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Anti-Doping-Kampf : Sprachlos

  • -Aktualisiert am

Durchblick im Anti-Doping-Kampf verloren? David Howman Bild: REUTERS

Wie kann es sein, dass relevante Einschätzungen der Wada nur eine Halbwertzeit von gut vier Wochen haben? Das ist ein Offenbarungseid in einem so komplexen, kaum mehr überschaubaren Geschäft.

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          Das ist bizarr. Ein Antidoping-Experte aus Kanada kommt nach Deutschland geflogen, um dort seinen deutschen Kollegen ein massives, folgenschweres Kommunikationsproblem vorzuwerfen; ein gewaltiger Aufwand, schließlich gibt es auch in Montreal Telefone. Aber ein vielleicht reinigendes Streit-Gespräch war gar nicht das Ziel. Der Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), David Howman, reiste nach Frankfurt, um seinen Unmut über die Nationale Anti-Doping-Agentur der Deutschen in zwei Interviews loszuwerden. Zeit für einen Abstecher nach Bonn zu den Gescholtenen - 50 Minuten per ICE - blieb nicht. So viel zum Kommunikator Howman.

          In Bonn fühlen sie sich mächtig in die Pfanne gehauen. Als seien eine Biochemikerin mit Detailwissen aus ihrer Arbeit im weltweit anerkannten Anti-Doping-Labor von Köln und ein Jurist an der Spitze der Nada nicht in der Lage, der Wada präzise Fragen zu einem Blutdoping-Thema zu stellen, geschweige denn ausreichend Informationen über die Erfurter Affäre zu vermitteln. Dann müsste man schon Absicht unterstellen. Das erscheint absurd, und davon sprach Howman auch mit keiner Silbe. Dafür aber von der Verwirrung in Montréal.

          Die Wada, die Zentralinstanz des weltweiten Anti.Doping-Kampfes, hatte schlicht keinen Durchblick in einem zweifellos komplizierten Fall. Weil sie sich lange nicht für die Causa Erfurt interessierte oder die Tragweite nicht erkannte. Aber trotzdem nahm sie zweimal Stellung innerhalb eines Jahres, mit allerdings ganz konträren Aussagen. Nun aber ist das Diktum der Experten aus Kanada wiederaufgehoben worden. Hätten sie doch die Klappe gehalten.

          Wahrscheinlich musste Howman deshalb in Deutschland den Mund aufmachen. Der Angriff auf die Nada wirkt wie ein Ablenkungsmanöver von den eigenen Fehlern. Denn wie kann es sein, dass relevante Einschätzungen der Wada nur eine Halbwertzeit von gut vier Wochen haben? Das ist ein Offenbarungseid in einem so komplexen, kaum mehr überschaubaren Geschäft. Beim Kampf gegen Doping müssen mitunter Entscheidungen getroffen werden, die sich massiv auf das Leben von Athleten und das Überleben von um Sauberkeit bemühten Verbänden auswirken. Deshalb muss man sich auf Urteile von Institutionen wie der Wada verlassen können. Howman ist das klargeworden. Er will seinen Laden besser organisieren. Denn größer als ein Verlust des Vertrauens kann der Schaden für die Wada kaum sein.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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