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Antworten zum Anti-Doping-Gesetz : Müssen Doper ins Gefängnis?

Keine Hoffnung mehr für Doper? Schön wäre es. Das neue Gesetz soll potentielle Sünder zumindest abschrecken. Bild: ddp

Erstmals sollen gedopte Sportler von Staatsanwälten zur Rechenschaft gezogen werden, es drohen Gefängnisstrafen. Was steckt in dem Gesetzesvorhaben, an wen richtet es sich, und was verbessert es?

          Schwerkranke Sportler, zu Tode Gedopte, verschobene Wettbewerbe: Der Einsatz von Doping-Mitteln hat Menschen und Sport massiv geschadet. Die Bekämpfung der Manipulation vorwiegend durch die Verbände reicht offenbar nicht, des Problems halbwegs Herr zu werden. Das hat die große Koalition erkannt und beschlossen einzugreifen. Der Entwurf wirft Fragen auf:

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Was ist der Zweck des Gesetzes?

          Es soll die Gesundheit der Sportler schützen sowie Fairness und Chancengleichheit in Sportwettbewerben sichern. Das ist auch das Ziel des Anti-Doping-Kontrollsystems und der Sportgerichte. Doch die geringe Zahl nachgewiesener Fälle - 2013 waren 0.65 Prozent der rund 8000 Trainingskontrollen in Deutschland positiv - macht seit Jahren hellhörig. Zumal selbst in vorsichtigen Schätzungen von wenigstens zehn Prozent Dopern unter Deutschlands Spitzensportlern ausgegangen wird. Gleichzeitig beklagen Staatsanwälte, die sich um Aufklärung von Doping-Fällen bemühen, über die unzureichende Gesetzeslage. Sie fassen Doping-Händler, die im großen Stil Anabolika unter Bodybuildern verteilen. „Aber wir kommen nicht in den Spitzensport rein“, wie ein auf Doping-Aufklärung spezialisierter Staatsanwalt dieser Zeitung sagte. Der Gesetzentwurf, überwindet er die parlamentarischen Hürden, würde ihr Spielfeld enorm vergrößern.

          Was ist neu?

          Erstmals würde in Deutschland auch das Selbstdoping (§ 3) verfolgt. Der Staatsanwalt knöpfte sich also Athleten vor, die bislang, wenn sie keine Dealer in einem Doping-Fall waren, in der Regel als Zeugen vernommen werden. Selbst der Besitz kleiner Mengen harter Doping-Mittel wie Epo oder Anabolika könnte eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zur Folge haben. Auch Geldstrafen sind möglich. Kinderdoper müssten damit rechnen, bis zu zehn Jahre aus dem Verkehr gezogen zu werden. Das gilt auch für Trainer, Betreuer oder Ärzte, die einen Athleten bei der Vergabe verbotener Mittel oder bei der Anwendung verbotener Methoden der „Gefahr des Todes“ aussetzen. Aus der Luft gegriffen sind diese Beispiele nicht. Während der Tour de France 2006 wurde bei Patrick Sinkewitz eine Eigenbluttransfusion unterbrochen, weil sich lebensgefährliche Klumpen gebildet hatten. Todesfälle wegen Dopings etwa im Radsport sind zweifelsfrei dokumentiert worden.

          Wer ist betroffen?

          Die Schluckkultur in Deutschland ist auch in der Amateur- und Jedermannszene ausgeprägt, wo allerdings kaum oder gar keine Doping-Kontrollen stattfinden. Ein Doping-Gesetz nach Vorstellung der Koalition würde also auch Senioren-Weltmeister, die Anabolika schlucken, zu Straftätern machen. Allerdings sieht der Entwurf eine Einschränkung vor. Bestraft werden sollen nur Spitzensportler, „des organisierten Sports“, die als Mitglieder „im Testpool des Doping-Kontrollsystems Trainingskontrollen unterliegen“ oder „unmittelbar oder mittelbar Einnahmen von erheblichem Umfang erzielen“. Wie bisher muss der gedopte Freizeitsportler keine Angst vor dem Staatsanwalt haben. Die Gruppe der betroffenen deutschen Sportler dürfte etwa 7000 Athleten umfassen. Dabei gilt deutsches Recht auf deutschem Boden. Wenn ein ausländischer Athlet in Deutschland gegen das Gesetz verstößt, kann auch er belangt werden.

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