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Abservierte Fifa-Kontrolleure : Das System schlägt zurück

  • -Aktualisiert am

Fifa-Präsident Gianni Infantino bei eine Pressekonferenz auf Haiti Bild: AP

Hat da jemand tatsächlich geglaubt, die Fifa würde sich eine unabhängige Überwachung und Beurteilung gefallen lassen? Der Rauswurf zeigt: Der alte Geist der Fifa bleibt bestehen.

          Warum trennt sich der Internationale Fußball-Verband (Fifa) vom Chefermittler Cornel Borbély und vom Vorsitzenden der Spruchkammer, dem deutschen Richter Eckert? Darauf gab es bis zum Mittwochabend keine Antwort. Also muss man spekulieren: Haben die beiden Herren vielleicht nicht gut genug gearbeitet? Waren sie nicht fleißig genug, oder verschleppten sie ihre Aufgabe, der Fifa zu neuer Glaubwürdigkeit zu verhelfen?

          Das wären akzeptable Gründe. Allein der Arbeitsnachweis spricht dagegen: 70 Urteile hat Richter Eckert gefällt, unter anderem auf Zuarbeit von Borbély. Dabei wurde weder auf Rang noch auf Ansehen der Personen geschaut: Fifa-Vater Blatter, Uefa-Chef Platini, sogar Kaiser Franz und auch der zurückgetretene DFB-Präsident Niersbach wurden gesperrt.

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          Unter dem Druck staatlicher Ermittler und der weltweiten Berichterstattung setzte die Fifa „Selbstreinigungskräfte“ wie Borbély und Eckert ein, deren Arbeit den begründeten Eindruck erweckte, die Herrschaften in den Führungsgremien könnten nicht mehr so walten und schalten wie einst unter Blatter. Selbst gegen den neuen Fifa-Boss Infantino wurde ermittelt. Aber hat denn jemand ernsthaft geglaubt, das System würde sich eine unabhängige Überwachung und Beurteilung auf Dauer gefallen lassen?

          Ein freischwebendes Kontrollgremium mitsamt einer augenscheinlich unbestechlichen Spruchkammer ist eine gewisse Zeit gut für die Außenwirkung. Dann aber werden solche Einrichtungen zu einer Gefahr für das System. Es hat zurückgeschlagen. Weil allein die Sperren überführter Funktionäre nicht ausreichen, einen Mentalitätswandel, eine grundlegende Änderung der Machtorganisation auszulösen.

          Der alte Geist der Fifa bleibt bestehen

          Schon die Wahl Infantinos, der aus dem von Platini geführten Uefa-Apparat stammt, verdeutlichte die Abneigung, die Ursache allen Übels zu beseitigen. Vor diesem Hintergrund ist die (aufgezeichnete) Äußerung Infantinos während einer geschlossenen Sitzung der Exekutive zu verstehen: Der Schweizer sah die Fifa in „Geiselhaft“ ihrer Kontrolleure.

          Seit Dienstag ist nun klar, dass sich der alte Geist der Fifa, getragen von dem Einfluss Gesperrter und deren Assistenten in den Fifa-Reihen, wieder durchgesetzt hat. Neben Borbély und Eckert musste auch Miguel Maduro weichen, Chef der Governance-Kommission.

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          Er hatte Russlands ehemaligen Sportminister und nun stellvertretenden Premierminister Witali Mutko aus der Fifa-Regierung gedrängt. Diese Enthauptungen sind Signale an all jene, die glaubten, man dürfe ungestraft aufräumen in der Fifa. Vielleicht werden die Nachfolger Borbélys und Eckerts, in gewissem Sinne von Infantinos Gnaden, mit gleichem Anspruch ans Werk gehen.

          Aber sie werden es schwer haben, die vielen hundert noch anhängigen Fälle aufzuarbeiten. Sie beginnen quasi bei null, müssen sich mit Verdächtigungen beschäftigen, die teils lange zurückliegen. Das wird wenigstens zu einer starken Verschleppung führen, vielleicht zu einer Überforderung. Und so ist es gewollt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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