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Contador-Kommentar : Ende eines quälenden Solos

  • -Aktualisiert am

Zu lange schon zu früh gefreut: Alberto Contador in gelb Bild: REUTERS

Alberto Contador wird nachträglich wegen Dopings verurteilt. Der vergangene Rad-Sommer war somit im Grunde ein Witz. Die Funktionäre kommen mit Verharmlosung nicht mehr davon.

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          Welch eine Tour der Leiden für alle Beteiligten: Der Fall Alberto Contador hat viel zu lange gedauert. Erst 18 Monate nach der positiven Doping-Probe des Tour-de-France-Siegers von 2010 hat der Internationale Sportgerichtshof Cas sein Urteil gesprochen. In der Zwischenzeit ist der Spanier bei zahlreichen Rennen gestartet und hat Einfluss auf deren Verlauf genommen, er hat Preisgelder kassiert - auch für seine Helfer im Team -, er ist auf Siegerpodesten geküsst worden, wurde Fünfter der Tour de France 2011 und gewann den Giro d’Italia.

          Der vergangene Rad-Sommer war im Grunde ein Witz: Ein überführter Doper fuhr immer wieder ein Solo vorneweg, während die Sportjuristen schwitzend und mit hängenden Zungen hinterher keuchten. Erst jetzt haben sie den Kletterkünstler gestoppt: Mit einer zweijährigen Sperre, die schon am 6. August 2012 wieder vorbei ist. Auf den Weltverband wartet nun eine schmachvolle Aufgabe: Er muss seine alten Ergebnislisten wegwerfen und neue drucken, aus denen Contadors Name getilgt wird. Was sich rückwirkend nicht mehr ändern lässt: Andere Sportler werden während ihrer Doping-Sperre zusätzlich mit Trainingsverbot belegt, Contador hingegen war voll dabei.

          Es war eine zähe Geschichte um ein angeblich vermaledeites Steak: Der spanische Verband glaubte seinem Top-Fahrer gegen jede Vernunft, dass er am Ruhetag der Tour de France 2010 zusammen mit einem Stück Fleisch auch das Doping-Mittel Clenbuterol zu sich genommen hatte. Zwar ist bekannt, dass es in China und Mexiko Fälle gegeben hat, in denen Sportler sich mit Hilfe von Messer und Gabel aus Versehen gedopt haben. Aber in Europa ist das höchst unwahrscheinlich und muss als wohlfeile Ausrede gelten.

          Er könne, argumentierten die spanischen Verbandsjuristen, ja leider das angeblich verseuchte Fleisch nicht mehr vorweisen, da es verschwunden (gegessen) sei. Es ist eine der guten Nachrichten aus dem Fall Contador, dass die Funktionäre alter Schule mit solchen Verharmlosungsversuchen heute nicht mehr durchkommen. Die erfolgreichen Einsprüche des Weltverbandes und der Welt-Anti-Doping-Agentur haben ihnen vielleicht endlich gezeigt, dass sie nicht dazu da sind, gedopte Volkshelden vor Strafe zu schützen.

          Teufel im Detail

          Woher genau das nachgewiesene Clenbuterol stammt, wissen wahrscheinlich nur er selbst und seine engsten Helfer - und sie werden es uns nicht sagen. Das Fleisch hat der Sportgerichtshof als Quelle ausgeschlossen. Aber auch die Theorie des Weltverbandes, es könnten Reste des Mastmittels durch eine Eigenblut-Transfusion in Contadors Körper gekommen sein, verwarfen sie. Am ehesten glaubt das Gericht an verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel.

          Tatsächlich werden Dopern im Hochleistungssport immer wieder Substanzen zum Verhängnis, die sie gar nicht bewusst eingenommen haben. Manchmal spritzen und schlucken sie - clever, wie sie sind - garantiert nicht nachweisbare Leistungssteigerer, an denen aber dummerweise auch ein paar entlarvende Zusatzstoffe haften. Pech gehabt? Auch beim Doping steckt der Teufel eben im Detail.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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