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Athleten für Ausschluss : „Es muss ein klares Signal gesetzt werden“

  • Aktualisiert am

Weitspringerin Alexandra Wester: Ausschluss, um ein Zeichen zu setzen. Bild: dpa

Während Russlands Sportler einen Appell ans IOC senden, sprechen sich deutsche Leichtathleten wegen der Dopingvergehen für den kollektiven Ausschluss russischer Leichtathleten bei Olympia aus.

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          Der russische Leichtathletik-Verband steht wegen massiver Vorwürfe von systematischem Doping vor dem kollektiven Ausschluss von den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) will an diesem Freitag in Wien 25 seiner 27 Councilmitglieder darüber entscheiden lassen. Das Urteil soll um 17 Uhr verkündet werden

          Russische Athleten haben zuvor in einem offenen Brief einen Appell an das Internationale Olympische Komitee (IOC) gerichtet. „Es wäre unfair, wenn saubere russische Athleten von den Olympischen Spielen ausgeschlossen würden, während manche Athleten aus anderen Ländern mit einer Doping-Vergangenheit ohne Beschränkung teilnehmen könnten.“

          Die Sportler forderten eine Bestrafung von Doping-Sündern und sagten dem IOC ihre Unterstützung zu. Zugleich betonten sie: „Das Recht jedes Athleten, der nie eine bestehende Regel verletzt hat, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, ist unverletzbar.“

          Deutsche Leichtathleten für Ausschluss Russlands

          Die deutschen Leichtathleten sind nach einer Umfrage der dpa mehrheitlich für einen Ausschluss des russischen Verbandes wegen des systematischen Dopings. Es werden aber auch Bedenken geäußert: Eine Kollektivstrafe wäre für die erwiesen sauberen Athleten ungerecht. Die Stimmen im Einzelnen.

          Hammerwerferin Betty Heidler: „Die russischen Leichtathleten bei Olympia starten zu lassen, wäre das falsche Signal. Die Dinge, die dort abgelaufen sind, sind belegt. Um die Glaubwürdigkeit der Leichtathletik und der guten Leistungen wieder herzustellen, muss man ein klares Statement geben. Es sollte eine Suspendierung erfolgen.“

          Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting: „Viele Länder werden ja kreativ, wenn es um die eigene Flagge geht. Es wäre aber auch toll, wenn man es hinbekommt, dass saubere russische Sportler, die es ja ohne Zweifel gibt, in Rio starten. Das tut Russland - glaube ich - viel mehr weh: wenn man Athleten findet, die sauber sind und sie unter IOC-Flagge starten lässt. Das wäre beschämend für das Land.“

          Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz: „Ich weiß nicht, ob das der Gedanke wirklich ist und noch der Sache dient, eine Nation völlig vom Sport auszuschließen. Ich bin der festen Überzeugung, es gibt Sportler, die das ehrlich und fair machen. Und denen sollte man nicht die Möglichkeit verwehren, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.“

          Langstreckenläufer Arne Gabius: „Es muss ein klares Signal gesetzt werden“

          Marathon-Rekordhalter Arne Gabius: „Es hat sich nichts geändert, wie man in der neuen ARD-Dokumentation sehen konnte. Es muss ein klares Signal gesetzt werden, sonst wird eine Chance vertan. Wenn man ein Land sperrt und noch ein Hintertürchen öffnet, um Athleten, die in den letzten x Monaten unabhängig kontrolliert wurden, noch teilnehmen zu lassen, dann unterläuft man damit eine harte Strafe.“

          Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor: „Bei den Informationen, die ich habe, würde ich einen Ausschluss der russischen Leichtathleten von den Olympischen Spielen befürworten. Ich denke, es wäre ein gutes Zeichen, dass systematisches Doping hart bestraft wird.“

          Ehemaliger Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe: „Mein Gefühl sagt mir, dass am Freitag eine Suspendierung des russischen Leichtathletik-Verbandes ausgesprochen wird. Aber mein Gefühl sagt sagt mir wiederum auch, dass die russischen Leichtathleten, die absolut keine Dopingvergangenheit hatten, dass die dann dieses Urteil anfechten werden und gegebenenfalls unter der olympischen Flagge in Rio zu sehen sein werden.“

          Weitspringerin Alexandra Wester: „Ich denke als saubere Athletin: Das muss so sein. Wenn es wirklich stimmt, wie zuletzt in der ARD berichtet wurde, dass selbst nach der Disziplinarstrafe noch unter der Hand weitergearbeitet wurde, dann muss Russland ausgeschlossen werden. Um ein Zeichen zu setzen - für die Leichtathletik, für den sauberen Sport und für den Anti-Doping-Kampf.“

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