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Die Bayern und die Steuern : Gute Freunde kann niemand trennen

Der Präsident des Vereins: Uli Hoeneß ist nur einer von vielen Bild: dpa

Der Fall Hoeneß ist nur einer von vielen. Die Summe der Einzelfälle legt den Schluss nahe, dass Steuerehrlichkeit in Privatangelegenheiten keine Voraussetzung ist, um beim FC Bayern München ein Amt zu bekleiden. Der Draht zwischen dem Fußballklub und der Staatskanzlei war schon immer kurz.

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          „Die Steuer - auch mein Problem. Es muss zwar sein, dass man einen Teil seines Einkommens an den Staat abführt. Aber gleich so viel?“

          Franz Beckenbauer, „Ich - Wie es wirklich war“, 1998

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          „Uli ist kein Betrüger. Da ist ihm irgendein Fehler unterlaufen, das kann sein. Da sind wir, die wir jahrelang mit ihm unterwegs waren und teilweise von ihm profitiert haben, aufgefordert, ihn zu unterstützen.“

          Franz Beckenbauer, bei „Sky“, 23. April 2013

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          Der Kaiser kennt sich aus mit der Steuer, er konnte gewissermaßen gar nicht anders. Die Steuerberatung kam von oben, aus dem Münchner Regierungsbetrieb Mitte der siebziger Jahre. Ministerpräsident war Alfons Goppel, es herrschte die CSU, also Franz Josef Strauß, und im Finanzministerium erfreute sich Minister Ludwig Huber, der schon als Fraktionsvorsitzender im Landtag die Nähe des Sportlers gesucht hatte, so sehr an den Erfolgen des FC Bayern München mit Kapitän Beckenbauer, dass gute Ratschläge zur Dienstpflicht wurden. In seiner Autobiographie hatte Beckenbauer Ende der neunziger Jahre folgende Erinnerung an ein Fest: „Hatte der Minister (Huber, d. Red.) uns nicht über einige Tische hinweg zugerufen: Franz, wenn was ist, nur melden?“

          Es war was. Beckenbauers Manager Robert Schwan hatte die Vermarktung seines Schützlings glänzend im Griff, die Werbegelder sprudelten, die Ideen zur Steuervermeidung auch, nicht nur bei Schwan. Der baute diverse Firmenkonstrukte für Beckenbauer, denen gemeinsam war, dass ihr Sitz nicht etwa in München, sondern in der Schweiz lag. Das eingeleitete Steuerverfahren hingegen zog sich. Als es schließlich doch eine Durchsuchung gibt, Ende Januar 1977, ist Schwan empört. Er habe zuvor einen Tipp aus der Finanzverwaltung erhalten, nur den Zeitpunkt der Razzia nicht gekannt. Und überhaupt, den Tipp zur Schweizer Konstruktion habe er doch aus den höchsten Ebenen der bayerischen Landespolitik, schließlich sei „unsere politische Gesinnung“ ja bekannt.

          Protektion der Staatsregierung für Prominente

          Die Vorgänge von damals hat nicht nur Beckenbauer zu Papier gebracht, sie stehen auch in den Erinnerungen des bayerischen Ministerialrats a. D. Wilhelm Schlötterer „Macht und Missbrauch“. Der Beamte in Hubers Finanzministerium versuchte zunächst, seinen Staatsdienst zu versehen, ohne sich strafbar zu machen, er trieb den Fall Beckenbauer voran wie gegen jeden anderen Verdächtigen auch. Schlötterer stieß schnell an Grenzen. In seinen Augen machte sich nicht nur der Finanzminister mit seiner Hilfe für Beckenbauer strafbar. Schlötterer drang auf Recht und Gesetz und zog den Zorn des bayerischen Herrschers Franz Josef Strauß auf sich. Er wird mit Strafmaßnahmen überzogen. Heute, mit 73 Jahren, sagt er nicht ohne Stolz, „dass jedes Verfahren gegen mich, ob dienstlich oder strafrechtlich, erbracht hat, dass ich mich rechtmäßig verhalten habe“.

          Franz Beckenbauer: „Aber gleich so viel?“

          Beckenbauer genießt unterdessen die Protektion der Staatsregierung längst nicht als einziger Münchner Prominenter. Über der Ära Franz Josef Strauß und seines Nachfolgers Max Streibl liegt bis heute der Mehltau der Verfilzung als Regierungsprinzip, Bayern und seiner Regierungspartei brachten jene Jahre den Ruf des „Korruptionsstadls“ ein. Die Protektion bewahrt Beckenbauer aber nicht davor, die Steuersache schließlich mit einer Nachzahlung in Millionenhöhe zu bereinigen.

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