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Armstrong-Kommentar : Rette sich, wer kann!

  • -Aktualisiert am

Und nun? Immer mehr Werbepartner wenden sich von Lance Armstrong ab Bild: REUTERS

Immer mehr Sponsoren wollen nicht in den Doping-Strudel gerissen werden und wenden sich von Lance Armstrong ab. Nun ist die UCI am Zug. Es ist aber nicht damit getan, einfach nur die Akte Armstrong zu schließen.

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          Ein Mann auf dem direkten Weg in die Isolation? Ganz so schlimm wird es für Lance Armstrong vermutlich nicht kommen. Ein gewisse Gemeinde dürfte ihm treu blieben, bis zum bitteren Ende und darüber hinaus. Schon allein wegen seines Engagements im Kampf gegen Krebs. Dass Armstrong jetzt aber seine Werbepartner verliert, einen nach dem anderen, kommt nicht überraschend.

          Rette sich, wer kann - um nicht, zusammen mit dem in die Enge getriebenen Texaner, noch tiefer in den Doping-Strudel gerissen zu werden. Also Rückzug, mit Verweis auf die erschreckenden Details im Bericht der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (Usada). Ein Sportartikelkonzern zog ebenso die Reißleine wie eine Brauerei, ein Fahrradhersteller oder eine Fitnessstudiokette; das stellt sich wie eine Kettenreaktion der vermeintlich Getäuschten dar.

          Erstaunlich, dass dies erst jetzt geschieht, obwohl doch seit langem schon schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Radprofi Armstrong erhoben werden. Der Amerikaner dürfte erhebliche finanzielle Einbußen erleiden, ein Spendenkonto wird man deswegen aber nicht gleich für ihn einrichten müssen.

          Er hat, auch wenn er inzwischen einiges in Anwaltskosten investieren muss, in seiner Karriere bestimmt was auf die hohe Kante legen können. Immerhin hatte Armstrong sich auch die nicht gerade billige Hilfe von Dottore Michele Ferrari geleistet und dazu schon mal großzügig den Internationalen Radsportverband (UCI) unterstützt. Natürlich ganz zum Wohl des Radsports, offiziell bescheinigt von den leitenden Funktionären der UCI.

          Auf ewig ein fester Männerbund? Abwarten!

          Ja, auf sie kann Armstrong sich in diesen Tagen noch verlassen. Auf den Iren Pat McQuaid etwa, den Chef der Rad-Vereinigung. Oder den Niederländer Hein Verbruggen, den Ehrenvorsitzenden der UCI, der gerade mit einer niederländischen Zeitung mittels SMS in Kontakt trat.

          Und dabei, was etwa die vermeintliche Vertuschung einer Doping-Probe im Jahr 1999 betrifft, vehement pro Armstrong und natürlich pro UCI Stellung bezog: viele Geschichten und Verdächtigungen, schrieb Verbruggen emsig, aber nicht die Spur eines Beweises. Ach, Lance und Hein und Pat, auf ewig ein fester Männerbund? Abwarten!

          Glaubwürdigkeit würde weiter ramponiert

          Die UCI muss, versorgt mit den explosiven Unterlagen der amerikanischen Doping-Jäger, in der Causa Armstrong bald eine Entscheidung treffen. Sie dürfte dann - wenn auch schweren Herzens - kaum umhinkommen, sich wie die Usada gegen den siebenmaligen Tour-Sieger zu wenden.

          Andernfalls würde ihre ohnehin schon ziemlich angekratzte Glaubwürdigkeit weiter ramponiert werden. Und es wird für den Radsport auch nicht damit getan sein, einfach nur die Akte Armstrong zu schließen. Er braucht, um wirklich voranzukommen, in dieser brisanten Angelegenheit auch Klarheit über die Rollen von Verbruggen und McQuaid. Mit einer schlichten Kurzmitteilung ist sie kaum herzustellen.

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