Und was soll man über die Hammer-Affäre denken, die bislang ebenfalls ohne Konsequenz geblieben ist? Eine überraschende Doping-Kontrolle im Hause Sun eskalierte zu einem vier Stunden langen Streit, in dem viel geschrien und viel telefoniert wurde und auf dessen Höhepunkt Blut floss – die Glasröhrchen mit einer Probe von Sun wurden zerschlagen, ihre Analyse gewaltsam verhindert. Ob Sun selbst den Hammer schwang, ein Bodyguard oder seine an der Auseinandersetzung beteiligte Mutter, wer weiß das schon.

          Die Fina jedenfalls berief sich auf widersprüchliche Aussagen und beließ es bei einer Verwarnung. Zwar hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Einspruch eingelegt, doch Sun darf erst einmal, nein: zweimal bisher in Gwangju Weltmeister werden. Sein Fall wird frühestens im September vor dem obersten Gerichtshof des Sports, dem Cas in Lausanne, verhandelt.

          Deshalb musste Horton am Sonntag im ersten Finale dieser Weltmeisterschaft gegen Sun antreten, und deshalb protestierte er, der Zweite des Rennens über 400 Meter, indem er bei der Siegerehrung nicht zu dem Doper aufs Podium stieg, sondern während dessen Ehrung schweigend dahinter stehenblieb. Ein Großteil der koreanischen und chinesischen Zuschauer buhte ihn dafür aus. Im Finale über 800 Meter Freistil und voraussichtlich auch bei der Ehrung danach werden sich die beiden nach unserer Zeit in den frühen Morgenstunden des Donnerstags wieder begegnen.

          So spannend wie der Ausgang des Rennens wird Hortons Verhalten sein. Die Fina hat ihn und seinen Verband am Dienstag verwarnt. Nichts gegen freie Meinungsäußerung, ließ sie wissen, aber bitte im richtigen Kontext; ihre Veranstaltungen dürften nicht für persönliche Statements oder Gesten genutzt werden. Diese Rechthaberei macht das Problem des Schwimmens deutlich: Verhält sich der Athlet unfair, der mutig auf Unregelmäßigkeiten reagiert? Oder ist nicht eher der Verband zu kritisieren, der den Verdacht, unter dem sein erfolgreichster Schwimmer steht, weder durch Kontrollen noch durch nachvollziehbare Verfahren aufklärt?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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