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Kommentar : Erste Hilfe für den Sport

  • -Aktualisiert am

Kopfstände nötig: Der Sport muss gerettet werden Bild: Reuters

Die Europa-Spiele in Baku führen die Aushöhlung des Sports vor. Dessen Wert für die Gesellschaft ist und bleibt groß. Aber die Politik muss ihm aus dem Sumpf helfen.

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          Manipulation, Korruption, Verschiebung? Die Öffentlichkeit will nichts hören von schmutzigen Spielen. Sie lebt gern mit der Illusion vom sauberen Sport und dessen Beteuerung, ausreichend Selbstreinigungskräfte zu besitzen, wenn Flecken auftauchen. Bis der Staat zupackt. Erst das FBI hat das korrupte System des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa gesprengt. Erst die staatlichen Untersuchungen in Italien deckten den Bestechungsskandal von Juventus Turin auf. Und ohne die intensiven Recherchen italienischer und amerikanischer Staatsanwälte wäre es der Anti-Doping-Agentur der Vereinigten Staaten niemals gelungen, die betrügerische Allianz des Radhelden Lance Armstrong und des Internationalen Radsport-Verbandes zu enthüllen.

          Neben den heiteren wie bitterernsten Zweikämpfen auf dem Feld der Ehre geht es im Sport längst um lebenslange, emotionale Verbindungen, um Marktanteile, Macht und - je nach Niveau - um Abermillionen. Alles ist miteinander verflochten. Der Sport braucht den Staat, um vor sich selbst geschützt zu werden. Aber er wehrt sich. Die Organisationen pochen aus schlechter Erfahrung auf ihre Autonomie. Nichts wäre schlimmer als eine vollständige politische Instrumentalisierung, wie sie die Welt rund um die Olympischen Spiele 1936 in Deutschland erlebte.

          Baku führt die Aushöhlung des Sports vor

          Als Teil einer perfiden Propaganda alle wesentlichen, über jeden noch so packenden Wettkampf hinausreichenden Werte zu verlieren: Fairness, Respekt, Menschlichkeit. Die Aushöhlung letztlich auf Kosten der Sportler wird in diesen Tagen bei den eher überflüssigen Europa-Spielen in Baku vorgeführt. Der Sport verkauft sich für ein prunkvolles Fest und tut so, als müsse er nicht teuer dafür bezahlen. Es ist ein Trauerspiel.

          Die Autonomie des Sports darf nicht grundsätzlich angetastet werden. Allerdings ist sein Wert für die Gesellschaft zu groß, als dass man ihn weiterhin halbwegs unkontrolliert sich selbst überlassen dürfte. Zumal nicht allein die Fifa einziger Hort der Korruption ist. Wer hinschaut, entdeckt in kleineren Verbänden, ja bis hinunter in Vereine ähnliche Strukturen.

          Da war der Vizepräsident, der als Sponsor seines Verbandes und gleichzeitig als Sponsor eines Athleten gegen dessen Konkurrenten im Nationalteam mobil machte. Es gibt einen Verbands-Präsidenten, der Geld von der Industrie und einem riesigen Verein bekommt, die in seinem Sport als Wettbewerber auftreten. Nicht in Südamerika, nicht gestern, sondern in Deutschland, heute.

          Anhand der Doping-Geschichte lässt sich der bislang größte Korruptionsskandal des deutschen Sports belegen. Er hat nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern auch Menschenleben gekostet. Deshalb ist die Initiative des Staates, noch in diesem Jahr Doping unter Strafe zu stellen, eine unschätzbare Erste Hilfe. Von allein kommt der Sport aus seinem Sumpf nicht heraus.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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