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TV-Doku über Doping : Die Versuchskaninchen der DDR

Doping war in der DDR fester Bestandteil der Spitzensport-Kultur Bild: dpa

Dass Doping im Spitzensport eine lange Historie in Deutschland hat, war bekannt. Aber nicht, dass in der DDR Mittel auch an Freizeitsportler getestet wurden. Eine ARD-Doku deckt auf.

          2 Min.

          Menschenversuche für den Spitzensport? Dass Regierungen, Sportverbände, Ärzte, Trainer, Athleten experimentierten, um auf geheimen, verbotenen wie gefährlichen Wegen schneller zu werden, höher zu kommen und stärker zu werden, ist nichts Neues. Die umfassende Dokumentation des Staatsplans 14.25 der DDR zum Doping, die Enthüllung der staatlichen russischen Manipulation vor den Winterspielen 2014 in Sotschi sind wahrscheinlich nur ein Ausschnitt. In verschlossenen Archiven von Sportnationen auf diesem Globus werden mehr Belege für Manipulationssysteme im großen Stil zu finden sein. Von den Geschichten über die Doping-Nester in Ost und West ganz zu schweigen.

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          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aber niemand wusste genau, dass in der DDR auch Freizeitsportler als „Versuchskaninchen“ dienten für die Elite in der Arena. Hinweise gab es schon vor Jahren. Doch erst der am vergangenen Freitag ausgestrahlte Film der ARD „Geheimsache Doping – Menschenversuche“ lässt mit bislang nicht veröffentlichtem Filmmaterial zur geheimen Forschung, mit eindrucksvollen Aussagen von Zeitzeugen erkennen, wie systematisch skrupellos die DDR-Führung ihr Zwangs-Doping auf allen Ebenen entwickelte.

          Den Autoren ist es gelungen, Probanden einer „geheimen Forschungseinheit“ zu befragen. Menschen, die den Sport liebten und teilweise überzeugt wurden, im Dienst der Wissenschaft einem Marathon-Olympiasieger wie Waldemar Cierpienski (1976 und 1980) Beine gemacht zu haben.

          Bis der zum Stillschweigen verdammte Zeuge merkte, dass ihm der vertrauenswürdige Arzt in der „Unterwelt“ des Forschungsinstituts für Körperkultur und Sport von Leipzig Anabolika verabreichte. Eine gewaltige Dosis. Erst rannte der Hobbyläufer los, wie „eine Maschine“. Dann kamen die Schmerzen, der Griff zum betäubenden Alkohol, der Achtungsverlust vor sich selbst, Depressionen, Suizidgedanken.

          Alles, trotz Verbot, notiert im Tagebuch. Erst viele Jahre nach dem Fall der Mauer erfuhr der Mann aus berufenem Munde, was das Gift in seinem Körper und Geist angerichtet hat. Viele andere wissen nicht mal, was ihnen die Doktoren verpassten; mitunter wohl auch die in der DDR nicht zugelassene Steroid-Test-Substanz STS 648.

          Der gut halbstündige Film verdeutlicht, wie erschreckend Menschen ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit benutzt wurden, um im Stadion eine heile, gesunde, glorreiche Welt vorspielen zu können. Er deutet an, dass die Gruppe „Hunderte“ Versuchskaninchen umfasst haben könnte, akquiriert aus der Studentschaft, der Nationalen Volksarmee oder sogar der Schule. Minderjährige sollen dazugehört haben.

          Das müsste aufgearbeitet werden, allein um Betroffenen sagen zu können, was ihnen geschehen ist. Auf die Täter sollte niemand hoffen. Ein Arzt, der an den Versuchen beteiligt war, konnte sich nicht mehr erinnern: „Welcher Staatsplan? Da muss ich passen.“ Frage: „Kennen Sie bis heute nicht?“ Antwort: „Nee.“

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