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Doping in Russland : Neuer Verdacht durch dreist gefälschtes Attest

War der russische Hochspringer Danil Lyssenko wirklich so krank? Bild: AP

Hochspringer Danil Lyssenko verpasste Doping-Proben – wegen einer schweren Krankheit? So will es der russische Leichtathletik-Verband darstellen. Doch nun gibt es Zweifel an dieser Version.

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          Der russische Leichtathletikverband soll mit einem dreist gefälschten Attest versucht haben, verpasste Doping-Kontrollen seines Weltmeisterschafts-Zweiten und Hallen-Weltmeisters im Hochsprung Danil Lyssenko zu entschuldigen. Dies wäre ein schwerer Rückschlag beim Versuch der Russen und ihres Präsidenten Putin, bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio mit Leichtathleten in ihrer Olympiamannschaft anzutreten. Der Verband ist wegen systematischen Dopings seit November 2015 suspendiert und fehlte deshalb auch bei den Olympischen Spielen von Rio 2016; russische Leichtathleten können auf Antrag als neutrale Athleten an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Die Londoner „Sunday Times“ berichtet, der Verband habe Dokumente vorgelegt, nach denen der 22 Jahre alte Lyssenko wegen einer schweren Krankheit nicht in der Lage gewesen sei, den Doping-Kontrolleuren seinen Aufenthaltsort („whereabouts“) anzugeben.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Laut der Zeitung, die sich auf Informanten im Umfeld der Einrichtung zur Ermittlung und Sanktionierung von Doping und Korruption des Weltverbandes IAAF beruft (Athletics Integrity Unit/AIU), seien sowohl die Ärzte, welche das Attest unterschrieben, als auch die Klinik, in der sie angeblich arbeiteten, erfunden. An der auf den Papieren angegebenen Adresse in Moskau befinde sich eine Baubrache. Lyssenko hat seit August vergangenen Jahres keinen Wettbewerb bestritten.

          Bislang hatten der im Januar gewährte Zugang zu Daten des an den Manipulationen beteiligten Anti-Doping-Labors in Moskau und die Übernahme der Kosten für Klärung und Vermittlung der Vorwürfe durch eine Taskforce in Höhe von mehr als drei Millionen Dollar als letzte Hindernisse für die Wiederzulassung des russischen Verbandes gegolten. Putin hatte erst vor wenigen Wochen das Nationale Olympische Komitee von Russland aufgefordert, dafür zu sorgen, dass in Tokio 2020 eine vollständige russische Olympiamannschaft antreten darf. Laut „Sunday Times“ hat die AIU Computerdaten des russischen Verbandes beschlagnahmt. Der Präsident des Verbandes, Dmitri Schlyachtin, sei im April in Monte Carlo vernommen worden.

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