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Doping-Szene Deutschland : Heilmittel im Verruf

Doping mit Heilmitteln: Alltag im Bodybuilding Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Doping-Schwarzmarkt blüht. Anabole Steroide sind dabei der Renner. Medikamente für kleinwüchsige Kinder werden als Muskelaufbaupräparat mißbraucht. Die Hersteller der Medizin kämpfen dagegen.

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          Das Internet ist ein vielfältiges Informationsmittel. Dort kann die Hausfrau Kochrezepte finden. Und der Sportler Dopingrezepte. Wie zum Beispiel das folgende. Man nehme: Ein anaboles Steroid wie etwa Nandrolon, um die Muskeln zum Wachsen zu bringen. Dazu Wachstumshormon, in der Hoffnung, die Muskeln noch weiter aufzublähen und genügend Energie für das große Schwellen freizusetzen.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Das Ganze würze man mit Gaben von Insulin, das die freigesetzte Glukose in die Zellen drücken soll, auch wenn diese längst satt sind. Die Einnahme über einen längeren Zeitraum wird empfohlen, mindestens in Zyklen von sechs Wochen und in hohen Dosen. Das Internet wünscht: Guten Appetit! Und verweist auf einschlägige Fachhändler.

          Menschliches Mastmittel

          Und tatsächlich: Der Schwarzmarkt blüht. Anabole Steroide sind dabei der Renner. „Wenn ich mich dopen wollte, würde ich Steroide nehmen“, sagt auch Professor Werner Blum. Und das, obwohl das Medikament, das in sein Spezialgebiet, die pädiatrische Endokrinologie, gehört, im Internet als menschliches Mastmittel genauso hoch gelobt wird: Humatrope, das biosynthetisch hergestellte Wachstumshormon (human Growth Hormone, abgekürzt hGH), das bei seinem Arbeitgeber, dem Pharma-Konzern Eli Lilly, als Heilmittel entwickelt wurde.

          Kleinwüchsige Kinder werden damit behandelt, oder Erwachsene, die an einem hGH-Mangel leiden. Und auch Humulin, das Insulinpräparat von Eli Lilly, gilt als besonders effektiv und wird Körper-Kulturisten im Internet wie auf dem grauen Buchmarkt wärmstens empfohlen.

          Das Nonplusultra im Bodybuilding

          In der deutschen Zentrale des amerikanischen Konzerns am Rande der idyllischen Kurstadt Bad Homburg ist man überhaupt nicht begeistert von dem Lob, das von der falschen Seite kommt. Im Gegenteil. Zur Zeit wird geprüft, ob es möglich ist, gegen eine Bodybuilding-Website vorzugehen, die die Lilly-Produkte anpreist. Erst in jüngster Zeit ist es der Rechtsabteilung der Firma gelungen, ein Angebot aus dem Internet-Auktionshaus Ebay entfernen zu lassen.

          Da wurde eine angeblich leere Packung Humulin angeboten mit der Fußnote: „Für alle, die es nicht wissen: Dies ist das Nonplusultra im Bodybuilding.“ Solche Werbung kann sich ein Pharma-Hersteller, der ohnehin auf einem hochempfindlichen Gebiet wirtschaftet, nicht leisten. „Wir würden uns niemals auf etwas einlassen, das auch nur im Ansatz auf Mißbrauch hinweisen könnte“, betont der Kinderarzt Blum. „Wäre ich in so etwas verwickelt, würde ich sofort fristlos entlassen.“ Und sein Kollege Christof Kazda, der Verantwortliche für die klinischen Tests der Insulinpräparate, ergänzt: „Wir sind doch keine Drug-Dealer.“

          Medizin und kein Doping

          Beide Spezialisten sind der Meinung, daß ihre verschreibungspflichtigen Heilmittel Kranken helfen sollen und im Sport nichts zu suchen haben. Bei der Empfehlung, Steroide mit Wachstumshormon und Insulin zu kombinieren, handele es sich um Ableitungen aus physiologischen Einzelwirkungen und Erfahrungen mit Kranken, für die es keine Beweise gebe, sagt Blum. Das seien rein hypothetische Annahmen.

          Sowohl für Insulin wie für Wachstumshormon gilt nämlich beim gesunden Menschen: Wird es von außen zugeführt, drosselt der Körper seine Eigenproduktion entsprechend, ein echter Vorteil kann dadurch also kaum erzielt werden. Die riesigen Dosen hGH, die bei einem gesunden, trainierten Menschen benötigt werden, um trotzdem eine Wirkung zu erzielen, kosten zudem ein Vermögen (laut Internet 2000 Dollar im Monat).

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