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Schnellster Mann darf starten : Entschlüpft!

Zunächst keine Sperre: Christian Coleman, hier im Juni in Des Moines Bild: USA TODAY Sports

Christian Coleman ist der derzeit schnellste Sprinter der Welt. Allerdings hat er zuletzt drei Dopingtests verpasst. Bei der WM darf er dennoch starten – von einem Verdacht befreit ihn dies nicht.

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          Laufen Sie weiter, hier gibt’s nichts zu sehen, schon gar keinen Doping-Fall Christian Coleman. Coleman ist der schnellste Sprinter der Welt in diesem und den vergangenen beiden Jahren. Er ist Zweiter der Weltmeisterschaft von London 2017. Und er ist und bleibt der Favorit für den Sprint bei der Weltmeisterschaft von Doha Ende dieses Monats. Dumm allerdings, dass er – mindestens – drei von angeblich zwanzig überraschenden Doping-Kontrollen seit Anfang 2018 verpasst hat.

          Die amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada, die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und die unabhängige Integritätseinheit (AIU) des Weltverbandes der Leichtathleten (IAAF) mussten sich deshalb mit der Frage beschäftigen, ob der 23 Jahre alte Coleman für Doha 2019 und für die Olympischen Spiele von Tokio 2020 gesperrt werden müsse. Die Regeln schreiben vor, vereinfacht gesagt, dass drei verpasste Tests innerhalb von zwölf Monaten einmal Doping entsprechen und ebenso zu bestrafen sind: mit Startverbot bis zu zwei Jahren.

          Tester trafen Coleman am 6. Juni vergangenen Jahres nicht dort an, wo er sich laut seiner Angaben im Computersystem der Wada aufhielt; ebenso am 16. Januar und am 26. April dieses Jahres. Dies sind, entgegen dem ersten Anschein, jedoch nicht drei „missed tests“ in weniger als elf Monaten. Die Anwälte des Sprinters drangen mit der Argumentation durch, dass im ersten Fall nicht Abwesenheit bei Erscheinen der Kontrolleure den Regelverstoß begründe, sondern die lange vorher gemachte falsche Angabe des Aufenthaltsortes, der sogenannten „whereabouts“.

          Solch ein Fehler wird, damit berufen sich die amerikanischen Kontrolleure auf internationale Praxis, auf Beginn des Quartals rückdatiert: in diesem Fall auf den 1. April 2018. Schon liegen zwischen dem erstem Fehler und der jüngsten verpassten Kontrolle 55 Wochen – mehr als zwölf Monate. Konsequent stellten die amerikanischen Doping-Kontrolleure ihr Verfahren ein. Schließlich gehe es um Fairness gegenüber dem Athleten und weltweit einheitliche Standards bei der Anwendung der Regeln, sagte Travis Tygart, der Chef der Usada.

          Man darf dem Amerikaner eine freundliche Interpretation der Regeln attestieren. Der Weltmeisterschaft am Golf hat er damit einen jungen, vergleichsweise unbelasteten Favoriten erhalten. Coleman fordert dort Altmeister Justin Gatlin heraus, der zweimal jahrelang wegen Dopings gesperrt war und den das Publikum bei seinem Titelgewinn vor zwei Jahren anhaltend ausbuhte. Auch mit Coleman läuft nun der Verdacht. Zweifellos war er bei drei Kontrollen nicht anzutreffen. Seine Sperre hat lediglich eine Formalie verhindert.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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