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Aussagewillige Doper : Das Schicksal der Kronzeugen

  • -Aktualisiert am

Ihr Zeugnis enttarnte Russlands Leichtathletik-Manipulation: Julija Stepanowa Bild: AP

Niedergemacht, bedroht, entnervt, verjagt: Die Schutzlosigkeit von aussagewilligen Dopern im Sport ist erschütternd – und gewollt. Die Geschichte wiederholt sich.

          5 Min.

          Welche Rolle spielt er? Am Dienstag ist Johannes Dürr in Innsbruck verhaftet worden. Der Mann, ohne den die Ermittler wohl nicht auf die Spur des deutschen Arztes Dr. med. Mark S. und dessen Doping-Netzwerk gestoßen wären. Nun saß der 2014 positiv getestete österreichische Langläufer Dürr selbst, ehe er am späten Dienstagabend wieder freigelassen wurde. Die Medien in seiner Heimat mögen sich bestätigt fühlen: „Doping-Drahtzieher statt Aufdecker?“, hatte es in einer Schlagzeile geheißen, ein paar Tage nach den Razzien in Erfurt und Seefeld. Es folgte eine Klage-Androhung eines Langlauftrainers und die öffentlich gestellte Frage, ob der überführte Doper nicht seine Freunde verraten habe.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Geschichte wiederholt sich. „Ein Bekloppter“, ein „Dealer“, ein „aggressiver, verschlossener Choloeriker“; was musste Jörg Paffrath nicht alles über sich lesen vor 22 Jahren. Als er es gewagt hatte, wenige Woche vor dem Tour-de-France-Sieg von Jan Ullrich sein systematisches Doping quasi stellvertretend für die Szene zu offenbaren, unentgeltlich im „Spiegel“. Um endlich aufzuräumen, sagen was Sache ist. Das war naiv. Paffrath wurde zunächst lebenslang gesperrt vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und von den eigenen Leuten für nicht zurechnungsfähig erklärt. Die Karawane fuhr – mit dem „geschockten“ Ullrich – weiter. Das deutsche Publikum jubelte wie besoffen von den Erfolgen des deutschen Radsports in Magenta. Paffrath blieb liegen wie ein Radprofi, den die Szene voll Stoff hatte auffahren lassen.

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