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Causa Erfurt : DLV verlangt Fortsetzung

Dienstaufsichtbeschwerde: Clemens Prokop will sich mit dem Ende des Erfurter Verfahrens nicht abfinden Bild: dpa

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat Beschwerde gegen das Ende des Erfurter Verfahrens eingelegt. Nach Überzeugung von DLV-Präsident Prokop handelt es sich bei der Blutbehandlung am Olympiastützpunkt um Doping.

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          Der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) hat Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen den Arzt Andreas Franke eingelegt und verlangt, das Verfahren wiederaufzunehmen. Clemens Prokop, Präsident des DLV sowie Richter und Direktor des Landgerichts Regensburg, sagte dieser Zeitung: „Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft gibt es hinreichende Anhaltspunkte für strafrechtliche Ermittlungen.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Franke hatte am Olympiastützpunkt Erfurt rund dreißig Athleten Blut abgenommen, ultraviolett bestrahlt und wieder injiziert. Weil fünf von ihnen Leichtathleten sind oder waren, erhielt der DLV Einblick in die Ermittlungsakten. Als für seine Athleten verantwortlicher Verband und Mithüter im Anti-Doping-Kampf halte er sich zu einer eigenen Beschwerde für berechtigt, heißt es in dem Schriftstück, das am Dienstag an den Justizminister von Thüringen ging.

          „Schlichte Begründung“

          Der DLV beruft sich auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, nach dem ein Einschreiten des Staates verlangt werden kann, „wenn ernstlich zu besorgen ist, dass ein Verzicht auf effektive Untersuchung (...) zu einem allgemeinen Klima der Rechtsunsicherheit und Gewalt oder im Einzelfall zu einer Gefahrenlage für Leben und Gesundheit führt“. (2 BvR 2307/06 vom 4. Februar 2010). Ein solches Klima schaffe der Einstellungsbescheid.

          Nach Überzeugung von Prokop und DLV handele es sich bei der Blutbehandlung um Doping. Der Arzt und seine Patienten könnten sich nicht auf einen therapeutischen Zweck berufen, da für diesen Ausnahmegenehmigungen von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eingeholt werden könnten und müssten. Dass dies in keinem Fall geschehen sei, sei Indiz dafür, dass es nicht um Heilung, sondern um weitergehende Zwecke gegangen sei.

          „Es wäre fatal“, heißt es in der Beschwerde, „wenn künftig die Sportärzte in Deutschland mit der schlichten Begründung, die von ihnen angewandten Methoden seien nicht zur Leistungssteigerung bei den Sportlern geeignet oder würden zu Heilzwecken eingesetzt, frei schalten und walten könnten“.

          Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren am Mittwoch vergangener Woche eingestellt. Zwar handele es sich bei dem Verfahren objektiv um einen Verstoß gegen den Anti-Doping-Kodex, teilte sie mit. Franke sei allerdings nicht zu widerlegen, dass er die Sportlerinnen und Sportler nicht zum Zwecke der Leistungssteigerung, sondern zur Stärkung der Immunabwehr behandelt habe. Für den Arzt spreche, dass er auf seiner Internetseite für das Verfahren werbe und auch Nichtsportler damit behandelte.

          Der Leichtathletikverband ist nicht in das Verfahren involviert. Doping-Kontrollen in Wettkampf und Training sowie die Sanktionierung von gedopten Athleten, das sogenannte Ergebnismanagement, hat er der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) übertragen. Unterschiedliche Sichtweisen, kündigte Prokop an, sollten bald im Gespräch geklärt werden. Er erwartet von der Nada größeres Engagement bei der Bearbeitung der Erfurter Fälle.

          Die Nada hat bisher drei Fälle vor das Schiedsgericht gebracht. Im Fall der Eisschnellläuferin Judith Hesse schlossen Nada und Verteidigung einen Vergleich, nach dem das Verfahren zwar Doping sei, die Athletin aber freigesprochen wurde. Zwei Fälle, darunter der des Radrennfahrers Jakob Steigmiller, sind anhängig. Einen Fall hat die Nada eingestellt. Die betroffene Athletin behauptet, von Franke nicht behandelt worden zu sein. Die Nada glaubt, das nicht widerlegen zu können.

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