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Doping im Fußball : Zeit, zu reden

  • -Aktualisiert am

Dass einstige Klümper-Kicker wie Karlheinz Förster jetzt kein Doping-Geständnis ablegen, ist nicht verwunderlich. Aber Zeit wäre es schon. Bild: Picture-Alliance

Der Missbrauch von Hormonen war in den achtziger Jahren schon genauso schädlich wie heute. Und Doping ebenso verwerflich. Aber kaum einer störte sich daran, vor allem nicht im Fußball. Höchste Zeit, dass die Opfer Klartext reden.

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          Dass es in Schwaben gemütlich zugehen soll, ist ein Gerücht. Der VfB Stuttgart zum Beispiel hat Stress: Er steigt aus der Bundesliga ab. Und seine Spieler haben gedopt. Und dies ist kein Widerspruch, denn die Beschuldigten sind nicht die saft- und kraftlosen Kicker des Jahres 2015. Die von den Ergebnissen der Freiburger Evaluierungskommission betroffenen Fußballer spielen höchstens noch in der Alte-Herren-Elf. Die Aufklärer, die herausfanden, dass die Schwaben einst „in größerem Umfang“ und der SC Freiburg „punktuell“ Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre Anabolika-Doping betrieben haben, schicken uns auf eine unheimliche Reise in die finstere Steinzeit des Dopings. Damals war der Missbrauch von Hormonen zwar schon genauso schädlich wie heute. Und man wusste auch schon, dass Doping verwerflich ist: Das Internationale Olympische Komitee hatte es bereits 1974 verboten. Aber kaum einer störte sich daran oder fühlte sich gar schuldig.

          Harte Zeiten waren das damals. Der Sport, angetrieben von den Propagandisten des Kalten Krieges, schluckte und spritzte, was stark und aggressiv machte. Doping-Tests gab es schon, aber sie waren leicht zu umgehen. Und der Fußball testete gar nicht. Es war nie ein Geheimnis, dass sich zu der Zeit einige Spieler des VfB Stuttgart - wie viele andere Spitzensportler auch - vom Radikal-Professor Armin Klümper am Universitätsklinikum Freiburg behandeln ließen. Und es galt auch nur wenigen als Skandal, dass Klümper seine Patienten nicht nur mit Schmerzmitteln fit spritzte, sondern ihnen zur Turbo-Heilung von Verletzungen Anabolika gab.

          Zumindest im Fußball regte sich kaum einer darüber auf. Man hielt das für eine super Therapie. Nach dem Motto: Was nicht kontrolliert und somit nicht bestraft wird, ist kein Doping. Tatsächlich hat der deutsche Fußball ein ernstzunehmendes Kontrollprogramm außerhalb der Wettkämpfe erst 2007 eingeführt.

          Hoffnung auf Geständnisse ist unwahrscheinlich

          Dass einstige Klümper-Kicker wie Hansi Müller, Karl Allgöwer oder die Brüder Karlheinz und Bernd Förster jetzt nicht eine Doping-Geständnisserie vom Stapel lassen, ist natürlich nicht verwunderlich. Schuldig fühlen sie sich nicht. Was ihnen aber nicht klar ist: Sie hätten allen Grund, empört zu sein. Ihr Verein, der VfB Stuttgart, wie auch der SC Freiburg erhielten von Klümper Anabolika-Lieferungen für ihre Sportler. Diese Information haben die Freiburger jetzt ans Licht gebracht. Ihre schädliche Medikation von damals war also keine Privatsache. Ihre Schmerzen von heute aber sind es.

          Welches Leiden die pharmazeutischen Gewaltakte von damals angerichtet haben, kann man an den Stars von einst studieren, die sich mit kaputten Knochen durchs spätere Leben schleppen müssen. Karlheinz Förster zum Beispiel spricht offen über seine zerstörten Gelenke. Heute, mit 56 Jahren, läuft er schlecht, und wenn die Alten Herren vom VfB sich zum Spiel treffen, sitzt er am Rand und markiert notgedrungen den Trainer. Das Anabolika-Doping von damals bestreitet er trotzdem. Aber die Doping-Opfer West sollten Klartext reden, damit die Menschen aus Schaden klüger werden. Selbst wenn das natürlich nicht nur im Fußball eher selten passiert.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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