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IOC : Wer sind die Athleten?

Die Hoffnung lebt: Bei den Olympischen Jugendspielen sind die Diskussionen um Athletenrechte Randerscheinung. Bild: Reuters

Intransparent und unvollständig: Sportler protestieren in einem offenen Brief an das IOC gegen die Verabschiedung einer Erklärung, die ihre Rechte betrifft. Bei der Session am Rande der Jugendspiele in Buenos Aires soll das Thema werden.

          Menschenrechtsorganisationen und Athletenvertreter haben an das Internationale Olympische Komitee (IOC) appelliert, die Verabschiedung der sogenannten Erklärung der Athletenrechte und -pflichten bei seiner Session während der Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires an diesem Montag zu unterlassen. Die Erklärung sei in einem intransparenten Vorgang entstanden und werde, soweit man ihren Text kenne, nicht dem Anspruch gerecht, das ganze Spektrum der Rechte von Athleten im Sport und erst recht als Menschen zu umfassen, schreiben Athletenvertreter aus Deutschland, Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten sowie aus der Leichtathletik in einem offenen Brief an IOC-Präsident Thomas Bach.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Sie bezweifelten, dass die Stimme der Athleten angemessen gehört und berücksichtigt worden sei, heißt es weiter. Sie vertrauten nicht darauf, dass die Athleten-Kommission des IOC und die Steuerungsgruppe für die Erklärung die Athletengemeinschaft bei einem solch wichtigen Thema vollständig repräsentierten. Um die Erklärung zu legitimieren, verlangen sie, solle diese von Experten für Menschenrechte und Arbeitsrecht überprüft werden.

          Integrität und sauberer Sport

          Das IOC beruft sich darauf, dass durch eine Umfrage mehr als 4000 Athleten direkt an der Erarbeitung des Textes beteiligt gewesen seien. Das Projekt unter dem Namen „Athlete365“ begann im November 2017. Eine zwanzigköpfige Steuerungsgruppe unter Vorsitz der neuseeländischen Mountain-Bikerin Sarah Walker schuf mit Hilfe von Personal des IOC die Athleten-Erklärung; sie ist noch nicht veröffentlicht. Laut Website des IOC hat sie fünf Schwerpunkte: Integrität und sauberer Sport („das Recht auf einen fairen und sauberen Wettbewerb“), Unternehmensführung und Kommunikation, Karriere und Marketing, Sicherheit und, fünftens, sportlicher Wettbewerb. Als umfassende Prinzipien werden das Menschenrecht auf Sport und der Schutz vor Diskriminierung genannt.

          Die 30 Jahre alte Sarah Walker, Olympia-Zweite von London 2012, verfügt laut IOC über einen Abschluss in Design und Dekoration. Auf der Website newshub.co.nz schrieb sie, dass der größte Eindruck bei der Arbeit an der Erklärung gewesen sei, die Geschichten benachteiligter und diskriminierter Sportlerinnen und Sportler zu hören. Gleichzeitig habe sie sich selbst sportlich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren.

          Eine „Sport & Rights Alliance“, welcher Human Rights Watch, Terre des Hommes, Transparency International Deutschland, die Gewerkschaft World Players Association und Amnesty International Niederlande angehören, protestiert ebenfalls gegen die Verabschiedung der Athletenrechte. Das IOC solle erst die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte implementieren und sich damit zu den Menschenrechten bekennen, ständige Menschenrechtsüberprüfung (Due Diligence) vornehmen und einen Prozess zur Wiedergutmachung etablieren. Dies müsse es tun, bevor es eine solche Erklärung in Kraft setze, schreibt die Allianz. In seinem Vertrag mit den Olympia-Städten Paris und Los Angeles für 2024 und 2028 (Host City Contract) schreibe das IOC die Implementierung der UN-Leitprinzipien vor. Auch der Welt-Fußballverband Fifa habe sich, im Gegensatz zum IOC, verpflichtet, sie einzuhalten.

          Riss durch den internationalen Sport

          „Der vorgeschlagene Inhalt ist unvollständig, berücksichtigt nicht die Sprache der international anerkannten Menschenrechte und ordnet sogar die eingeschränkte Erklärung von Athletenrechten den Regeln des Sports unter“, schreibt Brendan Schwab, Geschäftsführer von World Players Association, in einem weiteren Brief an Bach über die Erklärung. „Es ist deutlich, dass der vorgesehene Inhalt entwickelt worden ist, ohne die besonderen Menschenrechtsrisiken für Athleten zu identifizieren und zu berücksichtigen, auf welche das IOC Einfluss hat.“ Die Anerkennung dieses Dokuments durch das IOC werde die Risiken für Athleten in der olympischen Bewegung lediglich verschärfen und das Risiko vergrößern, dass sie persönlich oder ihre Grundrechte verletzt würden.

          Die Auseinandersetzung macht deutlich, dass der Riss, welcher durch den internationalen Spitzensport spätestens seit dem inkonsequenten Umgang des IOC und der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mit dem staatlichen Doping in Russland geht, weiter wächst. Bei der Sitzung der Wada auf den Seychellen war Athletensprecherin Beckie Scott heftig dafür kritisiert worden, dass sie gegen die Aufweichung der Kriterien und die daraus resultierende Anerkennung der lange ausgeschlossenen russischen Anti-Doping-Agentur protestiert hatte. Athleten sollten ihren Platz kennen, sagte laut mehreren Berichten ein Funktionär hinter verschlossenen Türen – was das Gegenteil der Überzeugung darstellt, dass Sportlerinnen und Sportler das Herz des Sports und der Olympischen Spiele seien.

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