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Chinas Schwimmstar Sun Yang : Keine Gnade in der „Hammer-Affäre“

Chinas erfolgreichster Sportler Sun Yang muss sich eine neue Beschäftigung suchen: Schwimmen auf Wettkampfebene darf er bis auf Weiteres nicht mehr. Bild: AP

Nach einer Doping-Kontrolle wird die Blutprobe von Chinas Schwimmstar mit einem Hammer zerstört. Nun wird der Wiederholungstäter mit einer harten Strafe belegt. Sun Yang fühlt sich ungerecht behandelt.

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          Das Internationale Sportschiedsgericht Cas hat die sportlichen Ambitionen des chinesischen Schwimm-Olympiasieger Sun Yang auf absehbare Zeit zerschlagen. Die Schiedsrichter des Cas gaben in einer am Freitagvormittag bekannt gegebenen Entscheidung einem Einspruch der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) statt, die eine Sperre Suns von acht Jahren zur Folge hat. Sollte er mit einer Anrufung des Schweizer Bundesgerichts, die Sun bereits ankündigte, keinen Erfolg haben, wäre er bei einem Ablauf der Sperre, der härtesten Sanktion, die das Anti-Doping-Reglement vorsieht, 36 Jahre alt.

          Sun Yang war bereits im Juni 2014 wegen eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln mit einer Sperre von drei Monaten belegt worden. Diese hat auch deswegen Aufsehen erregt, weil sie erst nach ihrem Ablauf durch die chinesische Anti-Doping-Behörde bekannt gemacht worden war. Seither hatten Konkurrenten bei etlichen Gelegenheiten, unter anderem den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro und den Weltmeisterschaften 2019 in Gwangju, ihren Unmut über den laxen Umgang der Verbände mit dem nach dem Rücktritt des Amerikaners Michael Phelps erfolgreichsten aktiven Schwimmer geäußert.

          Sportrichterlich ausgestellte Unfähigkeitsbescheinigung

          Der Franzose Camille Lacourt hatte in Rio de Janeiro gesagt, Sun Yang „pinkelt lila“. Der Australier Mack Horton stieg aus Protest gegen Suns Start in Gwangju nicht auf das Siegerpodest. Dem Briten Duncan Scott, der sich wie Horton verhielt, sagte Sun nach der Siegerehrung: „Du bist ein Verlierer, ich bin ein Sieger.“ In Bezug auf die WM in Gwangju bleibt das sachlich richtig: Die Titel, die er über 200 und 400 Meter Freistil in Südkorea gewann, darf der Chinese behalten, die Sperre gilt ab dem Tag der Urteilsverkündung – auch wenn das ihm zur Last gelegte Verhalten, für das er vom Internationalen Schwimmverband Fina nur ermahnt worden war, sich bereits ein dreiviertel Jahr vor der WM abspielte.

          Sun Yang über einen Konkurrenten und sich selbst: „Du bist ein Verlierer, ich bin ein Sieger.“

          Für die Führung des Internationalen Verbandes um den greisen Präsidenten Julio Cesar Maglione, der 84 Jahre alt ist, und den seit 1986 in dieser Funktion wirkenden Exekutivdirektor Cornel Marculescu aus Rumänien, von dem Sun Yang in Rio de Janeiro sagte, er habe ihn wie „ein Großvater angeschaut und sei ein großer Freund der chinesischen Schwimmmannschaft“ muss der Schiedsspruch wie ein sportrichterlich ausgestellte Unfähigkeitsbescheinigung wirken.

          Sun Yang, dreimaliger Olympiasieger, elfmaliger Weltmeister und der berühmteste Sportler im bevölkerungsreichsten Land der Erde, war am 18. September 2018 zu einer Doping-Probe gebeten worden, in deren Folge die Emotionen eskalierten. Sun Yang zweifelte die Akkreditierung der Kontrolleurin an. Der Behälter, in dem sich eine Blutprobe Suns befand, wurde auf Anweisung von Suns Mutter von einem Sicherheitsposten mit einem Hammer zerstört. „Der Athlet war nicht in der Lage darzustellen“, heißt es in der Pressemitteilung des Cas, „dass er eine überzeugende Berechtigung hatte, die Probenbehältnisse zu zerstören und die Doping-Probe auszulassen, wenn, seiner Meinung nach, das Vorgehen bei der Kontrolle nicht dem ISTI (dem Internationalen Regelwerk für Tests und Untersuchungen; d. Red.) entsprach.“

          Sun Yang sagte der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, das Urteil sei „unfair. Ich glaube fest an meine Unschuld. Ich werde definitiv dagegen vorgehen, damit die Menschen die Wahrheit erfahren.“ Das Schweizer Bundesgericht prüft Cas-Entscheidungen lediglich auf formale Fehler. Die öffentliche Anhörung durch den Cas im November war durch erhebliche Schwächen der Übersetzer geprägt. Wada-Generaldirektor Olivier Niggli ließ sich mit der Aussage zitieren, die Agentur sei „zufrieden, dass in dieser Sache Gerechtigkeit erbracht wurde“.

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