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DLV-Präsident Prokop : „Doping eine Straftat“

„Irgendwann kommt die Stunde der Wahrheit“: DLV-Präsident Clemens Prokop Bild: dpa

Die Nationale-Anti-Dopingagentur hat ein strukturelles Defizit von etwa einer halben Million Euro. DLV-Präsident Prokop mahnt den Sport, an seine Verantwortung für die Doping-Bekämpfung zu denken.

          Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und Direktor des Amtsgerichts Regensburg, hat den Sport an seine Verantwortung für die Doping-Bekämpfung erinnert. „Irgendwann kommt die Stunde der Wahrheit“, sagte er bei den deutschen Meisterschaften in Ulm am Samstag.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Dann können wir nicht mehr nur das Schicksal beklagen, sondern müssen konkrete Schritte tun. Wir können es uns in Deutschland nicht leisten, eine Doping-Bekämpfung zu haben, die am Boden liegt.“ Die Nationale-Anti-Dopingagentur (Nada) hat ein strukturelles Defizit von etwa einer halben Million Euro; mindestens ein Fünftel des Jahresbudgets 2014 ist noch nicht gesichert.

          Prokop erinnerte daran, dass die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im vergangenen Jahr in Stuttgart den Antrag des DLV „mit krachender Mehrheit“ abgelehnt habe, die Zuwendungen des DOSB an die Nada von 500.000 auf 1,5 Millionen Euro zu steigern. Der DOSB argumentierte, da eine Million aus der Sportförderung des Bundes umgewidmet worden sei, sei dies ein Beitrag des Sports.

          Prokop sieht auch in der in der vergangenen Woche veröffentlichten Erfolgsbilanz der Nada das Scheitern der institutionalisierten Doping-Bekämpfung abgebildet. „Acht positive Fälle bei rund neuntausend Proben bestätigen uns“, sagte er. „Diese Zahl entspricht nicht der Realität.“ Studien von Emrich/Pitsch hätten ergeben, dass knapp die Hälfte der Spitzensportler dope, der Mediziner Perikles Simon hatte bei einer Untersuchung festgestellt, dass mindestens sieben Prozent der Nachwuchssportler dopten, und bei einer Umfrage der Stiftung Deutsche Sporthilfe hatten knapp sechs Prozent der Athleten angegeben, regelmäßig Doping-Mittel zu nehmen.

          Schwere Sünden in der Leichtathletik

          Acht positive Ergebnisse bei allein 8567 Trainingskontrollen der Nada entsprechen 0,09 Prozent. Er wolle nicht über die Dunkelziffer spekulieren, sagte Prokop, sondern darauf hinweisen, dass Urin- und Blutkontrollen zur Bekämpfung von Doping nicht ausreichten. „Dopende Sportler sollen nicht nur von der Sportgerichtsbarkeit verfolgt werden, sondern auch vom Staatsanwalt.“

          Prokop unterstütze die von der Justizministerkonferenz geförderte Bundesratsinitiative von Baden-Württemberg, den Straftatbestand des Doping-Betruges einzuführen. Auch die Leichtathletik habe in der Vergangenheit schwere Sünden begangen, sagte Prokop. Wie der 56-Jährige ankündigte, wird er im November für eine weitere Amtszeit von vier Jahren kandidieren.

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