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Debatte um Rolf Beilschmidt : „Ich habe mich verraten gefühlt“

  • -Aktualisiert am

Rolf Beilschmidt Bild: Picture-Alliance

Doping-Opfer und der Stasi-Experte Roland Jahn diskutieren über Rolf Beilschmidt. Während dessen Rolle in Thüringen von Sport und Politik nie ernsthaft hinterfragt wurde, erreicht der Fall nun den Sportausschuss des Bundestages.

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          Wo stehen sie denn? Roland Jahn hatte keinen leichten Stand. Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit (BStU) der ehemaligen DDR musste sich einige Kritik anhören am Samstag im Berliner Haus der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der Doping-Opfer-Hilfe-Vereine (DOH) hatte zur Mitgliederversammlung auch Experten für das Unrecht eingeladen, das Bürgern während der SED-Diktatur widerfuhr.

          Ein Thema neben den schrecklichen Folgen des staatlichen verordneten Dopings war der aktuelle Fall des Hauptgeschäftsführers im Landessportbund Thüringen, Rolf Beilschmidt. Es war zwar bekannt, dass der ehemalige Hochspringer und frühere Leiter des mit Bundesmitteln finanzierten Olympiastützpunktes Thüringen als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die Stasi arbeitete. Doch zuletzt waren weitere Akten aufgetaucht, die Beilschmidts Spitzeltätigkeit nicht nur in den siebziger, sondern auch in den achtziger Jahren, dann als Funktionär, belegen. Der DOH forderte seinen sofortigen Rücktritt - und wunderte sich über die Zurückhaltung von Jahn.

          Jahn kennt Beilschmidt aus Jugendtagen. Er schreibt auch in seinem jüngsten Buch über den Funktionär, der es nach der Wende über jede Hürde schaffte wie einst auf dem Sprungplatz. Doch die Kritik des BStU-Chefs an seinem Jugendfreund angesichts dessen herausragender Funktionärsrolle und Stasi-Dienste im SED-Spitzensport fällt relativ verhalten aus. Die fehlenden Details zu Beilschmidt sind im Buch eines Stasi-Experten zumindest auffällig.

          Schließlich hatte der Leichtathlet dem Ministerium für Staatssicherheit auch Informationen über seinen Freund Jahn zukommen lassen. „Ich habe mich, als ich erfuhr dass mein Jugendfreund damals eine Postkarte bei seinen Genossen abgegeben hat, die ich ihm nach meiner Ausbürgerung aus dem Westen schickte, klar und deutlich verraten gefühlt“, sagte Jahn. Und forderte damit Doping-Opfer heraus.

          „Jeder wird gleichbehandelt“

          Ob er sich von Beilschmidt distanziere?, fragte Brigitte Michel, einst Diskuswerfern vom TSC Berlin: „Ich habe es nicht nötig, mich zu rechtfertigen, mich von ihm zu distanzieren. Ich habe mich schon als Jugendfreund von seiner politischen Entwicklung, von seinem politischen Verhalten distanziert“, antwortete Jahn und forderte, dass sich Beilschmidt seiner Verantwortung stellen müsse. „Jeder wird gleichbehandelt, ob ich ihn nun kenne oder nicht. In dem Sinne gilt das auch für Rolf Beilschmidt. Er wird genauso behandelt wie alle anderen.“

          Beilschmidt, so ist zu hören, will über den Landessportbund Thüringen die Stasi-Kommission des deutschen Sports um eine Beurteilung seines Falles anrufen. Über seine Stasi-Verstrickungen und über sein jahrelanges Verharmlosen des DDR-Zwangs-Dopings war immer wieder berichtet worden. Obwohl der deutsche Sport nach einer Definition Stasi-Mitarbeiter, die „Schaden zugefügt oder billigend in Kauf genommen haben“ nicht in Führungspositionen sehen wollte, gelang Beilschmidt eine beispielhafte Karriere.

          „Was soll ich noch dazu sagen?

          Der Thüringer sieht sich unterdessen als Medien-Opfer. Er behauptete dieser Tage, also nach den jüngsten Enthüllungen, gegenüber der Thüringer Presse, die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins, Ines Geipel, nie bespitzelt zu haben. Laut Aktenlage aber hat er 1984 über die Sprinterin vom Sportclub Motor Jena 1984 sehr wohl berichtet. „Rolf Beilschmidt lügt weiter. Was soll ich noch dazu sagen?“, erklärte Ines Geipel. „Wenn er stattfindet in meiner Opferakte - und zwar sehr konkret - dann findet er statt.“

          Während Beilschmidts Rolle in Thüringen von Sport und Politik nie ernsthaft hinterfragt wurde, erreichte der Fall jetzt den Sportausschuss des Deutschen Bundestages. „Es ist beschämend, dass ehemalige Funktionäre und Stasizuträger weiterhin in Amt und Würden sind und in mit so einer herausragenden Funktion den Sport auf Landesebene vertreten“, sagte Monika Lazar, die Obfrau der Grünen im Sportausschuss, in Berlin: „Eigentlich müsste Herr Beilschmidt von seinem Posten zurücktreten.“

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