https://www.faz.net/-gtl-9guak

Billie Jean King wird 75 : Vorbild für Mädchen und junge Frauen

  • -Aktualisiert am

Eine Vorkämpferin: Billie Jean King wird 75. Bild: dpa

Billie Jean King eignet sich als Vorbild für Mädchen und junge Frauen. Eine, die sich vehement für die Rechte von Frauen einsetzt und viel erreicht hat: zum 75. Geburtstag der ehemaligen Profitennisspielerin.

          Was haben Kleopatra, Michelle Obama, Beyoncé und Billie Jean King gemeinsam? Sie sind im Team der 200 Heldinnen fürs Kinderzimmer – und werden in den „Good Night Stories for Rebel Girls“ porträtiert. Die Kinderbuch-Reihe bricht alle Rekorde und verkaufte sich bisher mehr als drei Millionen Mal.

          Die ehemalige Profitennisspielerin eignet sich in der Tat als Vorbild für Mädchen und junge Frauen. Ihr lebenslanger Einsatz für die Gleichberechtigung von Sportlerinnen ist beispiellos. Wie viel Mut und Überzeugung in ihr steckte, stellte Billie Jean King vor 45 Jahren beim „Battle of the Sexes“ vor einer riesigen Öffentlichkeit unter Beweis – faszinierend nacherzählt im gleichnamigen Film, der im vergangenen Jahr mit Emma Stone in der Hauptrolle in die Kinos kam. King wurde vom ehemaligen WimbledonSieger Bobby Riggs zu einem Schaukampf herausgefordert und stellte sich am 20. September 1973 dem Match Mann gegen Frau. 30 000 Zuschauer im Astrodome in Houston sowie 90 Millionen vor den Fernsehern auf der ganzen Welt sahen das schrille Spektakel, das alle geschlechtertypischen Klischees bediente. Die 29-Jährige wurde von halbnackten Männern auf einem ägyptischen Thron auf den Platz getragen, der 55-jährige Riggs rollte in einer Rikscha ins Stadion, gezogen von Frauen in „Sugar Daddy Candy“-Shirts. Schon vor dem Spiel hatte er den Super-Macho gegeben, der Frauen am liebsten etwa in der Küche sah. Doch am Ende musste er einsehen, dass sie zu weit mehr in der Lage sind: Billie Jean King gewann in drei Gewinnsätzen 6:4, 6:3, 6:3.

          Billie Jean King hatte sich lange gegen die in ihren Augen geschmacklose Inszenierung gewehrt, doch nachdem Riggs die damalige Weltranglistenerste Margaret Court im Mai 1973 mit 6:2, 6:1 deutlich besiegt hatte, war ihr klar, dass sie diese Niederlage ausbügeln musste, um die Ehre der Frauen zu retten. Denn das Spiel war für sie weit mehr als nur eine Show. Der Sieg gegen Riggs war der vorläufige Höhepunkt ihres Kampfes für die Emanzipation der Frauen im Tennissport. „,The Battle of the Sexes‘ war, was den sportlichen Wert betrifft, sicher nicht das überragende Sportereignis des Jahrhunderts“, sagt die Sportsoziologin Petra Tzschoppe. „Aber Billie Jean King hat es verstanden, die enorme Resonanz des Matches für ihr tatsächliches Anliegen zu nutzen.“

          Sie wollte Männer demütigen

          Es war nämlich nicht Kings eigentliches Ziel, Männer zu besiegen oder gar zu demütigen. Sie wollte stattdessen als Tennisspielerin nicht schlechter behandelt werden als ihre männlichen Kollegen. Schon früh in ihrer Laufbahn beklagte sie, dass Männer deutlich höhere Preisgelder bekamen als Frauen. 1970 rief sie daraufhin mit acht weiteren Profi-Spielerinnen eine eigene Turnierserie, die Virginia Slims Series, ins Leben. Die „Original Nine“ wurden dabei kurioserweise von einer Zigarettenfirma gesponsert. Am Ende des Jahres waren es 40 Frauen, die den offiziellen Spielbetrieb der damaligen USLTA, der United States Lawn Tennis Association, boykottierten.

          1973 gründeten King und die anderen Athletinnen die Vereinigung der Profi-Tennisspielerinnen, die heutige WTA. Und im selben Jahr bezahlten die US Open schließlich zum ersten Mal Frauen und Männern die gleichen Preisgelder. Heute, 45 Jahre später, sind immerhin alle vier Grand Slams und einige andere Turniere gleichwertig dotiert.

          Mutig vorgedrungen ins Machtzentrum: Billie Jean King mit drei Wimbledpn-Trophäen für Siege im Einzel, Doppel und MIxed 1967.

          „Es war schon herausragend, dass Billie Jean King bereits in den 1970er Jahren die gleiche Bezahlung so deutlich forderte und auch nicht bereit war, für weniger Geld auf den Platz zu gehen“, sagt Petra Tzschoppe, die als Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes für Gleichstellung zuständig ist. „Denn was man nicht vergessen darf: Billie Jean King war eine Aktivistin für Frauenrechte, zugleich aber auch eine ausgezeichnete Tennisspielerin, die ihre sportliche Karriere für ihre Visionen aufs Spiel setzte.“ Sie war von 1966 bis 1983 aktiv und gewann zwölf Grand-Slam-Titel im Einzel, darunter sechs Mal in Wimbledon. Sie spielte ein beeindruckendes Offensiv-Tennis, mit Serve und Volley und einer strammen einhändigen Rückhand, die man heute im Frauentennis so nicht mehr sieht.

          Der Sport ist immer noch eine Männerwelt

          Auch heute noch tritt Billie Jean King – meist in knallfarbigen Blazern und extravaganten Brillen – am Rande von Tennisturnieren auf und macht sich für die Rechte und Selbstbestimmung von Frauen sowie von Schwulen und Lesben stark. Sie war selbst eine der ersten prominenten Sportlerinnen, die sich zu ihrer Homosexualität bekannt haben. Blättert man in der Geschichte des Sports, findet man einige Athletinnen, die sich ähnlich wie Billie Jean King mit Leidenschaft und spektakulären Aktionen für die Gleichstellung von Frauen eingesetzt haben: Die Italienerin Alfonsina Strada fuhr 1924 als bisher einzige Radrennfahrerin einen Giro d’Italia der Männer mit. Kathrine Switzer aus den Vereinigten Staaten nahm 1967 am Boston-Marathon teil, damals war das Rennen noch reine Männersache. 1972 durften dann erstmals Frauen offiziell starten.

          Und heute? In einer Zeit, in der zunehmend über das Geschlechterverhältnis diskutiert wird und in der immer deutlichere Forderungen nach „Equal Pay“ in allen Branchen laut werden, existiert im Sport immer noch eine große Kluft zwischen den Verdiensten von Frauen und Männern. „Die Ungleichbezahlung zieht sich immer noch durch den Sport“, bestätigt Petra Tzschoppe. Auf der aktuellen „Forbes“-Liste der 100 weltweit am besten verdienenden Sportler ist keine einzige Frau. Aber es stehen auch keine Schwimmer, keine Skifahrer und nur ein Leichtathlet (Usain Bolt) auf der Liste, sondern hauptsächlich Fußballer, Boxer und Basketballspieler. Es herrscht also nicht nur eine große Diskrepanz zwischen den Einkünften von Frauen und Männern, sondern es gibt auch beträchtliche Unterschiede zwischen dem jeweiligen Marktwert einzelner Sportarten und den daraus resultierenden Preisgeldern und Sponsorenverträgen.

          Der Sport ist im Allgemeinen immer noch eine Männerwelt: Funktionäre oder Trainer sind überwiegend männlich; laut einer Studie von 2011 dreht sich bis zu 85 Prozent der Sportberichterstattung um Athleten und nur 15 Prozent um Athletinnen. „Durch diese geringere mediale Resonanz werden Frauen weniger beachtet, weniger in ihren Leistungen gewürdigt und darum nicht entsprechend honoriert“, sagt Petra Tzschoppe.

          Billie Jean King, die an diesem Donnerstag 75 Jahre alt wird, ist damals mutig vorgedrungen in dieses Machtzentrum und hat zumindest für den Tennissport viel erreicht. So sagt Petra Tzschoppe über sie: „Das macht sie zu einem Vorbild, und das wiederum ist so wichtig für die Entwicklung, die im Sport noch lange nicht abgeschlossen ist.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Roland neben dem Alten Rathaus in Bremen: Gerade verhandeln SPD, Grüne und Linke über eine Koalition.

          Teures Wohnen : Kommt der Mietendeckel auch in Bremen?

          Die deutsche Hauptstadt bekommt in wenigen Tagen ein neues Gesetz gegen steigende Mieten. Das Beispiel macht offenbar Schule – auch andere deutsche Städte planen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.