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Radsport : Anti-Doping-Behörde stellt Riis an den Pranger

  • Aktualisiert am

Nun klagt auch die dänische Anti-Doping-Behörde den früheren Teamchef Bjarne Riis an Bild: dpa

Immer wieder Verdächtigungen, Vorwürfe, zwischendurch ein Geständnis: Wenn es um Doping im Radsport ging, spielte der Name Bjarne Riis seit langem eine Rolle. Nun klagt die dänische Anti-Doping-Behörde ihn an.

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          Natürlich Bjarne Riis, das war nicht anders zu erwarten. Schließlich hatte, wenn es um Doping im Radsport ging, der Name Riis seit langem eine Rolle gespielt. Immer wieder Verdächtigungen, Vorwürfe, gegen Riis und gegen die Teams, in denen er arbeitete. Und zwischendurch auch ein Geständnis des Dänen, als Radprofi gedopt zu haben. Jetzt hat die dänische Anti-Doping-Behörde (ADD) in einem Report Riis und weitere ehemalige Radrennfahrer an den Pranger gestellt.

          Riis, der die Tour de France 1996 im Trikot des Teams Telekom gewonnen hatte, förderte in seiner Zeit als Teamchef bei der Equipe CSC Doping in den eigenen Reihen. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten ADD-Bericht hervor, der nach dreijähriger Recherche vorgelegt wurde. „Riis hat es versäumt zu intervenieren, und das ist völlig inakzeptabel“, sagte ADD-Chef Michael Ask. Strafmaßnahmen sind trotzdem nicht zu erwarten, da die Verjährungsfrist der Welt-Anti-Doping-Agentur von acht Jahren abgelaufen ist.

          „Das ist alles ein bisschen enttäuschend. Was jetzt da drinsteht, war ja schon lange bekannt. Wahrscheinlich ist es wieder so: Es wurde etwas festgestellt, aber Sanktionen fallen leider aus“, sagte der frühere CSC-Profi und Kronzeuge Jörg Jaksche am Dienstag zu den aktuellen Meldungen aus Dänemark. Riis war auch in dem Buch seines ehemaligen Angestellten Tyler Hamilton („Die Radsport-Mafia“) mit Doping in Verbindung gebracht worden. Jaksche war von der ADD mehrfach als Zeuge gehört worden und hatte in der Vergangenheit Riis beschuldigt, Doping zumindest begünstigt zu haben.

          In dem Behördenbericht, der sich auf Aussagen von rund 50 aktiven und ehemaligen Profis, Ärzten und Betreuern stützt, wird auch eine Zusammenarbeit zwischen Riis und dem verurteilten Doping-Arzt Eufemiano Fuentes belegt. Unter der Regie von Riis, der 2007 die eigene umfängliche Doping-Praxis gestanden hatte, siegte der CSC-Fahrer Carlos Sastre (Spanien) im Jahr 2008 bei der Tour de France. Riis habe ihn nicht zum Dopen animiert, sagte Sastre.

          Riis fuhr einst beim Team Telekom mit Jan Ullrich (vorne)

          Zu Beginn dieser Saison war der 51 Jahre alte Däne von seinem Posten als Sportdirektor beim Tinkoff-Saxo-Team suspendiert worden. Die Mannschaft wird bei der am 4. Juli in Utrecht beginnenden Tour mit dem 2010 als Doper überführten Spanier Alberto Contador als Kapitän ins Rennen gehen. Contador, der bereits den Giro d’Italia für sich entschieden hat, strebt in diesem Jahr das Double an, also auch den Erfolg bei der Tour.

          Das 97 Seiten umfassende ADD-Papier klagt auch die früheren dänischen Topfahrer Michael Rasmussen und Nicki Sörensen des Dopings an. Kurz vor der Veröffentlichung des Dossiers, das die Zeit von 1998 bis 2015 umfasst, hatte Sörensen noch flugs ein Geständnis abgelegt. Sörensen ist inzwischen Sportdirektor von Tinkoff-Saxo.

          Am Dienstag stellte sich das Team des russischen Milliardärs Oleg Tinkow hinter Sörensen, der laut dänischen Medienberichten auch zugegeben haben soll, während der Olympischen Spiele 2004 gedopt zu haben. Rasmussen war 2007 vom Team Rabobank im Gelben Trikot aus der Tour genommen worden, weil er mit der Angabe falscher Aufenthaltsorte Doping-Kontrolleure getäuscht hatte. 2013 hatte Rasmussen gestanden, bei CSC mit Unterstützung der Teamärzte verbotene Cortison-Präparate genommen zu haben.

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