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Früheres Doping-Zenturm : Die Uni Freiburg versucht es durch die Hintertür

  • -Aktualisiert am

Zi-za-zurück in die Zukunft? Auch Team Telekom tankte in Freiburg. Bild: Picture-Alliance

Zu Zeiten des Profi-Radteams T-Mobile galt die Uni Freiburg als Zentrum des deutschen Dopings. Nun wollen Sportmediziner dort wieder Spitzensportler betreuen. Die Klinik-Leitung will von nichts gewusst haben.

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          Sportmediziner an der Universität Freiburg haben offenbar versucht, ohne Wissen der Klinik-Leitung zur Betreuung von Spitzensportlern zurückzukehren. Nach den veröffentlichten Doping-Affären rund um das Profi-Rad-Team T-Mobile und belegten Hinweisen zu Freiburg als Zentrum des Dopings in Westdeutschland hatte sich die Universität zu einer Abwendung vom Spitzensport entschlossen.

          Nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aber gibt es einen Plan, eine Neulizenzierung für die Betreuung von A-, B- und C-Kaderathleten für den Zeitraum 2017 bis 2020 zusammen mit der Freiburger universitären Sportorthopädie und den „SportOrthopäden - Praxisklinik an den Heilquellen“ zu beantragen. Die Uniklinik Freiburg widersprach dieser Information auf Nachfrage: „Bisher wurde kein Antrag gestellt, und es ist auch derzeit nicht geplant, einen solchen Antrag zu stellen.“

          DOSB muss offizieller Betreuung zustimmen

          Allerdings steht eine Aktennotiz des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Widerspruch zu dieser Behauptung. Dem Dachverband des deutschen Sports ist der Plan, eine neue Lizenz für alle Kader des deutschen Sports anzustreben, längst bekannt. Der DOSB muss der offiziellen Betreuung seiner Sportler zustimmen und erhofft sich über die Vergabe der Lizenz eine gewisse Kontrolle. Klinikumsvorstand und Universitätsleitung sind bis zur Nachfrage der F.A.Z. angeblich nicht im Bilde gewesen über die detaillierten Vorstellungen im Institut für Bewegungs- und Arbeitsmedizin.

          Die Entwicklung scheint aber nicht zufällig. Nach der Trennung von drei Ärzten der Abteilung „Rehabilitative und Präventive Sportmedizin“ des Universitätsklinikums wegen der systematischen Vergaben und Verabreichung von Doping-Mitteln hatte mit der Aufarbeitung der Vergangenheit durch zwei Kommissionen und der Verabschiedung eines Anti-Doping-Konzeptes ein Neuanfang gemacht werden sollen. 2015 tilgte man den Begriff Sportmedizin aus der Institutsbezeichnung, um auch auf dieser Ebene ein bewusstes Abgrenzungssignal zu geben. Das Institut, in dem Doping geplant und erforscht wurde, nennt sich heute „Institut für Bewegungs- und Arbeitsmedizin“.

          Aber schon die Besetzung der neuen ärztlichen Leitung stiftete Verwirrung. Trotz eines Vertrages zog sich ein externer Bewerber überraschend zurück. Aus persönlichen Gründen, wie es offiziell heißt. Stattdessen installierte der Klinikumsvorstand Prof. Peter Deibert einen Mediziner als neuen Institutschef, der jahrelang in der ominösen Abteilung „Rehabilitative und Präventive Sportmedizin“ tätig gewesen war und nach dem Aus-scheiden des alten Institutsleiters die kommissarische Leitung übernommen hatte. Auf die Abarbeitung der Berufungsliste wurde verzichtet.

          Auch eine Neuausschreibung der Stelle unterblieb. „Die Verhandlungen (. . .) zogen sich über mehr als ein Jahr hin. Eine Neuausschreibung war somit zeitlich nicht vertretbar“, heißt es in einer Stellungnahme der Uniklinik, „zumal man in Sondierungsgesprächen mit Prof. Deibert rasch eine Übereinstimmung in den zukünftigen Zielen und avisierten Schwerpunkten fand.“ Diese sollen nun offiziell in den Bereichen „Prävention, Breitensport und Arbeitsmedizin insbesondere durch Lebensstilintervention“ liegen. In der Antwort der Universität Freiburg von Anfang Februar dieses Jahres heißt es: „Seit 2011 existiert in Freiburg keine Leistungssport-Betreuung durch Mitarbeiter der früheren Sportmedizin oder durch das jetzige Institut für Bewegungs- und Arbeitsmedizin.“

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          Angesichts der vorgeblichen, offiziellen Umorientierung wundern sich Experten darüber, dass die beiden „neuen“ Oberärzte des Instituts altbekannte Gesichter sind. Beide waren bereits im Jahr 2007 neben den geständigen Doping-Ärzten Andreas Schmid und Lothar Heinrich im Team T-Mobile als ärztliche Betreuer tätig. Einer dieser Doktoren ist ein ausgewiesener Experte für Blut-Doping-Forschung. In einer seiner Veröffentlichungen, in der es um die Eignung des Blutpasses zum Nachweis von Blut-Doping geht, beschreibt er Maßnahmen, mit denen Athleten die Entdeckung von Blut-Doping kreativ umgehen können.

          Angesprochen auf die Missbrauchsanfälligkeit einer derartigen Forschung, antwortete die Uniklinik Freiburg: „Gerade aufgrund der gemachten Erfahrungen in Freiburg besteht im Institut eine ausgeprägte Haltung gegen Doping und der Wunsch, evidenzbasierte Medizin für sportinteressierte Patienten anzubieten in bewusster Abgrenzung gegenüber den früheren Vorgängen in Freiburg.“ Zu denen gehörte unter anderem die Einrichtung eines „Arbeitskreises doping-freier Sport“, finanziell großzügig unterstützt von der Telekom von 1998 an. Mit dem Geld wurden auch Forschungsprojekte entwickelt, deren Ergebnisse für Doping-Praktiken genutzt wurden; von den Ärzten, die als Mitglieder des Arbeitskreises wie Saubermänner auftraten.

          Der Direktor für Physiologie an der Universität zu Lübeck, Professor Wolfgang Jelkmann, ein ausgewiesener Kenner der Doping-Problematik, rät den Freiburgern zu einer unmissverständlichen Lösung: „Die Betreuung von Spitzensportler(inne)n darf angesichts der schändlichen Freiburger Historie nicht an dem Institut fortgeführt werden. Stattdessen ist ein bewegungstherapeutischer integrativer Ansatz wünschenswert, der andere Fachgebiete - wie zum Beispiel Geriatrie, Onkologie und Kardiologie - einschließt und von der Sportmedizin angeführt wird.“

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