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Billie Jean King wird 75 : Vorbild für Mädchen und junge Frauen

  • -Aktualisiert am
Mutig vorgedrungen ins Machtzentrum: Billie Jean King mit drei Wimbledpn-Trophäen für Siege im Einzel, Doppel und MIxed 1967.

„Es war schon herausragend, dass Billie Jean King bereits in den 1970er Jahren die gleiche Bezahlung so deutlich forderte und auch nicht bereit war, für weniger Geld auf den Platz zu gehen“, sagt Petra Tzschoppe, die als Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes für Gleichstellung zuständig ist. „Denn was man nicht vergessen darf: Billie Jean King war eine Aktivistin für Frauenrechte, zugleich aber auch eine ausgezeichnete Tennisspielerin, die ihre sportliche Karriere für ihre Visionen aufs Spiel setzte.“ Sie war von 1966 bis 1983 aktiv und gewann zwölf Grand-Slam-Titel im Einzel, darunter sechs Mal in Wimbledon. Sie spielte ein beeindruckendes Offensiv-Tennis, mit Serve und Volley und einer strammen einhändigen Rückhand, die man heute im Frauentennis so nicht mehr sieht.

Der Sport ist immer noch eine Männerwelt

Auch heute noch tritt Billie Jean King – meist in knallfarbigen Blazern und extravaganten Brillen – am Rande von Tennisturnieren auf und macht sich für die Rechte und Selbstbestimmung von Frauen sowie von Schwulen und Lesben stark. Sie war selbst eine der ersten prominenten Sportlerinnen, die sich zu ihrer Homosexualität bekannt haben. Blättert man in der Geschichte des Sports, findet man einige Athletinnen, die sich ähnlich wie Billie Jean King mit Leidenschaft und spektakulären Aktionen für die Gleichstellung von Frauen eingesetzt haben: Die Italienerin Alfonsina Strada fuhr 1924 als bisher einzige Radrennfahrerin einen Giro d’Italia der Männer mit. Kathrine Switzer aus den Vereinigten Staaten nahm 1967 am Boston-Marathon teil, damals war das Rennen noch reine Männersache. 1972 durften dann erstmals Frauen offiziell starten.

Und heute? In einer Zeit, in der zunehmend über das Geschlechterverhältnis diskutiert wird und in der immer deutlichere Forderungen nach „Equal Pay“ in allen Branchen laut werden, existiert im Sport immer noch eine große Kluft zwischen den Verdiensten von Frauen und Männern. „Die Ungleichbezahlung zieht sich immer noch durch den Sport“, bestätigt Petra Tzschoppe. Auf der aktuellen „Forbes“-Liste der 100 weltweit am besten verdienenden Sportler ist keine einzige Frau. Aber es stehen auch keine Schwimmer, keine Skifahrer und nur ein Leichtathlet (Usain Bolt) auf der Liste, sondern hauptsächlich Fußballer, Boxer und Basketballspieler. Es herrscht also nicht nur eine große Diskrepanz zwischen den Einkünften von Frauen und Männern, sondern es gibt auch beträchtliche Unterschiede zwischen dem jeweiligen Marktwert einzelner Sportarten und den daraus resultierenden Preisgeldern und Sponsorenverträgen.

Der Sport ist im Allgemeinen immer noch eine Männerwelt: Funktionäre oder Trainer sind überwiegend männlich; laut einer Studie von 2011 dreht sich bis zu 85 Prozent der Sportberichterstattung um Athleten und nur 15 Prozent um Athletinnen. „Durch diese geringere mediale Resonanz werden Frauen weniger beachtet, weniger in ihren Leistungen gewürdigt und darum nicht entsprechend honoriert“, sagt Petra Tzschoppe.

Billie Jean King, die an diesem Donnerstag 75 Jahre alt wird, ist damals mutig vorgedrungen in dieses Machtzentrum und hat zumindest für den Tennissport viel erreicht. So sagt Petra Tzschoppe über sie: „Das macht sie zu einem Vorbild, und das wiederum ist so wichtig für die Entwicklung, die im Sport noch lange nicht abgeschlossen ist.“

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