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Klitschko und die Doping-Tests : Außer Kontrolle

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Schau mir in die Augen: Wladimir Klitschko und Kubrat Pulew (rechts) beim Wiegen Bild: Reuters

Boxprofi Wladimir Klitschko wirbt mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur für sauberen Sport. Aber auch vor dem Kampf gegen Kubrat Pulew am Samstag (22.30 Uhr) kommt er ohne Trainingstests über die Runden – im Gegensatz zu seinem Gegner.

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          Seit Mittwoch liegt der Entwurf zu einem Anti-Doping-Gesetz auf dem Tisch, am Freitag stellte ihn Justizminister Heiko Maas im Beisein und mit Unterstützung von Weltklasseathleten wie Radprofi Tony Martin und Speerwerferin Christina Obergföll noch einmal vor. Sollte dieser Gesetzestext verabschiedet werden, drohen dopenden Spitzen- und Berufssportlern künftig Geld- und Gefängnisstrafen.

          Mit dem Gesetz, so Maas, sollten die Gesundheit der Athleten geschützt, die Fairness und Chancengleichheit im Sport gesichert und seine Integrität verteidigt werden. Es gilt für rund 7000 Athleten, für alle, die in den Testpools der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) aufgeführt sind, und es gilt für Sportler, die „erhebliche wirtschaftliche Einnahmen“ erzielen, auch für Profiboxer, die bislang ohne Nada und Trainingskontrollen über die Runden kommen, Wladimir Klitschko zum Beispiel oder Felix Sturm.

          Am vergangenen Samstag haben sich in Stuttgart Felix Sturm und Robert Stieglitz einen erbitterten und kräftezehrenden Hochgeschwindigkeitskampf über zwölf Runden geliefert, der Fernsehsender Sat 1 übertrug, und rund drei Millionen Menschen sahen am späten Abend zu. Sturm ist selbständiger Boxer, er ist sein eigener Promoter, Stieglitz steht beim Magdeburger SES-Boxstall unter Vertrag, beide sind Mitglied im Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) und unterliegen dessen Regeln. Es sind angenehme Regeln, Regeln ohne Doping-Kontrollen im Training.

          Der BDB sieht Kontrollen nur nach Wettkämpfen vor (und auch nur bei Titelkämpfen), worüber jeder halbwegs mit Doping-Praktiken vertraute Beobachter nur den Kopf schütteln kann. Zwar werden in Deutschland ab und zu auch bei Wettkampfkontrollen boxende Doper erwischt, hauptsächlich zweitklassige Kämpfer aus dem Ausland wie 2012 der Pole Mariusz Wach, aber die müssen sich dann schon dumm anstellen. Die systematische Einnahme von Doping-Mitteln, das weiß jeder Laie, macht vor allem in der Vorbereitung „Sinn“, wenn man das so nennen mag, nicht kurz vor dem Wettkampf.

          „Finanzielle Möglichkeiten fehlen“

          BDB-Präsident Thomas Pütz, der in Hamburg eine Firma für Personen- und Objektschutz führt, begründet den Verzicht auf Trainingskontrollen in Zusammenarbeit mit der Nada mit den Kosten, die man nicht aufbringen könne. Die Zahl der in seinem Verband lizenzierten Kämpfer beziffert er auf „30 bis 40“, darunter sind mit Klitschko, Sturm, Stieglietz und - vom kommenden Jahr an - Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck allerdings nur vier Top-Boxer.

          Trainingskontrollen seien richtig und wichtig, sagt Pütz, für seinen Verband aber nicht bezahlbar: „Wir haben dafür nicht die finanziellen Möglichkeiten.“ Schon jetzt beliefen sich die jährlichen Kosten für Wettkampfkontrollen auf „20.000 bis 25.000 Euro“, das entspreche einem Fünftel bis einem Viertel der Einnahmen des Verbandes.

          Hamburg : Klitschkos Stalker schlägt zurück

          Das grundsätzliche Problem sind die vier Weltverbände IBF, IBO, WBO und WBA, die allesamt nur Wettkampfkontrollen vorschreiben und an Trainingskontrollen und damit an einem ernstzunehmenden Anti-Doping-Kampf nicht interessiert sind. Die Crux setzt sich bei den diversen nationalen Profiverbänden fort, die von den Boxern untereinander ausgespielt werden. Ist der eine Verband zu teuer oder gibt es zu viele Auflagen, dann, so Pütz, „löst der Kämpfer seine Lizenz eben beim tschechischen Verband oder sonst wo“.

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