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Doping : Der Fall Hondo zeigt: Es gibt keine Gleichberechtigung

Spitzfindig: Danilo Hondo Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Rechtsprechung im Sport ist trotz aller Harmonisierung nicht für alle gleich - Bewohner der Schweiz haben es besser. Dies ist eine der unrühmlichen Folgerungen, die aus dem Fall des deutschen Radprofis Danilo Hondo gezogen werden müssen.

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          Die Rechtsprechung im internationalen Sport ist trotz aller Harmonisierung nicht für alle gleich - Bewohner der Schweiz haben es besser. Dies ist eine der unrühmlichen Folgerungen, die aus dem Fall des deutschen Radprofis Danilo Hondo gezogen werden müssen. "Diesen Aspekt bedauere ich sehr", sagt Matthieu Reeb, Generalsekretär des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS), "auch, weil er die Verständlichkeit des Systems erschwert." Aber solange die Schweiz ihre Gesetze nicht ändere, werde die Lage so bleiben.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Hondo hatte Ende vergangener Woche erreicht, daß das Oberste Waadtländer Kantonsgericht seine vom CAS ausgesprochene zweijährige Dopingsperre mit einer einstweiligen Verfügung vorerst aufhob. Der CAS hatte in seiner Entscheidung am 10. Januar dem Antrag des Internationalen Radsportverbandes (UCI) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) entsprochen. Beide hatten Berufung gegen das Urteil des Schweizer Verbandes eingelegt, der Hondo zu nur einem Jahr Sperre plus einem Jahr Bewährung verurteilt hatte.

          Spezielle Umstände

          Damit hat erstmals ein Zivilgericht eine Entscheidung des CAS zumindest vorläufig aufgehoben. Grundsätzlich sind die 26 Kantonsgerichte - in diesem Fall das Gericht des Kantons Waadtland - überhaupt nicht für die Revision von CAS-Urteilen zuständig. Das Schweizer Bundesgericht ist normalerweise die einzige Berufungsinstanz. Bei Hondo allerdings kommen spezielle Umstände zusammen: Er selbst lebt in der Schweiz, und zwar in Ascona, und startete mit Schweizer Lizenz. Der Sitz des Internationalen Radsportverbandes (UCI) befindet sich in Aigle bei Lausanne. Und der juristische Sitz der Welt-Anti-Doping-Agentur, deren Büro sich in Montreal befindet, liegt ebenfalls in Lausanne, Kanton Waadtland.

          "Es handelt sich hier um eine nationale Auseinandersetzung", erklärt Reeb, der zur Zeit in Melbourne die Commonwealth-Spiele verfolgt. Über die Konsequenzen der jüngsten Entscheidung für den Anti-Doping-Kampf will er sich zwar erst äußern, wenn er die genaue Begründung des Kantonsgerichts kennt. "Doch wir sehen das ziemlich entspannt."

          Findet er auch einen Rennstall?

          Theoretisch kann Danilo Hondo zwar wieder Rennen fahren, sobald ihm der Schweizer Verband seine Lizenz zurückgegeben hat. Allerdings steht die Entscheidung in der Hauptsache noch aus. Aus der Entfernung nimmt Reeb an, daß der Kantonsrichter "eher aus praktischen als aus legalen Gründen" entschieden habe. Reeb rechnet, wie Hondos Rechtsanwalt Michael Lehner, mit mindestens einem halben Jahr Wartezeit. Sollte das Kantonsgericht dann tatsächlich die Sperre aufheben, könnten die UCI und die Wada nach Einschätzung von Reeb - und entgegen der Meinung von Lehner - das Bundesgericht anrufen. Dieses hat in der Vergangenheit das Prinzip der "Strict Liability", daß also ein Athlet grundsätzlich verantwortlich ist für das, was in seinem Körper gefunden wird, bestätigt.

          Hondo berief sich vor Gericht unter anderem darauf, daß die Spuren des Aufputschmittels Carphedon in seinen Dopingproben bei der Murcia-Rundfahrt 2005 so gering waren, daß das Mittel auf seine Leistung keinen Einfluß gehabt habe. Hondo und sein Anwalt erklärten, das Mittel habe sich möglicherweise als Rest auf dem Boden der Trinkflasche befunden. In diesem Zusammenhang zitiert der Sport-Informations-Dienst den Münchner Sportrechtler und langjährigen CAS-Richter Dirk-Reiner Martens: Er begrüße, daß die Frage nach der Verhältnismäßigkeit von Sanktionen nach Regelwerken, denen der allgemeinverbindliche Wada-Code zugrunde liegt, vor einem obersten Zivilgericht thematisiert werde. Hondos Problem dagegen ist es, daß er nun einen Rennstall finden muß, der sich nicht vor den Konsequenzen fürchtet, sollte das Kantonsgericht in einigen Monaten seine Sperre bestätigen.

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