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Die Krise des Weltfußballs : Boykottiert Blatter

Sepp Blatter verlässt die Fifa-Bühne: Bislang nur eine Momentaufnahme nach seiner Rede Bild: Reuters

Joseph Blatter kann nicht mehr der Richtige an der Spitze der Fifa sein. Sollte er dennoch für weitere vier Jahre gewählt werden, müssten seine Gegner konsequent handeln.

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          Noch nie steckte der Weltfußball in einer solch dramatischen Entscheidungsphase. Die Lage beim Fifa-Kongress in Zürich spitzt sich zu. Zwar will sich der umstrittene Präsident Joseph Blatter an diesem Freitag von seinen Unterstützern unter den 209 Nationalverbänden wiederwählen lassen, was ihm aufgrund der Unterstützer aus vielen Teilen der Welt auch gut gelingen könnte. Doch nach den vielen Worten der Kritiker sind nun auf dieser Seite Taten gefragt, sich zumindest dem fragwürdigen Spiel vor aller Öffentlichkeit zu entziehen. So ist nun die Stunde der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gekommen, die sich unter der Führung ihres schwachen Fußballpräsidenten Michel Platini in den vergangenen Jahren als sportpolitische Papiertiger entpuppt hat. Aber sie ist immer noch die größte Kraft im Weltfußball. Sie könnte etwas für die Ehre des Fußballs tun.

          Dazu müssten von den bedeutenden Nationalverbänden in Europa wie dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) der größtmögliche Druck ausgeübt werden. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und der in Zürich ebenso anwesende Ligachef Reinhard Rauball haben schon seit Monaten den Rückzug Blatters gefordert. Würde der Fifa-Patriarch dennoch die meisten der 209 Stimmen erhalten und für weitere vier Jahre auf dem Chefsessel der Fifa Platz nehmen, müssten seine Gegner konsequent handeln: Also aus der Fifa austreten.

          Er kann nicht mehr der Richtige sein

          Es wäre der logische Entschluss, nachdem die vielen Bemühungen, Angebote und Drohungen der vergangenen Tage und Jahre Blatter bisher nicht zum Aufgeben bewogen haben. Nach den Verhaftungen auch von Fifa-Vorständen, nach den Vorwürfen der amerikanischen Justiz, hochrangige Fußballfunktionäre hätten auf dem amerikanischen Kontinent ein kriminelles Netzwerk gebildet, ist die politische Verantwortung Blatters, sein Versagen offensichtlich. Er kann nicht mehr der Richtige sein an der Spitze dieser Weltorganisation.

          Der Rückzug des DFB oder auch eines ebenso kritischen englischen Verbandes würde ein Zeichen sein für die zaudernden Sponsoren der Fifa und zugleich die Glaubwürdigkeit der Opposition erhöhen. Es wäre zwar in diplomatischer und sportpolitischer Sicht eine extreme, außerordentlich ungewöhnliche Entscheidung. Doch müssen sich die großen Verbände in Europa fragen, welche Mittel ihnen überhaupt noch bleiben, um Veränderungen herbeizuführen, die sie stets vollmundig einfordern. Die vielleicht naiv erscheinende Forderung könnte den Weg ebnen für eine grundlegende Kurskorrektur an der Spitze der Fifa. Zugleich könnte sich Fußball-Europa von seiner Ohnmacht befreien. Denn viele Europäer innerhalb der Fifa-Familie, auch die Deutschen, spielten bei der versuchten Reform des Weltfußballs keine überzeugende Rolle.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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