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ARD-Bericht : Wieder gesperrter Russe beim Training entdeckt

Wladimir Kazarin mit der russischen 800-Meter-Läuferin Mariya Sawinowa nach deren Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2012 in London Bild: Picture-Alliance

Abermals tauchen belastende Aufnahmen auf, wie ein russischer Trainer seine Doping-Sperre umgeht. Derweil ändert DOSB-Präsident Hörmann seine Haltung gegenüber dem IOC. Auch DLV-Präsident Prokop äußert sich.

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          Im russischen Sport wird weiter getrickst. Das erste deutsche Fernsehen belegt mit Bildern, dass der des Dopings überführte und international gesperrte Leichtathletiktrainer Wladimir Kazarin heimlich russische Mittelstreckenläufer betreut. In einem am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlten Beitrag war er bei der Arbeit in dem Ort Tscheljabinsk im Ural zu sehen. 2014 war der Mann heimlich aufgenommen worden, wie er der Läuferin Julija Stepanowa verschiedene Doping-Mittel empfahl und gab. Der russische wie der internationale Verband sperrten ihn wie eine Vielzahl weiterer belasteter Trainer.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dennoch arbeitete der wegen massenhaften Dopings entlassene Geher-Trainer Viktor Tschegin weiter, auch die ebenfalls gesperrten Trainer Wladimir Mochnew und Juri Gordejew wurden bei der Betreuung von Athleten gesehen. Der russische Leichtathletik-Verband ist von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen; russische Leichtathleten sind aufgerufen, sich als „neutrale Teilnehmer“ um internationales Startrecht zu bewerben. Sie dürfen nicht mit belastetem Personal zusammenarbeiten und müssen sich verlässlichen Kontrollen unterziehen.

          Die Internationale Biathlon-Union (IBU) sieht sich dagegen mit der Sanktionierung des russischen Staatsdopings überfordert. Sie stellte Verfahren gegen 22 der 31 russischen Athleten ein, die der Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), der kanadische Jurist Richard McLaren, ihr als belastet genannt hat; zwei sind gesperrt, gegen sieben wird weiter ermittelt. Auf intensiven Druck seiner Athleten beruft der Verband einen außerordentlichen Kongress ein, auf dem noch vor den Weltmeisterschaften (9. bis 19. Februar) Doping-Sperren von bis zu acht Jahren, der Entzug von Startplätzen und Geldstrafen bis zu einer Million Euro beschlossen werden sollen. Darauf hatten 170 Biathleten in einem gemeinsamen Brief bestanden. Gegen den russischen Verband leitete die IBU ein formelles Verfahren ein.

          Hörmann fordert ein starkes Signal

          Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, forderte unterdessen in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“, das Internationale Olympische Komitee (IOC) müsse sich mit dem Ausschluss der Russen von den Winterspielen 2018 in Pyeongchang und den Sommerspielen 2020 in Tokio beschäftigen, falls sich der Vorwurf des Staatsdopings bestätige. Es müsse ein starkes Signal geben: „So nicht.“ Vor den Sommerspielen in Rio hatte er zunächst den Ausschluss der Russen von zwanzig Sportarten gefordert, ehe er die Entscheidung des IOC verteidigte, von einer Sperre für Russland abzusehen und stattdessen jeden einzelnen Athleten auf seine Sauberkeit überprüfen zu lassen.

          Der zweite McLaren-Report vom vergangenen Dezember hat das Staatsdoping bestätigt. Wenigstens tausend russische Sportlerinnen und Sportler sind demnach systematisch gedopt und Doping-Proben russischer Teilnehmer an den Winterspielen von Sotschi 2014 vom Geheimdienst ausgetauscht worden. Die Manipulationen lassen sich nachweisen, nicht aber das Doping Einzelner. Hörmann bezeichnete nun auch den Ausschluss der Kronzeugin Julija Stepanowa von den Olympischen Spielen in Rio als fatales Signal. Im Sommer hatte er für die Entscheidung des IOC Verständnis gezeigt.

          Am Montag äußerte sich auch Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, zu den neuesten Enthüllungen. „Der ARD-Beitrag belegt ein weiteres Mal, dass die Reformen nicht umfassend greifen und die Vorgaben der Weltverbandes IAAF nicht umgesetzt werden“, sagte Prokop. „Russland kann deshalb nicht mit einer offiziellen Mannschaft bei der WM im August in London starten.“

          Beim Sundance Festival in Park City (Utah) lief unterdessen der Film „Icarus“. Darin behauptet der nach Amerika geflohene einstige Leiter des Doping-Kontroll-Labors von Moskau, Grigori Rodschenkow, er habe dreißig russische Medaillengewinner von Peking 2008 und mindestens die Hälfte der 72 Medaillengewinner von London 2012 gedopt, bevor er den Betrug von Sotschi 2014 organisierte. Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich habe dafür gesorgt, dass er dafür aus dem Gefängnis freikam, wo er wegen Handels mit Doping-Mitteln einsaß.

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