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Neue Doping-Methoden : „Da ist was im Heuhaufen. Viel Spaß beim Suchen!“

 Ja, aber das ist nicht so einfach. Als Chemiker würde man das wohl hinbekommen, man könnte ein paar Sportler versorgen, und niemand käme einem auf die Schliche. Aber selbst herzustellen ist gar nicht mehr nötig. Über das Internet finde ich leicht einen Hersteller und kann ihn beauftragen, für mich eine Doping-Substanz zu synthetisieren. Eine Privatperson musste dazu vor ein paar Jahren etwa 50.000 Dollar oder mehr in die Hand nehmen. Dazu muss der Doper kein Naturwissenschaftler, sondern nur ein etwas belesener und ein findiger Mensch sein.

Wenn ein Unternehmen davon weiß, dann ist doch die Entdeckungswahrscheinlichkeit nicht so gering.

 Nur wenn die beauftragte Firma auf die Idee käme, die designte Substanz noch jemand anderem anzubieten. Sie sollte nicht auf dem Schwarzmarkt auftauchen. Das könnte ein Doper steuern, indem er die ganze Produktion kauft und damit ausschließt, dass die Substanz auf Umwegen in die Hände von Analytikern kommt: Mit der Substanz in Händen hätten die kaum Probleme, einen Nachweis zu entwickeln. Ansonsten ist die Entdeckungswahrscheinlichkeit verschwindend gering. Vor allem, wenn der Doper seine Strategie ändert. Wenn er sich nach zwei Jahren entscheidet, einen anderen Stoff für sich herstellen zu lassen. Und sei es nur, um im Hintergrund eine Ersatzsubstanz zu haben. So ein Doper kann ja im Netz ständig nachschauen, ob seine Substanz irgendwo als verfügbar auftaucht. Und wie sähe es erst aus, wenn eine Organisation, ein Staat solches in die Wege leitet? Ohne Whistleblower hätte man wohl kaum eine Chance. Das ist natürlich kriminalistisch gedacht, aber ganz sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Auch bei den olympischen Spielen immer wieder ein Problem: unerlaubte Substanzen zur Leistungssteigerung.

Wenn der Doper kaum entdeckt werden kann, so riskiert er aber sein Leben?

Na und? Das ist doch längst bekannt, dass für den Erfolg gerne auch Lebenszeit geopfert werden würde - das zeigen Umfragen. Aber Sie haben natürlich recht, er riskiert sein Leben, und das sogar akut: Bei der Einnahme von synthetisierten Epo-Stimulanzien weiß der Doper zum Beispiel gar nicht, wie lange die Wirkung anhält. Das führt unter Umständen dazu, dass es zu einer lebensgefährlichen Blutverdickung kommt. Wenn es ein die Epo-Produktion des Körpers stimulierender Stoff ist, kann ich das vielleicht nicht mehr aufhalten. Das wäre wie ein Zug, der weiter beschleunigt, den man vielleicht bremsen, aber nicht stoppen kann. Das ist eine akute Gefahr, der man vielleicht mit einer langsamen Dosisanpassung entgegenwirken kann. Aber viele von diesen Stoffen sind überhaupt nicht erforscht. Niemand weiß zum Beispiel, ob sie nicht krebserregend sind. So wissen wir von vielen Designer-Cannabinoiden, dass sie es wahrscheinlich sind. Da sie geraucht werden, muss man zudem davon ausgehen, dass hierbei Stoffe entstehen, die noch krebserregender sein könnten. Hier kommt eine Welle an Erkrankungen und Leid auf die Konsumenten und die Gesellschaft zu, die wir so nicht hatten, die wir später auch nur schwer eruieren können, weil wir nicht wissen, was die Erkrankten früher wirklich konsumiert hatten. Das Gleiche gilt für dopende Sportler. Wenn wir nichts unternehmen, dann wird uns das über den Kopf wachsen.

Was schlagen Sie vor? Mehr Analysengeräte, mehr Personal?

Klar, her damit. Aber Scherz beiseite, das allein hilft ja nicht fundamental. Gefragt ist jetzt der Gesetzgeber, er muss Regeln schaffen, die der veränderten Situation, den neuen Möglichkeiten und den neuen Gefahren gerecht werden. Es werden Instrumente benötigt, um den Markt mit klassischen Mitteln der Kriminalistik kontrollieren zu können, und dazu bedarf es nunmal gesetzlicher Regelungen. Die Analytiker haben alles getan, was sie können, aber der Markt war schneller - jetzt gilt es ihn zu bremsen. Wir täten dem Staat, dem Sport, den Menschen damit Gutes.

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