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Der Fall Contador : Mit Metzger und Lügendetektor

  • Aktualisiert am

Contador im November 2011: In Lausanne vor dem Cas Bild: dapd

Mit roten Augen ins Taxi: Nach vier Tagen endet Alberto Contadors Anhörung vor dem Internationalen Sportgerichtshofs. Das Urteil über den spanischen Tour-de-France-Sieger lässt auf sich warten.

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          Schwarzer Anzug, weißes Hemd, dunkle Krawatte: Alberto Contador, gekleidet wie zum Gang in die Oper, hat nach vier Tagen Verhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne die Schlussplädoyers gehört. Mit der Bekanntgabe des Urteils ist nach Mitteilung des Cas nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen. Die Story, die am 21. Juli 2010 mit dem positiven Test auf das Kälbermastmittel Clenbuterol am zweiten Ruhetag der Tour de France begann, wird also fortgesetzt.

          Zwischen möglichem Vergehen und Urteil werden dann rund 18 Monate liegen. Details der Schlusserklärungen der Parteien drangen am Donnerstag aus dem feinen Sitz im Chateau de Béthusy nicht an die Öffentlichkeit. Auf eine Pressekonferenz nach Ende des Verhandlungsmarathons war nach Mitteilung der Kammer ausdrücklich verzichtet worden. „Wir sind zufrieden, können aber auch nicht mehr dazu sagen“, ließ sich zumindest ein Verteidiger Contadors entlocken.

          Kurz vor 13.00 Uhr verließ der Madrilene den Cas-Sitz und stieg mit sichtlich geröteten Augen in ein Taxi. Contador sei zum Abschluss der Verhandlung noch einmal zu Wort gekommen, sagte Matthieu Reeb, der Generalsekretär des obersten Sportgerichts. Eine Viertelstunde lang soll der spanische Radprofi, der Doping vehement bestreitet und einen Freispruch erhofft, gesprochen haben. Der Radsport-Weltverband UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada fordern zwei Jahre Sperre.

          Bei einer Verurteilung würde Contador der Tour-Sieg 2010 und der Erfolg beim Giro d’Italia 2011 aberkannt werden. Ein dreiköpfiges Richter-Gremium unter dem Vorsitz des Israeli Efraim Barak fällt das Urteil, wahrscheinlich im Januar 2012. „Es sind viele Unterlagen zu analysieren“, sagte Reeb, „ein schnelleres Urteil ist nicht möglich.“ Medienberichten zufolge hatte der dreifache Toursieger am vorletzten Verhandlungstag in einer knapp einstündigen Aussage versucht, seine Unschuld darzulegen.

          Skurrile Blüten

          Zuvor hatte der 28-jährige Madrilene mehrmals öffentlich betont, dass verunreinigtes Fleisch für den positiven Befund gesorgt hätte. Doping hatte er stets geleugnet. Als Zeugen waren auch seine früheren Astana-Teamkollegen Paolo Tiralongo (Italien) und Benjamin Noval (Spanien) gehört worden. Contador war an allen vier Verhandlungstagen anwesend.

          Contador im Juli 2010: Gedopter Sieger? Bilderstrecke
          Contador im Juli 2010: Gedopter Sieger? :

          Die Anhörung, die aus technischen Gründen meistens am benachbarten Sitz des Internationalen Olympischen Komitees IOC stattfand, hatte zum Teil skurrile Blüten getrieben. Das mehrköpfige Verteidiger-Team des Spaniers hatte etwa einen Lügendetektor-Spezialisten aus den Vereinigten Staaten und einen Privatdetektiv aufgeboten. Die Anklage rief Vertreter der spanischen Viehzüchter und den baskischen Fleischer Xabier
          Zabaleta aus der nordspanischen Stadt Irun in den Zeugenstand, bei dem ein Betreuer des Radprofis im Juli 2010 das ominöse Stück Kalbfleisch gekauft hatte. 2010 hatten die spanischen Behörden 14.179 Fleischproben genommen - keine einzige zeigte Clenbuterol-Spuren.

          Auch der Kölner Doping-Fachmann Wilhelm Schänzer sagte aus. In dessen Labor waren die verschwindend geringen Clenbuterol-Spuren und Rückstände von Platicizern in Contadors Körper entdeckt worden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, die neben dem Weltverband UCI beim Cas gegen den Freispruch des Spanischen Verbandes für Contador vom Februar 2011 vorgegangen war, hat nach wie vor keine Untergrenze für Clenbuterol festgelegt.

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