https://www.faz.net/-gu9-9wi0b

Coronavirus und der Sport : Keine Transparenz im Anti-Doping-Kampf

Hilfe für China: Die Wada will Integrität sichern. Bild: dpa

Das Coronavirus und die Folgen für den Anti-Doping-Kampf: Betrüger könnten von der Lage profitieren. Wer testet Chinas Sportler auf Doping?

          2 Min.

          Die ungeklärte Frage, wie chinesische Sportler vor den Olympischen Spielen in Tokio auf Doping kontrolliert werden sollen, sorgt zunehmend für Unruhe. Am 3. Februar war bekanntgeworden, dass die chinesische Anti-Doping-Agentur ihr Testprogramm angesichts der Verbreitung des neuen Coronavirus bis auf Weiteres eingestellt hat. „Wir brauchen Transparenz, es muss eine Lösung gefunden werden“, sagte Rob Koehler, der frühere stellvertretende Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Wada hatte angekündigt, mit den Chinesen einen Plan zu erarbeiten, „um trotz des Ausbruchs sicherzustellen, dass die Integrität des Programms aufrechterhalten wird“. Auf konkrete Fragen, welche Schritte geplant seien, hieß es von der Wada, dazu könne man derzeit keine Auskunft geben. Unklar ist weiterhin auch, inwiefern und auf wessen Weisung und Kosten chinesische Sportler kontrolliert werden, die sich derzeit im Ausland auf die Spiele vorbereiten.

          Koehler, der als Generaldirektor nun eine treibende Kraft hinter der Vereinigung „Global Athlete“ ist, die sich für „eine Veränderung der Machtbalance zwischen Sportlern und Sportverbänden“ einsetzt, sagte, es sei vor den Sommerspielen, die am 24. Juli beginnen sollen, „jeder Verdachtsmoment zu vermeiden. Das ist das Recht der chinesischen Sportler, die in Tokio antreten wollen. Die Sportler, die in Tokio gegen Konkurrenz aus China antreten, haben das Recht auf einen fairen Wettkampf. Dazu gehört das Wissen, dass Doping-Kontrollmaßnahmen in den Monaten vor den Spielen erfolgt sind.“

          Das Vertrauen in die Anti-Doping-Maßnahmen vor Spielen hatte vor und nach den jüngsten Sommerspielen erheblich gelitten. Die Wettkämpfe von Rio de Janeiro waren durch die Kontroverse um den Start von 282 russischen Sportlern geprägt, nachdem zuvor das Ausmaß des staatlich aufgezogenen russischen Doping-Systems bekanntgeworden war. Für Tokio sieht die Wada vor, dass russische Sportler nur als neutrale Athleten starten dürfen. Einen Verhandlungstermin für die russische Klage gegen die Entscheidung hat das Internationale Sportschiedsgericht in Lausanne noch nicht festgesetzt. Einstweilen gilt die Sanktion nicht. Bezüglich des Coronavirus erklärte die Wada vergangene Woche, verwies ein Sprecher auf Erfahrungen mit dem Ausbruch des Zika-Virus 2016 sowie die Sars-Pandemie, die im November 2002 ausbrach.

          Weitere Absagen

          Allerdings: Zika hatte keine Auswirkungen auf das Doping-Kontroll-Programm, Sars verbreitete sich nicht unmittelbar vor Olympia. In Tokio sagte der Präsident des Japanischen Olympischen Komitees, Yoshiro Mori, am Donnerstag bei einem Treffen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), die Planung für die Spiele werde nicht durch die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 beeinträchtigt. „Ich möchte noch einmal klarstellen, dass eine Absage oder Verschiebung der Tokio-Spiele nicht erwogen wurden.“ Man werde mit der japanischen Regierung zusammenarbeiten und „ruhig“ mit jeglichen Problemen infolge des Virus umgehen.

          Die Austragungen der World Rugby Sevens Series in Hongkong und Singapur wurden von April auf Oktober verschoben, wie die Organisatoren am Donnerstag bekanntgaben. Auch die SportAccord-Konferenz, die enge Beziehungen zu den olympischen Verbänden hat, wird nicht im April in Peking stattfinden. In Vietnam wurden Dörfer mit insgesamt rund 10000 Einwohnern in rund 40 Kilometern Entfernung zur Hauptstadt Hanoi für zunächst 20 Tage unter Quarantäne gestellt. Es ist die erste größere Quarantänezone außerhalb Chinas. In Hanoi soll am 5. April erstmals ein Formel-1-Rennen stattfinden. Der zwei Wochen später geplante Große Preis von China wurde am Mittwoch auf unbestimmte Zeit verschoben.

          Weitere Themen

          Disneyland in Tokio vorerst geschlossen Video-Seite öffnen

          Coronavirus : Disneyland in Tokio vorerst geschlossen

          In Japan bleiben Disneyland und DisneySea bis Mitte März geschlossen. Grund ist die Ausbreitung des Coronavirus. In Japan haben sich mittlerweile fast 200 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, drei Menschen starben.

          Topmeldungen

          An der Börse fallen die Kurse auf breiter Front.

          Neue Wirtschaftswelt : Jenseits des Virus

          Die Menschen müssen lernen, sich in einer Welt mit niedrigem Wachstum, niedriger Inflation und niedrigen Zinsen zurecht zu finden – ganz unabhängig vom Coronavirus.
          Infektionsherd? Das Uni-Klinikum Eppendorf in Hamburg

          Coronavirus : Man kann nicht vorsichtig genug sein

          Die Deutschen decken sich mit Lebensmitteln ein – aus Sorge, dass sie in Quarantäne müssen. Auch die Bahn und die Bundeswehr bereiten sich auf eine mögliche Epidemie vor.
          Futuristisch und von Samstag an kostenlos nutzbar: eine Straßenbahn in Luxemburg

          Luxenburg : Erstes Land der Welt führt kostenlosen ÖPNV ein

          Wer von morgen an in Luxemburg in einen Bus oder eine Bahn steigt, muss nichts mehr zahlen. Das kleine Großherzogtum will damit Vorreiter bei der Verkehrswende werden. Kostenpunkt: 41 Millionen Euro im Jahr.
          Die Berliner Krzysztof Piatek (links) und Dodi Lukebakio im Zweikampf mit Düsseldorfs Adam Bodzek

          3:3 in Düsseldorf : Hertha holt Punkt bei der Fortuna

          Mit drei Toren liegt Hertha zur Pause in Düsseldorf zurück. Doch in einer wilden Schlussphase holt Berlin den Rückstand auf – und hat sogar noch die Chance auf den Siegtreffer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.