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Sportpolitik-Kommentar : Doping lohnt sich

Craig Reedie, Präsident der Wada bei einem Symposion im März 2018 Bild: AP

Das Friedensangebot an die Rusada, die russische Anti-Doping-Behörde, zeigt: Die Welt Anti-Doping Agentur ist eingeknickt. Aber ist das eine Überraschung? Natürlich nicht.

          Wer einen weiteren Beleg brauchte, wie sehr sich ein perfekt orchestriertes staatliches Doping-System lohnt, der hat ihn am Freitag bekommen. Da machte die Welt-Anti-Doping-Agentur bekannt, dass ihr Compliance-Überprüfungsausschuss die Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada empfiehlt. Der russische Sportminister Pawel Kolobkow habe am Donnerstag in einem Brief an die Wada mitgeteilt, dass er die „zwei verbleibenden Bedingungen akzeptiere (...), die in Ihrem Brief vom 22. Juni erwähnt sind“

          Die zwei verbleibenden Bedingungen für die Absolution? Das waren, mussten Sportler und Doping-Jäger in aller Welt annehmen, erstens ein öffentliches Anerkenntnis des McLaren-Reports und seiner Ergebnisse – das Eingeständnis der russischen Regierung, des Sportministeriums, ein Staats-Doping-System aufgezogen zu haben. McLaren nannte das: institutionalisiertes Doping. Zweitens: Zugang zum Doping-Analyse-Labor in Moskau und den dort lagernden Proben, in der Hoffnung, wenigstens noch einige Doping-Fälle aufklären zu können.

          Kein Wort mehr von McLaren

          Tatsächlich aber waren die zwei verbleibenden Bedingungen andere: Die BBC machte am Samstag den von Kolobkow erwähnten Brief vom 22. Juni öffentlich. Absender: Sir Craig Reedie, der Wada-Präsident, und Olivier Niggli, der Wada-Generaldirektor. In dem Schreiben hatten sie Kolobkow ein Angebot gemacht: Er möge schriftlich bestätigen, dass die russische Seite das Ergebnis der Schmid-Kommission akzeptiere, die das russische Doping im Auftrag des IOC untersucht hatte – und kein staatliches Doping-System festhalten wollte, weil sie keinen „unabhängigen Beweis“ für die Unterstützung der „höchsten staatlichen Stelle“ finden konnte. Die Russen hätten ja „Verfehlungen Einzelner innerhalb russischer Institutionen“ zugegeben, Schmid begnügte sich damit, „administrative Verantwortung“ festzuhalten.

          Zudem boten Reedie und Niggli an, man könnte sich bei der Auswertung der Moskauer Laborproben auf die nach Ansicht der Wada-Ermittler verdächtigen Proben konzentrieren. Kein Wort mehr von McLaren, keine öffentliche Entschuldigung, eine schriftliche Bestätigung der Aussagen vom vergangenen Jahr möge genügen. Kurzum: Die Wada ist eingeknickt. Seit Monaten wurde sie bedrängt, mit Macht aus dem Internationalen Olympischen Komitee heraus, die Russen wieder zuzulassen. Jetzt ist sie umgefallen.

          Ist das eine Überraschung? Natürlich nicht. Reedie sitzt seit 1994 im IOC, war bis 2016 dessen Vizepräsident. Im April 2015 hatte er an die Beraterin von Witali Mutko, Kolobkows Vorgänger im Amt, eine der zentralen Figuren des Doping-Systems, geschrieben. Er schätze seine persönliche Beziehung zu Mutko so, dass die „liebe Natalija“ Mutko wissen lassen solle, dass es „innerhalb der Wada keinen Willen gibt, irgendetwas zu tun, was diese Beziehung beeinflussen könnte“. Mutko musste schließlich doch gehen, Reedie blieb. Und schrieb.

          Nun wird die Rusada wieder aufgenommen werden, und es wird heißen, man habe das dunkle Kapitel hinter sich gelassen. Die Betrüger sind wieder im Spiel. Die russischen Leichtathleten werden zurückkehren, ebenso die Paralympier. Die olympischen Athleten waren nie weg, mussten einzig für zwei Wochen auf Hymne und Flagge verzichten. Staats-Doping lohnt sich. Man muss sich nicht mal entschuldigen.

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