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Radsport-Kommentar : Lebenslang für Armstrongs Helfer

  • -Aktualisiert am

Johan Bruyneel (links) war Sportdirektor des Teams um Lance Armstrong. Bild: dpa

Johan Bruyneel führte über Jahre das Team des überführten Dopers Lance Armstrong. Nun darf er nie mehr im organisierten Radsport arbeiten. Aber ist diese lebenslange Sperre wirklich angemessen?

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          Lebenslang. Das sind in diesem Fall mehr als 15 Jahre. Johan Bruyneel wird nie mehr im organisierten Radsport arbeiten, sondern bis ans Ende seiner Tage nur zuschauen. Nicht mal Reifen dürfte er in offizieller Funktion aufpumpen. Das hat der Internationale Sportgerichtshof Cas entschieden. Er ist der Klage der Welt-Anti-Doping-Agentur gefolgt, die sich mit einer Sperre über zehn Jahre, ausgesprochen von einem amerikanischen Schiedsgericht, nicht abfinden wollte. Der Mann sollte weg aus dem Radsport. Es ist so weit. Nun bereut er „vieles, zutiefst“.

          Der ehemalige Radprofi Bruyneel führte über Jahre das Profiteam des überführten Dopers Lance Armstrong und förderte die Geschäfte des wohl ausgeklügeltsten Manipulationsprogramms einer Kleingruppe in der Geschichte des Sports – soweit bekannt. Kläger sprachen gar vom „anspruchvollsten, professionellsten Doping-System in der Sportgeschichte“. Was angesichts des Menschenversuchs in der DDR mit dem Doping-Programm (Staatsplan 14.25) und dem daraus folgenden Elend befremdet (siehe Seite 31). Aber zweifellos gehörte Bruyneel zu den führenden Köpfen des Armstrong-Regimes. Es setzte nicht nur die rücksichtslose Doping-Kultur im Radsport nach den Razzien 1998 fort. Die Protagonisten machten auch gewaltig Druck auf jene, die sich zu widersetzen versuchten. Von all den Lügen, von all den Verleumdungen gegen Aussteiger, Kritiker und Kronzeugen ganz zu schweigen.

          Bruyneel war ein großes Rad. Aber eben auch nur ein Rad in einem Räderwerk, das vielen gedient hat, die weiterhin im Rennen sind. Und so stellt sich die Frage, ob die Gnadenlosigkeit, mit der dieser 54-Jährige seinem Sport, mithin seinem Leben für immer entzogen wird, angemessen ist. Wann ist ein Doping-Organisator auf ewig nicht mehr tragbar? Wenn er an der Manipulation von sieben Tour-de-France-Siegen mitgewirkt hat? Ab zehn, zwanzig oder fünfzig Gedopten in den von ihm geführten Rennställen? Und warum kann es für einen Bruyneel grundsätzlich kein Zurück mehr geben, wenn er „zutiefst bereut“ und für seine Taten im Land des schärfsten Anti-Doping-Gesetzes, Deutschland, von einem ordentlichen Gericht allenfalls für ein paar Jahre aus dem Verkehr gezogen würde?

          Die Erfahrung zeigt, dass weder die schärfsten Anti-Doping-Kontrollen noch das beste Gesetz allein das Problem annähernd eindämmen können. Das ist allenfalls mit einer professionellen Prävention möglich: Zu dieser Vorbeugung gehört unbedingt, Menschen, die glaubten, nur mit Manipulation im Sport erfolgreich sein zu können, von sauberen Sportlern fernzuhalten. Das ist leider kaum geschehen. Im Gegenteil. Ein überführter Trainer wurde hierzulande gar zum Coach des Jahres gekürt – und später dann wieder erwischt. Seine „Wirkung“ reichte bei weitem nicht an die von Bruyneel heran. Wer einmal als Trainer Athleten gedopt oder sie zum Dopen animiert hat, taugt nicht mehr als Pädagoge.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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