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Blockade der Fahnder : Tennis ohne Doping-Test in Stuttgart

Maria Scharapowa gab im April in Stuttgart ihr Comeback. Bild: dpa

Beim Turnier in Stuttgart kehrte Maria Scharapowa nach Ablauf ihrer Doping-Sperre zurück. Kontrollen gab es allerdings nicht, weil sich der Internationale Tennis-Verband sperrte – und das gleich doppelt.

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          Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat vor einem existentiellen Wert-Verlust der Olympischen Spiele gewarnt: „Das sportliche Fest droht für die jungen Athleten durch fehlende Chancengleichheit den Sinn zu verlieren“, heißt es im Jahresbericht für 2016 der Nada, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Sowohl der Aufsichtsrat mit der Athletenvertreterin Silke Kassner als auch der Nada-Vorstand klagten über die große Diskrepanz der Anti-Doping-Systeme in aller Welt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nach Ansicht der Nada erfüllen allenfalls 30 Nationale Anti-Doping-Agenturen auf dem gesamten Globus die Anforderungen der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Deshalb fordert der Aufsichtsrat von den internationalen Sportverbänden, der Wada unter anderem eine Sanktionierungshoheit über Verbände und Länder zu gewähren. Die Wada könnte dann Athletengruppen etwa aus kontrollfreien Zonen so lange sperren, bis regelkonforme Überprüfungssysteme nachprüfbar eingerichtet worden sind.

          Obwohl die Nada auf ihrer Bilanzpressekonferenz auf ein flächendeckendes Kontrollsystem in Deutschland hinwies, musste sie auch von einer Verweigerung durch den Internationalen Tennis-Verband (ITF) beim Turnier in Stuttgart im April berichten. Demnach versagte die ITF der Nada Kontrollen mit dem Hinweis, sie seien nicht frühzeitig genug angemeldet worden. Die Wada stellte sich hinter die ITF, weil es den Passus im Regelwerk gibt. Er führt aber dazu, dass übliche, überraschende Zielkontrollen nicht möglich sind.

          Im Zweifel haben ITF-Funktionäre also Wochen vorher Kenntnis über den Einsatz der Fahnder. Nach Angaben der Nada hatte die ITF zudem mitgeteilt, dass sie keine Kontrollen plane und es zudem keine abtrennbaren Räumlichkeiten gebe – in der modernen Porsche-Arena. Unmittelbar nach Ablauf ihrer Doping-Sperre hatte die Russin Maria Scharapowa in Stuttgart ihr Comeback gegeben.

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          Zielkontrollen sind ein wichtiges Mittel bei dem Versuch, dem wahren Ausmaß von Doping näher zu kommen. 2016 setzte die Nada 12.646 Kontrollen an, dabei wurden 15.359 Proben während des Trainings (9707) und der Wettkämpfe (5652) entnommen. 82,5 Prozent entfielen auf Urin-, 17,5 auf Blutproben. Bislang wurde in 20 Fällen ein Doping-Verstoß festgestellt und bestraft. 22 Verfahren sind laut Nada noch nicht beendet. 2015 hatte es 27 Sanktionen gegeben. Auffällig ist angesichts der vielen Spieler (rund 1400) die geringe Zahl der Kontrollen (1923) und der darin enthaltenen Blutproben (222) im Profi-Fußball.

          Allerdings wird Fußball von der Nada in der Risikokategorie 2 geführt. Der Deutsche Fußball-Bund steuert die Kontrolldichte indirekt durch seinen Auftrag an die Nada. Deren Budget lag 2016 bei 9,651 Millionen Euro. Den Hauptteil trägt der Bund mit rund 60 Prozent. 630.000 Euro kommen von den Sportverbänden. „Das ist zu wenig“, sagt Mortsiefer, „wenn man in Betracht zieht, für wen das alles gemacht macht.“ Die Wirtschaft hat sich vorerst ein letztes Mal beteiligt. Die Vereinbarung mit Adidas über 300.000 Euro ist Ende 2016 ausgelaufen.

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