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Neue Doping-Methoden : „Da ist was im Heuhaufen. Viel Spaß beim Suchen!“

Wer es beim Dopen wirklich drauf anlegen will, hat gute Chancen unentdeckt zu bleiben Bild: dpa

Dopen, ohne ertappt zu werden? Kein Problem, sagt zumindest Hellmut Mahler. Im Interview spricht der Kriminaltechniker über neue Designerstoffe aus dem Internet, die Machtlosigkeit der Analytiker – und Athleten als Allesfresser.

          Sind halbwegs clevere Doper nicht zu entdecken?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ja, das ist richtig, insbesondere, wenn sie neue oder gar unbekannte Designer-Doping-Stoffe wählen. Wir haben in der Kriminaltechnik schon vor Jahren erkannt, dass sich die gesamte Situation auf dem Gebiet der Synthese von Stoffen, die zu einer Beeinflussung der Psyche, zur Berauschung, zur Leistungssteigerung oder selbst nur als Grundstoffe für Synthesen genutzt werden können, drastisch geändert hat. Früher war es nicht möglich, Substanzen auf Wunsch zu erhalten. Man musste sie selbst synthetisieren oder aufwendig nach entsprechend ausgebildeten Personen suchen, die das für einen machten.

          Wie ist es heute?

          Es ist viel einfacher geworden. Über das Internet lassen sich Syntheselabore zum Beispiel in China oder Indien leicht ausfindig machen, die im Auftrag praktisch jeden gewünschten Stoff herstellen. Das allein ist nichts Neues für uns Kriminaltechniker. Aber die Dimension, die das angenommen hat, ist neu. Es läuft im Augenblick, ich zitiere den Pharmakologen Professor Fritz Sörgel, der „größte Menschenversuch aller Zeiten“ auf dem Gebiet des Drogenkonsums.

          Wie meinen Sie das?

          Es gibt eindeutige Hinweise, dass alle möglichen Substanzen, die hergestellt werden mit der Option, irgendeine Wirkung auszulösen, auch weitgehend konsumiert werden. Unter den Konsumenten gibt es „Omnivoren, also Allesfresser“, die sich selbst so bezeichnen, weil sie tatsächlich viele Verbindungen aus diversen Substanzgruppen ausprobieren. Von jeder Gruppe an Stoffen, die einen Rausch auslösen, sind auch Designerstoffe zu erhalten.

          Dr. Hellmuth Mahler

          Und diese Erkenntnis lässt sich auf die Doping-Szene übertragen?

          Natürlich. Nehmen wir einmal die Induktoren der EPO-Synthese, zu denen die Verbindung FG-4592 zählt. In einem Vortrag habe ich gezeigt, dass es zu dieser neuartigen, noch nicht zugelassenen Verbindung nicht nur diverse noch neuere, gleichartig wirkende Stoffe gibt, sondern dass sieben dieser Stoffe allesamt schon regulär zu kaufen sind - viele weitere werden gerade erforscht. Wenn man jetzt nur eine geringe Änderung an einem dieser Moleküle in Auftrag gibt und das Zeugs dann einwirft, verunmöglicht man den Nachweis, weil dieser minimal veränderte Stoff zwar noch die gewünschte Wirkung zeigt, aber niemandem bekannt ist. Und für solche „Veränderungen“ gibt es Hunderte oder Tausende von Möglichkeiten - und diese für fast jedes einzelne dieser Mittel.

          Wie ich es gerne ausdrücke: Sie können zwar mit Glück und Geschick die Nadel im Heuhaufen finden, aber nicht irgendetwas, von dem sie nicht wissen, was es ist. Irre Aufgabe an den analytischen Detektiv: Da ist was im Heuhaufen, das war vorhin nicht drin - viel Spaß beim Suchen! Oder nehmen Sie den Fall der Myostatin-Inhibitoren (Sie sollen die natürliche Begrenzung des Muskelwachstums hemmen, Anm. d. Red.). Auf Bodybuilding-Messen und im Web wird bereits mit entsprechenden Produkten geworben. Das mag überwiegend nur ein Werbeversprechen sein. Aber das Signal ist eindeutig: Mach Doping, das ist gut, Hauptsache, die Muskeln wachsen. Das ist ein Slogan, der sich auch auf den Breitensport auswirkt. Viele Menschen wollen ihren Körper verändern, nur um besser aussehen zu können. Die Versuchung zur chemischen Unterstützung ist groß, auch wenn Schädigungen oder gar eine Lebensverkürzung nicht auszuschließen sind. Diese Menschen gehen enorme Risiken ein.

          Warum?

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