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Ben Johnson : Das dreckigste Rennen

Nun reicht der athletische Mann in Jeans und weißem T-Shirt Ben Johnson eine Bierdose nach der anderen, damit es endlich mit der Doping-Probe klappen möge. Zwei Stunden hat Johnson acht Dosen geleert, wie er sich im Gespräch mit Richard Moore erinnert, Journalist und Autor des Buches „The Dirtiest Race in History“. Dieses dreckigste Rennen der Geschichte habe bei der Doping-Kontrolle seinen Tiefpunkt erreicht, behauptet Johnson seit dem positiven Befund. Der mysteriöse Mann habe ihm die Dopingsubstanz Stanozolol ins Bier getan: „Ich hatte sechs Wochen vor den Spielen aufgehört, Steroide zu nehmen“, behauptet Johnson. „Ich würde nicht so blöd sein, so etwas kurz vor einem olympischen Finale zu nehmen. Die Menge Steroide in meinem System hätte einen normalen Menschen umgebracht. Ich wurde positiv auf Stanozolol getestet, aber ich hatte etwas ganz anderes genommen.“

Vor 25 Jahren in Seoul: Ben Johnson mit voller und unnatürlicher Muskelkraft

Moore identifiziert den Mann: André, genannt „Action“ Jackson, angeblich geboren und wohnhaft in Angola, französischer Staatsbürger, aufgewachsen in den Vereinigten Staaten. Auf einer Wikipedia-Seite wird Jackson als Diamantenhändler und Sammler von Luxusautos vorgestellt, der eigentlich M’Zée Fula-Ngenge heiße und gelegentlich Politiker Afrikas berate. Was Moore beschreibt, ist schillernd genug: Jackson und Carl Lewis kennen sich von der Universität in Houston. In Seoul beherbergt Lewis ihn in der Villa, die er für sich, seine Freunde und Familie gemietet hat. Sein Manager Joe Douglas räumt ein, dass er Jackson, obwohl dieser mit dem amerikanischen Team oder den Olympischen Spielen nichts zu tun hat, eine Akkreditierung verschafft und in den Raum für die Doping-Kontrollen gebracht habe. Ein paar Tricks seien nötig gewesen, sagt er, aber er habe jemanden aufpassen lassen wollen, dass Ben Johnson seinen Urin nicht manipuliere. Unregelmäßigkeiten sollte Jackson, wenn möglich, fotografieren. So ist es zum Beweisfoto für die Begegnung gekommen: Johnson, Jackson und Bierdosen. 1990 veröffentlicht Carl Lewis das Bild in seiner Biografie „Inside Track“.

Moore gelingt es, Jackson zu sprechen. Ob er Ben Johnson Stanzolol ins Bier getan habe, fragt er. „Natürlich kann ich sagen, ich habe es nicht getan“, antwortet Jackson. „Aber ich kann auch sagen, ich habe es getan. Was nützt es?“ Johnson behauptet, ihm gegenüber habe Jackson gestanden, in jede Dose Bier eine Stanozolol-Tablette geworfen zu haben. Das habe er aufgezeichnet. Moore fragt nach dem Tonband. „Ich kann es nicht finden“, antwortet Johnson.

Das Bild von der tragischen Figur Ben Johnson, einem kleinen Mann mit aufgeblasenen Muskeln, stotternd, herumgeschubst von Wachmännern, Journalisten und Kameraleuten bei seiner überstürzten Abreise aus Seoul, ergänzt Moore um einige Facetten. Auch beim Arzt geriet Johnson offenbar an den Falschen. Jamie Astaphan, wie Johnson aus der Karibik stammend, kam ins Team, um Trainer Charlie Francis zu entlasten und das Doping zu professionalisieren. Er reduzierte die Gabe von Wachstumshormon, verabreichte zunächst das Steroid Dianabol und stellte dann um auf eine milchig-weiße Substanz, die er aus nicht etikettierten Flaschen aufzog und von der er behauptete, er beziehe sie aus dem Wunderland des Dopings, der DDR. Er nannte sie Estragol.

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