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Blutbehandlungen : Kehrtwende im Fall Erfurt

Mangelnde Kommunikation: David Howman (Foto) und die Wada auf der einen, die Nada auf der anderen Seite Bild: picture alliance / dpa

In der Erfurter Affäre um die mutmaßliche Blutmanipulation durch UV-Bestrahlung zeigt sich die Wada weiter sprunghaft: Sie wirft der Nada vor, sie nicht mit notwendigen Informationen versorgt zu haben. Diese wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe.

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          Die Nationale Antidoping-Agentur (Nada) hat den Vorwurf der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) vehement zurückgewiesen, diese im Fall der Erfurter Blutaffäre nicht mit allen wesentlichen Dokumente versorgt und Wada-Mitarbeitern die falschen Fragen gestellt zu haben. „Diese Aussage ist falsch, das können wir anhand von schriftlichen Unterlagen belegen“, sagte Nada-Vorstand und Justitiar Lars Mortsiefer an diesem Dienstag auf Anfrage: „Unsere Dokumente widerlegen diese Behauptung.“

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.
          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Generaldirektor der Wada, David Howman, gibt der Nada in einem Interview mit der ARD die Hauptschuld daran, dass die Wada zu einer falschen Einschätzung gekommen war. Für das Interview war er am Montag eigens von Montreal nach Frankfurt geflogen.

          Die Wada hatte der Nada vor gut einem Monat geschrieben, dass die UV-Bestrahlung des Blutes von rund 30 Spitzensportlern in Erfurt nicht als Doping zu bewerten sei, sofern sie vor dem 1. Januar 2011 stattfand. Erst zu diesem Datum ist ein Verbot im Wada-Kodex fixiert worden.

          Gegenseitige Schuldzuweisungen

          Diese von der Wada veröffentlichte Einschätzung hatte die Nada als richtungsweisend betrachtet und an ihrer Strategie festgehalten: Bislang sind zwei Disziplinarverfahren gegen Athleten eröffnet worden, die sich der Blutbehandlung nach dem 1. Januar 2011 unterzogen haben sollen. Die Nada will das Prozesskostenrisiko minimieren, da sie unterfinanziert ist. „Als die Wada uns schrieb, dass die Methode vor 2011 nicht verboten war“, sagt Mortsiefer, „gab es vorerst keine Grundlage mehr für die Eröffnung weiterer Verfahren.“

          Howmans Anschuldigung, die Nada hätte fragen sollen, ob die Bestrahlung des Blutes Blutdoping entsprechend der Regel M1 sei, habe dies aber unterlassen, konterte Mortsiefer mit Hinweis auf einen an diesem Dienstag offengelegten Schriftverkehr: „Wir haben definitiv die richtigen Fragen gestellt. Wir haben die Wada explizit und mehrfach nach dem Verbot durch die Regel M1 gefragt.“ Die Nada übermittelte der Wada demnach nicht nur theoretisch Beschreibungen der Methode des Arztes F., sondern laut eigener Darstellung auch einen ZDF-Film, in dem Blutabnahme, UV-Bestrahlung und Rückführung in den Körper im Bild vorgeführt werden.

          Sprunghafte Wada, vorsichtige Nada

          Howman machte im ARD-Gespräch deutlich, dass die Einschätzung der Wada vom April nun nicht mehr gelte: „Den Wada-Brief sollten Sie ignorieren.“ Er forderte die Nada auf, Verfahren einzuleiten und so Rechtssicherheit zu schaffen. Die Nada aber will angesichts der sprunghaften Wada an ihrem vorsichtigen Vorgehen festhalten. „Wir lassen uns nur von Fakten leiten“, sagte Mortsiefer.

          Howman versprach im Fernsehen, den internen Umgang mit Anfragen wie denen aus Deutschland zu ändern und künftig Experten verschiedener Fachgebiete damit zu befassen. Er müsse akzeptieren, sagte er, dass Briefe der Wada großes Gewicht hätten.

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