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Diskussion um E-Gaming : „Die Einheit des Sports ist in Gefahr“

  • -Aktualisiert am

Professionelle E-Gamer: Das Team „Shock“ aus San Francisco bejubelt den Sieg beim Overwatch-Finale. Bild: USA TODAY Sports

Zahlreiche Wissenschaftler und Ärzte warnen vor einer Aufwertung von E-Gaming zum Sport. Das bloße Klicken allein sei keine ausreichende Bewegungsform. Ganz im Gegenteil.

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          71 Sportwissenschaftler und Sportmediziner aus Deutschland haben vor einer Aufwertung von „E-Gaming“ als Sport gewarnt. „Eine Anerkennung von E-Sport allein auf der Basis der Tatsache, dass es Wettkämpfe und Formen motorischer Beanspruchung gibt, würde zu einer Beliebigkeit und grenzenlosen Ausweitung des Sportbegriffs führen, die die Einheit des Sports gefährden würde“, heißt es in einer Stellungnahme der Dozenten und Ärzte aus 29 Städten in zwölf Bundesländern.

          Sie verweisen dabei auf Wettbewerbe, in denen der Erfolg wie im E-Gaming von spezifischen, motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten abhängt, ohne dass sie sich „bislang in einen sportlichen Kontext einordnen ließen“. Andernfalls, davon sind die Unterzeichner überzeugt, zählten auch „Jugend musiziert“ oder Stenographie-Meisterschaften zum Sport.

          Eine Förderung von E-Gaming als Sport sei auch gesundheitspolitisch nicht zu vertreten, heißt es in dem Schreiben. Sport solle Bewegungsmangel kompensieren und die körperliche Leistungsfähigkeit erhalten. Beim E-Gaming, von der dahinter stehenden Industrie als „E-Sport“ beschrieben, würden ausschließlich die Finger und die virtuellen Figuren bewegt. „Die sinnhafte Beobachtung von E-Sport erfolgt nicht über die motorische Aktivität der Bedienung des Eingabegeräts wie Maus oder Controller.“ Das Klicken sei nicht „Selbstzweck der Betätigung“. Nach Auffassung der Wissenschaftler werde die Bewegungsarmut sogar noch gefördert, wenn die Spieler über Stunden hinweg vor den Bildschirmen säßen.

          Allen pädagogischen Bemühungen, das exzessive Computerspielen zu verringern, widerspreche einer Anerkennung als Sportart komplett, heißt es in dem Schreiben. Dem Argument, Sportvereine könnten einen verantwortungsvollen Umgang mit Videospielen vermitteln und einen sportlichen Ausgleich bieten, entgegnen die Wissenschaftler, es sei nicht die Aufgabe der Vereine, Medienkompetenz zu lehren und die Auswirkungen von Bewegungsmangel zu kompensieren. Neben der Förderung von Bewegung sind ethische Grundsätze wie Fairplay und Chancengleichheit fundamentale Säulen der Aufnahmeordnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für Sportarten.

          Die Computerspiele, die den „E-Sport“ dominieren, hätten jedoch die Simulation von Töten und Zerstörung zum Gegenstand und ließen sich deshalb mit diesem Aufnahmekriterium nicht vereinbaren. Auch Computerspiele, die Sportsimulationen bieten, werten die Wissenschaftler im Gegensatz zum DOSB nicht als Sportarten, weil auch dabei keine motorischen Bewegungsmuster gebraucht würden. Sie fordern, „E-Sportbezogene Forschungen“ nicht aus Mitteln der sportwissenschaftlichen Forschungsförderung zu finanzieren.

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