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Bestechung in Russland? : 68.000 Euro für die Sauberkeit

  • -Aktualisiert am

„Sie schlugen vor, zwei oder drei Top-Schwimmer aus dem Anti-Doping-Testpool herausnehmen – für drei Millionen Rubel im Jahr“ Bild: dpa

In Russland sollen Schwimmer die Möglichkeit gehabt haben, aus dem Doping-Testprogramm genommen zu werden – gegen Bezahlung. Das ergeben Recherchen der F.A.Z. So hätten sie verbotene Substanzen nehmen können ohne aufzufallen.

          Grigorij Rodschenkow, ehemaliger Chef des russischen Doping-Kontrolllabors, sowie Nikita Kamajew, kürzlich verstorbener Leiter der russischen Anti-Doping-Behörde (Rusada), sollen dem russischen Schwimmverband angeboten haben, Athleten aus dem Testpool zu nehmen – für umgerechnet 68.000 Euro. Das haben Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der englischen Tageszeitung „The Times“ ergeben. Demnach hätten Rodschenkow und Kamajew im Jahr 2011 mindestens zweimal Offizielle des russischen Schwimmverbandes getroffen.

          Das behauptet ein Insider des russischen Schwimmsports in einem von der F.A.Z. mit seinem Wissen aufgezeichneten Interview: „Mr. Rodschenkow und Mr. Kamajew haben 2011 auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in London zweimal zum Gespräch gebeten“, behauptet der Zeuge: „Das letzte Treffen fand im Oktober zu Beginn der finalen Olympia-Vorbereitungen statt, als sie (Schwimm-Funktionäre, d. Red.) zu einem Treffen mit der Rusada gerufen wurden. Sie schlugen vor, zwei oder drei Top-Schwimmer aus dem Anti-Doping-Testpool herausnehmen – für drei Millionen Rubel im Jahr.“

          Die Athleten hätten sich dann mit verbotenen Substanzen vorbereiten und rechtzeitig absetzen können. Doping während des Trainings dient unter anderem dazu, die Regenerationszeiten zu verkürzen und die Leistung direkt sowie indirekt zu steigern. Die Wirkung hielte für einen gewissen Zeitraum auch in der doping-freien Phase an.

          Der Informant, dessen Name und Funktion der F.A.Z. bekannt ist, erklärte außerdem, dass das erste Treffen am Rande einer vom russischen Sportminister Witali Mutko für Mitarbeiter aller russischen Sportteams organisierten Anti-Doping-Konferenz stattfand. Abseits dieser Konferenz habe Rusada-Boss Kamajew bei einem Treffen mit Offiziellen des Schwimmverbands dies erklärt: „Einige Mitglieder der Schwimm-Nationalmannschaft könnten Probleme in Bezug auf den Blut-Pass haben, und wir müssen darüber sprechen.“

          Obwohl den Verbandsvertretern „ein kleiner Teil möglicher Boni und Prämien“ von den Rusada-Vertretern angeboten wurde, sei es zu keinem Deal gekommen. Ob die Vorwürfe zutreffen, ist ungeklärt. Der russische Schwimmverband reagierte auf Bitten um Stellungnahme zu den Aussagen im Interview nicht. Rodschenkow wollte sich zu den Vorwürfen vorerst nicht äußern. Er hatte sich vor einigen Wochen als eine Art Chef-Doper in einem ausgeklügelten Betrugssystem bezeichnet. Unter anderem behauptete er, mehr als 100 Kontrollen gedopter russischer Athleten bei den Winterspielen in Sotschi 2014 manipuliert zu haben. Kamajew, heißt es, habe ein Buch über Doping in Russland schreiben wollen.

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          Der Informant hatte mit Rodschenkow gearbeitet und wundert sich im Interview über den Rollenwechsel mancher Funktionäre: „Es ist schon paradox, dass die Gauner nun in der ersten Reihe der Anti-Doping-Kämpfer stehen.“ Im März hatte die „Times“ eine „organisierte Drogenkultur“ im russischen Schwimmsport in den vergangenen zehn Jahren aufgedeckt. Sportfunktionäre, Trainer, Politiker und sogar die Polizei hätten sich verschworen, um zwei positive Tests auf das Blut-Doping-Mittel Epo verschwinden zu lassen.

          Die zwei russischen Fälle sind bis heute nicht aktenkundig beim Schwimm-Weltverband Fina. Die Schwimmer, so behauptet es der Insider des russischen Schwimmsports, seien zwar vom nationalen Verband für zwölf Monate gesperrt, die Sperren aber nie durchgesetzt worden. Sie hätten zwar die Ärztin benannt, die sie mit Epo versorgt habe, doch „mächtige Personen“ hätten die Frau beschützt, und dem russischen Schwimmverband sei unmissverständlich klargemacht worden: „Dieser Fall geht keinen Schritt weiter.“ Ben Nichols, Sprecher der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erklärte: „Diese Vorwürfe sind sehr beunruhigend. Wir haben die Sache sofort zur Untersuchung weitergeleitet.“

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