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Anti-Doping-Gesetz : Cookson: „Strafrecht für Doper eine gute Idee“

Brian Cookson Bild: AFP

Brian Cookson, Präsident des Radsport-Weltverbandes, verlässt die althergebrachte Linie der Sportverbände zum Umgang mit Doping: Cookson verlangt, was die Bundesregierung umsetzen will - die strafrechtliche Verfolgung von Doping.

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          Brian Cookson, der Präsident des Welt-Radsportverbandes, schließt zu seinen besten Fahrern auf, jedenfalls was die Dopingbekämpfung angeht. Doping gesetzlich unter Strafe zu stellen sei eine gute Idee und solle ernsthaft erwogen werden, sagte der Brite, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Strukturen seiner Sportart zu reformieren und den Radsport zu retten. Er warnt davor, dass manche Sportarten in Sachen Doping in einer Verweigerungshaltung verblieben. „Sie nehmen es nicht ernst“, zitiert ihn die Website „inside the games“.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Früher oder später werden sie vor denselben Problemen stehen, wie wir sie hatten. Wenn sie sich weiter etwas vormachen, könnten ihre Probleme sogar noch größer werden.“ Cookson sagt nicht, welche Sportarten er meint; die Leichtathletik etwa hat sich noch mit dem systematischen Doping in Russland zu beschäftigen, welches das deutsche Fernsehen im vergangenen Jahr entlarvte. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) lehnen es ab, Athleten mit dem Strafgesetzbuch zu drohen. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) warnt davor, dass Strafverfolgung die Sportgerichtsbarkeit gefährde.

          Anteil am Enstehen des Anti-Doping-Gesetzes

          Seit Jahren treten John Degenkolb, der Sieger von Mailand – San Remo und Paris – Roubaix und damit der erfolgreichste Radprofi des Frühjahrs, der einstige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin sowie der mehrmalige Etappensieger von Tour de France und Giro d’Italia, Marcel Kittel, gemeinsam für ein staatliches Engagement in der Dopingbekämpfung ein. Über ihren Anteil am Entstehen des Anti-Doping-Gesetzes, das Bundesjustizminister Heiko Maas und Innenminister Thomas de Maizière vor wenigen Wochen in den Bundestag eingebracht haben, sagte Degenkolb im Interview mit der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im November:  „Die Ideen, die wir in den Raum geworfen haben, sind zu einem Gesetzentwurf geworden. Athleten und Fans identifizieren sich damit. (…) Für die, die unterstützende Mittel genommen haben, ist jetzt die Abschreckung viel höher. Wir haben natürlich keine Sicherheit, dass alle die Finger von dem Zeug lassen. Aber vielleicht ein oder zwei, und das wäre schon ein Fortschritt.“

          Tatsächlich mag die Initiative Eindruck auf die Politiker gemacht haben, allerdings bedurfte die Idee der strafrechtlichen Verfolgung von Dopingvergehen nicht erst der Geburtshilfe durch Radprofis - die Idee ist deutlich älter, erste Gesetzentwürfe wurden im bayerischen Justizministerium, später auch in Baden-Württemberg vor Jahren entwickelt.

          Degenkolb aber gehört zu den Nachwuchsathleten, die Toursieger Jan Ullrich und Sprinter Erik Zabel bewunderten und die von den Folgen deren Sturzes wegen Dopings besonders betroffen war. „Meine Generation ist von ihren Idolen enttäuscht worden“, sagte Degenkolb. „Heute bin ich froh, dass damals der Radsport weitgehend in die Brüche gegangen ist. Wir haben mit der Vergangenheit abgeschlossen, alles ist neu aufgebaut.“

          Justizminister Maas initiierte im Herbst vergangenen Jahres eine Petition von Spitzensportlern für das Gesetz und damit gegen Widerstand und zögerliche Haltung der Sportorganisationen in Deutschland. Zu den 22 Erstunterzeichnern gehörten Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll und ihr Mann, Speerwurf-Bundestrainer Boris Henry, Handball-Nationalspieler Paul Drux und Paralympics-Sieger Heinrich Popow. Doping mit Haft zu bestrafen statt lediglich mit Sperren, unterstreiche die Ernsthaftigkeit, mit der die Gesellschaft Betrug im Sport betrachte, sagt nun Cookson.

          „Es ist fast schlimmer als andere Formen von Kriminalität, was sich verrückt anhört, aber wenn die Menschen  denken, dass es Doping und Spielabsprachen und Sportbetrug gibt, untergräbt dies etwas, in das sie als einen schönen und positiven Aspekt ihres Lebens Vertrauen gesteckt haben.“ Je härter die Konsequenzen für diejenigen, die selbst dopten oder Doping ermöglichten, desto besser. Cookson fordert, die Zusammenarbeit mit Zoll, Polizei und Staatsanwaltschaften, wie sie neuerdings die UCI pflegt, nicht auf die Verfolgung von Doping zu beschränken. Es gehe auch darum, Geldwäsche, Diebstahl, Drogenschmuggel und Steuerhinterziehung gemeinsam zu bekämpfen. Im Anti-Doping-Gesetz in Deutschland sind Gefängnisstrafen bis zu drei Jahre vorgesehen.

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