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Antworten zum Anti-Doping-Gesetz : Müssen Doper ins Gefängnis?

Keine Hoffnung mehr für Doper? Schön wäre es. Das neue Gesetz soll potentielle Sünder zumindest abschrecken. Bild: ddp

Erstmals sollen gedopte Sportler von Staatsanwälten zur Rechenschaft gezogen werden, es drohen Gefängnisstrafen. Was steckt in dem Gesetzesvorhaben, an wen richtet es sich, und was verbessert es?

          4 Min.

          Schwerkranke Sportler, zu Tode Gedopte, verschobene Wettbewerbe: Der Einsatz von Doping-Mitteln hat Menschen und Sport massiv geschadet. Die Bekämpfung der Manipulation vorwiegend durch die Verbände reicht offenbar nicht, des Problems halbwegs Herr zu werden. Das hat die große Koalition erkannt und beschlossen einzugreifen. Der Entwurf wirft Fragen auf:

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Was ist der Zweck des Gesetzes?

          Es soll die Gesundheit der Sportler schützen sowie Fairness und Chancengleichheit in Sportwettbewerben sichern. Das ist auch das Ziel des Anti-Doping-Kontrollsystems und der Sportgerichte. Doch die geringe Zahl nachgewiesener Fälle - 2013 waren 0.65 Prozent der rund 8000 Trainingskontrollen in Deutschland positiv - macht seit Jahren hellhörig. Zumal selbst in vorsichtigen Schätzungen von wenigstens zehn Prozent Dopern unter Deutschlands Spitzensportlern ausgegangen wird. Gleichzeitig beklagen Staatsanwälte, die sich um Aufklärung von Doping-Fällen bemühen, über die unzureichende Gesetzeslage. Sie fassen Doping-Händler, die im großen Stil Anabolika unter Bodybuildern verteilen. „Aber wir kommen nicht in den Spitzensport rein“, wie ein auf Doping-Aufklärung spezialisierter Staatsanwalt dieser Zeitung sagte. Der Gesetzentwurf, überwindet er die parlamentarischen Hürden, würde ihr Spielfeld enorm vergrößern.

          Was ist neu?

          Erstmals würde in Deutschland auch das Selbstdoping (§ 3) verfolgt. Der Staatsanwalt knöpfte sich also Athleten vor, die bislang, wenn sie keine Dealer in einem Doping-Fall waren, in der Regel als Zeugen vernommen werden. Selbst der Besitz kleiner Mengen harter Doping-Mittel wie Epo oder Anabolika könnte eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zur Folge haben. Auch Geldstrafen sind möglich. Kinderdoper müssten damit rechnen, bis zu zehn Jahre aus dem Verkehr gezogen zu werden. Das gilt auch für Trainer, Betreuer oder Ärzte, die einen Athleten bei der Vergabe verbotener Mittel oder bei der Anwendung verbotener Methoden der „Gefahr des Todes“ aussetzen. Aus der Luft gegriffen sind diese Beispiele nicht. Während der Tour de France 2006 wurde bei Patrick Sinkewitz eine Eigenbluttransfusion unterbrochen, weil sich lebensgefährliche Klumpen gebildet hatten. Todesfälle wegen Dopings etwa im Radsport sind zweifelsfrei dokumentiert worden.

          Wer ist betroffen?

          Die Schluckkultur in Deutschland ist auch in der Amateur- und Jedermannszene ausgeprägt, wo allerdings kaum oder gar keine Doping-Kontrollen stattfinden. Ein Doping-Gesetz nach Vorstellung der Koalition würde also auch Senioren-Weltmeister, die Anabolika schlucken, zu Straftätern machen. Allerdings sieht der Entwurf eine Einschränkung vor. Bestraft werden sollen nur Spitzensportler, „des organisierten Sports“, die als Mitglieder „im Testpool des Doping-Kontrollsystems Trainingskontrollen unterliegen“ oder „unmittelbar oder mittelbar Einnahmen von erheblichem Umfang erzielen“. Wie bisher muss der gedopte Freizeitsportler keine Angst vor dem Staatsanwalt haben. Die Gruppe der betroffenen deutschen Sportler dürfte etwa 7000 Athleten umfassen. Dabei gilt deutsches Recht auf deutschem Boden. Wenn ein ausländischer Athlet in Deutschland gegen das Gesetz verstößt, kann auch er belangt werden.

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          Wäre Evi Sachenbacher-Stehle damit im Gefängnis gelandet?

          Nein. Die Biathletin ist positiv auf ein Aufputschmittel getestet worden. Es gehört nicht zu den Substanzen, deren Einnahme nach Vorstellung der Regierung strafwürdig werden soll. Nur wer mit Anabolika, Peptidhormonen wie dem in Ausdauersportarten beliebten Epo, mit dem Wachstumshormon, Wachstumsfaktoren und Stoffwechsel-Modulatoren erwischt würde, bekäme es mit der Staatsgewalt zu tun. Der Gesetzgeber zielt hier auf die Einnahme, den Erwerb und den Besitz harter, gefährlicher Stoffe.

          Was würde besser werden?

          Die Einschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses bei des Dopings Verdächtigen würde den Handlungsspielraum der Staatsanwaltschaften erweitern. Nach Angaben ehemaliger Doper ist das Abschreckungspotential einer möglichen staatlichen Ermittlung wesentlich höher als die Wirkung eines drohenden Sportgerichtsverfahrens. Der frühere Radprofi Erik Zabel gestand etwa, dass er und seine Kollegen mehr Angst vor den Razzien der französischen Polizei als vor dem Anti-Doping-Kontrollsystem gehabt hätten. Der Gesetzentwurf sieht auch eine Stärkung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) vor. Die Weitergabe von Akten zu Doping-Fällen durch die Staatsanwaltschaften soll wesentlich erleichtert werden. Mitunter waren die Behörden nicht bereit, Daten und Fakten zu Dopern der Nada zu übermitteln. Die zuletzt von Athleten wie der Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein in Frage gestellte Schiedsgerichtsbarkeit des Sports wird in dem beabsichtigten Gesetz ausdrücklich gestärkt.

          Gefährdet der Plan die Bewerbung der Deutschen für internationale Sportveranstaltungen?

          Zu dieser Frage gibt es keine offene Auskunft. Es hatte aber den Anschein, als hänge die Gegenwehr von großen Teilen des Sports über Jahre, unter anderem die Ablehnung durch Thomas Bach, den früheren Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und jetzigen Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), auch mit Bedenken wegen der Reaktion der internationalen Verbände zusammen.

          Staatsanwälte auf der Laufbahn?

          Der Eingriff des Staates in die Angelegenheiten des Sports ist den Funktionären ein Greuel. Zumal sie wissen, dass Doping weiterhin Teil ihres Geschäfts ist. Letztlich hat die zögerliche Haltung im Anti-Doping-Kampf dazu geführt, dass die Führung des DOSB mit dem streitbaren Generaldirektor Michael Vesper in Deutschland zuletzt vor vollendete Tatsachen gestellt wurde.

          Wird es zum Gesetz kommen?

          Bisher liegt nur ein Entwurf vor, die Begründung steht noch aus. Doch ist die Vorlage kein Schnellschuss, sondern über Jahre von den Protagonisten forciert worden. Auch die Argumente der Gegner sind seit Jahren bekannt. Insofern sollte die Anhörung der Verbände nach einem Kabinettsbeschluss keine wesentlich neue Faktenlage ergeben. Da zwei CDU-Ministerien, das Bundesinnenministerium unter Thomas de Maizière und das Gesundheitsministerium unter Hermann Gröhe, an der Einigung mit Justizminister Heiko Maas (SPD) beteiligt waren, hat der Kern des Entwurfs große Chancen, das erste Anti-Doping-Gesetz Deutschlands zu werden.

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