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Diskriminierung von Frauen : IOC macht Taliban Bedingungen

Bilder vergangener Tage: Junge Frauen und Mädchen verfolgen im Oktober 2020 ein Fußballspiel der afghanischen Liga. Bild: picture alliance / Xinhua News Agency

Die Taliban verweigern Frauen und jungen Mädchen in Afghanistan den Zugang zum Sport. Das IOC gewährt dem Regime nun eine weitere Chance – und verzichtet vorerst darauf, das Land auszuschließen.

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          Das Internationale Olympische Komitee hat der Taliban-Regierung in Afghanistan zur Auflage gemacht, Frauen und jungen Mädchen Zugang zum Sport zu gewähren und in Afghanistan lebende Sportlerinnen für internationale Wettkämpfe zu melden. Ansonsten droht dem nationalen olympischen Komitee (NOK) des Landes der Ausschluss, entschied das IOC-Exekutivkomitee, begleitet vom Ausdruck „ernster Sorge“ am Dienstag in Lausanne.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Von Fortschritten hängt auch die Teilnahme Afghanistans an den Olympischen Sommerspielen 2024 ab. Damit gewährt das IOC dem islamistischen Regime, dessen jüngste, die Diskriminierung der Frauen verstärkende Anordnungen es „scharf verurteilt“, eine weitere Chance.

          Zuvor hatte die ­Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) IOC aufgefordert, das afghanische NOK zu suspendieren. Seit der Machtübernahme auch in Kabul im Sommer 2021 verbieten die Taliban Frauen immer rigoroser soziale Teilhabe am Leben.

          Kritik an der FIFA

          Zuletzt hatten die besten afghanischen Fußballspielerinnen scharfe Kritik am Internationalen Verband FIFA geäußert. Die Nationalspielerinnen, die 2021 aus Afghanistan fliehen konnten, trainieren seit Monaten in Australien, können aber keine Spiele bestreiten, weil sie vom afghanischen Fußball-Verband nicht mehr anerkannt werden. Die FIFA wiederum folgt dem nationalen Verband.

          Khalida Popal, die von Europa aus die Flucht der Spielerinnen aus Afghani­stan maßgeblich organisiert hatte, sagte der „New York Times“, die FIFA vertrete die Position, sich nicht in Politik einzumischen. „Dabei geht es hier um Menschenrechte, und das ist ihnen bewusst. Sie haben sich entschieden, uns auszusortieren.“ Ein Sprecher des afghanischen Verbands sagte dem Bericht zufolge, man könne nichts tun. Die Frauenmannschaft habe sich mit ihrer Flucht aufgelöst.

          Das IOC hatte das afghanische NOK zwischen 1999 und 2003 während der ersten Herrschaft der Taliban suspendiert. Im Herbst 2021 hatten IOC-Vertreter und Taliban-Delegierte in Qatar Gespräche geführt, die von Qatars Emir, dem IOC-Mitglied Tamim bin Hamad Al Thani, vermittelt worden waren. Beide Seiten hatten das Treffen als „kon­struktiv“ bezeichnet, das IOC teilte mit, die afghanische Seite habe zugesagt, die Olympische Charta einzuhalten.

          Rund ein Jahr später kann davon nicht im Ansatz die Rede sein. IOC-Mitglied Samira Asghari, die bereits nach der Machtübernahme der Taliban auf die alltägliche brutale Diskriminierung hingewiesen hatte, schrieb im August auf Twitter, dass „primitiv denkende Menschen“ die Hälfte der Bevölkerung einfach einsperre aufgrund ihres Geschlechts sei „unfassbar. Ich mache insbesondere entwickelte Länder dafür verantwortlich, dass diese Grausamkeiten wider die Menschlichkeit geschehen lassen werden. Was ist mit ‚Nie wieder!‘ passiert – ich schätze, das gilt nicht für afghanische Frauen.“ Den Ausschluss des NOK von Guatemala hielt das IOC am Dienstag aufrecht. Dort hatte das Verfassungsgericht Statuten des NOK für ungültig erklärt.

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